Erzbischof Ludwig Schick
Erzbischof Ludwig Schick
Die Rapper Kollegah (r) und Farid Bang
Die Rapper Kollegah (r) und Farid Bang

16.04.2018

Erzbischof bezeichnet "Echo"-Verleihung an Rapper als Fehler "In keinem Bereich wieder hoffähig machen"

Einige Preisträger geben bereits ihren "Echo" zurück. Nach der Verleihung des Musikpreises nehmen die Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Rapper Kollegah und Farid Bang nicht ab. Erzbischof Schick kritisiert die Verleihung an die beiden Musiker scharf.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat die Verleihung des Musikpreises "Echo" an die Rapper Kollegah und Farid Bang als "Fehler" bezeichnet. "Antisemitismus darf auf keinen Fall und in keinem Bereich wieder hoffähig gemacht werden", schrieb der Weltkirche-Bischof am Montag auf Twitter. Der Holocaust müsse immer als Mahnung stehen und dürfe durch nichts verharmlost werden.

Antisemitismus-Vorwürfe gegen die beiden Rapper

Gegen die beiden Musiker häufen sich die Antisemitismus-Vorwürfe. In einem Liedtext von ihnen heißt es: "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen." Trotz Kritik im Vorfeld erhielten sie am Donnerstag in Berlin einen "Echo" in der Kategorie Hip-Hop/Urban National.

Bereits am Wochenende gab das im vergangenen Jahr mit dem "Echo"-Klassik-Nachwuchspreis ausgezeichnete Notos Quartett aus Protest seinen Preis zurück. Am Montag wurde bekannt, dass auch Musiker und Grafiker Klaus Voormann den gerade erhaltenen "Echo" für sein Lebenswerk zurückgibt.

"Um den Preis zu verleihen, braucht es Preiswürdigkeit"

Über die Vergabe des Musikpreises Echo muss nach Ansicht des Kulturbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, künftig eine Fachjury entscheiden. "Um einen Preis zu verleihen, braucht es Preiswürdigkeit. Das kann nicht Sache bloßer Verkaufszahlen sein", sagte Claussen am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bislang entscheidet der kommerzielle Erfolg, wer ausgezeichnet wird.

Der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, Florian Drücke, hatte am Sonntag erklärt, der Preis werde überarbeitet. Dies schließe eine umfassende Erneuerung der Mechanismen von Nominierung und Preisvergabe ein.

Claussen sieht keine Alternative zu einer Jury: "Die Entscheidung über Preisträger muss von ausgewiesenen Kennern der Populärkunst getroffen werden." Beliebtheit müsse berücksichtigt werden, "aber es geht hier um Qualität". Die bisherige Regelung, nach der ein Ethik-Beirat über Fälle berät, in denen nach Verkaufszahlen ein Preis verliehen werden müsste, Bands oder Textinhalte aber für problematisches Gedankengut stehen, bräuchte man dann nicht mehr.

(KNA, epd)

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