Mann mit Kippa
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Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland
Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

03.04.2018

Zentralrat der Juden will Meldesystem für antisemitische Vorfälle "Für ein deutlicheres Bild"

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat eine Einrichtung vorgeschlagen, die antisemitische Vorfälle "rasch und ohne viele Hürden" erfasst. Diese sei "auch und insbesondere für Übergriffe an Schulen" wichtig.

Er wünsche sich ein niedrigschwelliges Angebot, um antisemitische Vorfälle zu melden, sagte Schuster der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Alle antisemitischen Vorfälle sollten bundesweit gemeldet werden können, sagte Schuster: "So erhalten wir ein deutlicheres Bild des Antisemitismus und seiner vielen Facetten."

Vorschlag von Kauder

Schuster ging damit über den Vorschlag des Unions-Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder (CDU) hinaus, der am Osterwochenende eine Meldepflicht für judenfeindliche Vorfälle an Schulen gefordert hatte. Alle Schulen sollten verpflichtet werden, solche Vorfälle konsequent der Schulverwaltung zu melden, hatte er am Osterwochenende der "Welt am Sonntag" gesagt. Es sei wichtig, belastbare Angaben über das Ausmaß des Antisemitismus zu bekommen.

Schuster forderte, alle antisemitischen Vorfälle sollten bundesweit gemeldet werden können. "So erhalten wir ein deutlicheres Bild des Antisemitismus und seiner vielen Facetten", sagte er.

Beck unterstützt Forderung

Der Grünen-Politiker Volker Beck unterstützte unterdessen die Forderung nach einer Meldepflicht bei antisemitischem Mobbing an Schulen. "Solche Vorfälle sollten immer an die höheren Ebenen gemeldet werden, um ein Lagebild zu erhalten", sagte Beck der in Bielefeld erscheinenden "Neuen Westfälischen".

Damit könne man verhindern, dass solche Vorkommnisse "als Einzelfälle abgetan und unter den Tisch gekehrt werden", erklärte Beck, der als Lehrbeauftragter am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien der Universität Bochum arbeitet.

Die 2011 von einer Expertenkommission für die Schulen erstellten Handlungsempfehlungen für den Kampf gegen Antisemitismus seien von Bund und Ländern bis heute nicht konsequent und nachhaltig umgesetzt worden, beklagte der frühere Bundestagsabgeordnete: "Wegschauen, weghören und schnell zu den Akten legen sind immer noch schulische Routine."

Anlass für die aktuelle Debatte ist der Fall einer Berliner Schülerin, die wegen ihres Glaubens an einer Grundschule bedroht worden sein soll.

(epd)

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