Juden sind vielfach antisemitischen Übergriffen ausgesetzt
Juden sind vielfach antisemitischen Übergriffen ausgesetzt
Ahmad Mansour, Publizist
Ahmad Mansour, Publizist

22.12.2017

Islamexperte Mansour nennt Islamverbände "scheinheilig" "Irgendwann ist es genug"

Islam-Experte Ahmad Mansour wirft den Islamverbänden in Deutschland vor, in der Antisemitismusdebatte "scheinheilig" zu handeln. Die Problematik solle stattdessen in Moscheen und Gemeinden ehrlich thematisiert werden.

"Mahnwachen zu veranstalten und zu sagen, dass Juden nicht rassistisch behandelt werden dürfen", helfe nicht weiter, "wenn das Thema in den Moscheen und Gemeinden gar nicht mutig und ehrlich angesprochen wird", sagte der Islam-Experte Ahmad Mansour der "Welt" am Freitag.

Demonstrationen verbieten und Hetze bestrafen

Zudem fordert er im Kampf gegen muslimischen Antisemitismus auch Demonstrationsverbote. Bei den Kundgebungen zum Al-Kuds-Tag etwa komme es seit Jahren zu antisemitischen Äußerungen: "Irgendwann ist es genug." Solche Demos zum Beispiel auf dem Berliner Kurfürstendamm, "der geschichtlich viel mit dem Holocaust zu tun hat", sollte man daher "komplett verbieten", so Mansour weiter: Wer zu Gewalt aufrufe, "muss definitiv wissen, dass er in Deutschland keinen Platz hat".

Das gelte auch nicht nur für das Verbrennen israelischer Flaggen: "Wer 'Juden ins Gas' ruft, dem muss klar sein, dass er in diesem Land mit Konsequenzen zu rechnen hat." Hetze im Internet müsse ebenso hart bestraft werden wie analoge Hetze. Politiker scheuten die Debatte, "weil sie glauben, auf diesem Feld nur verlieren zu können", sagte Mansour.

Es gebe eine allgemeine "Verklemmtheit" im Umgang mit dem Islam. "Das Totschlagargument dabei lautet: Bloß nicht Rassismus oder Islamfeindlichkeit schüren."

Ahmad Mansour

Mansour ist Palästinenser, stammt aus Israel und wäre in seiner Jugend nach eigenen Angaben beinahe radikaler Islamist geworden. Heute beschäftigt sich der Psychologe und Autor mit Projekten gegen Radikalisierung, Unterdrückung und Antisemitismus unter Muslimen. Er lebt und arbeitet seit mehr als zehn Jahren in Deutschland.

(KNA)

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