Antisemitismus: Juden in Deutschland sehen wachsende Bedrohung
Antisemitismus: Juden in Deutschland sehen wachsende Bedrohung
Abraham Lehrer von der Kölner Synagogen-Gemeinde
Abraham Lehrer von der Kölner Synagogen-Gemeinde

19.11.2017

Vizepräsident des Zentralrats der Juden wünscht sich mehr Bürgercourage "Kraft und Mut aufbringen"

Immer öfter werden jüdische Deutsche angegriffen, im Netz hat sich der Ton verschärft. Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, wünscht sich, dass die ganze Gesellschaft etwas dagegen unternimmt.

domradio.de: Eigentlich sollte gerade in Deutschland Antisemitismus der Vergangenheit angehören. Doch im Internet ist die Hemmschwelle für Angriffe gering. Wie erleben Sie das als jüdische Gemeinde?

Abraham Lehrer (Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland): Wir erfahren immer wieder von unseren Gemeindemitgliedern, vor allen Dingen von den jüngeren Menschen, dass die Hemmschwelle für eine Leugnung des Holocausts sinkt und sie zunehmend direkt angegriffen werden - sie werden als Jude beschimpft und beleidigt. Es kommen Sätze wie: 'Man hat dich und deine Eltern vergessen zu vergasen'. Solche Dinge mehren sich laut den Berichten, die wir aus den Netzwerken bekommen.

domradio.de: Nun diskutieren wir gerade in den vergangenen Jahren über Fake News und den raueren Ton im Netz. Ist das auch Ihre Erfahrung, dass sich der Ton in den letzten Jahren verschärft hat ?

Lehrer: Er hat sich verschärft, weil die Hemmschwelle für persönliche Angriffe weit gesunken ist. Menschen, die eine etwas auffälligere Position beziehen, werden beschimpft oder bedroht. Oder ihnen wird zugeschrieben, dass sie die berühmte jüdische Weltverschwörung unterstützen oder ähnliche Dinge.

domradio.de: Aber wie reagieren Sie oder diese jungen Menschen auf solche Anfeindungen? In einem Chat kann ich ja direkt antworten?

Lehrer: Es gibt ganz unterschiedliche Reaktionen. Manche haben zunächst einmal versucht, sich zu wehren und dagegen zu stellen. Sie werden dann häufig noch massiver bedroht und ziehen sich dann zurück. Manche haben von vornherein Angst, manche kennen überhaupt keine Angst und bringen es zur Anzeige - in den sozialen Netzwerken und bei den Polizeibehörden.

Wir versuchen unsere jungen Menschen dazu zu bringen, dass sie die Kraft und den Mut aufbringen, diese Dinge öffentlich zu machen und anzuzeigen. Das ist auch etwas, was wir uns sehr von der nichtjüdischen Gesellschaft wünschen – dass solche Dinge bei der Polizei oder bei den Verantwortlichen in den sozialen Netzwerken angezeigt und angemahnt werden. Nur dann erreicht man, dass diese Dinge im Netz geächtet werden.

domradio.de: Jetzt diskutieren Sie morgen beim Israel Forum in NRW auch grundsätzlich die Beziehung zwischen Deutschland und Israel. Es gibt viele tolle Beispiele, wie Städtepartnerschaften zwischen Köln und Tel Aviv oder Schulpartnerschaften zwischen einzelnen Schulen der beiden Länder. Wie ist da der Stand der Beziehungen, sind Sie damit zufrieden?

Lehrer: Der Stand der Städtepartnerschaften ist sehr gut, gerade die Städtepartnerschaft zwischen Köln und Tel Aviv hat Vorbild-Charakter. Wir würden uns natürlich wünschen, dass der Jugendaustausch sich weiter intensivieren würde und noch mehr Jugendliche aus Deutschland nach Israel reisen und dort ein soziales Jahr oder Praktika absolvieren - und umgekehrt. Diesen Jugendaustausch kann man noch weiter intensivieren.

domradio.de: Aber warum? Was erzählen Ihnen die Jugendlichen, wenn sie beispielsweise aus Israel zurückkommen? Was macht das mit ihnen?

Lehrer: Wenn sie bei der Betreuung von den wenigen Holocaust-Überlebenden eingesetzt sind und sich dort im Laufe der Zeit ein Vertrauensverhältnis zwischen dem oder der Überlebenden und dem jungen Menschen ausbildet und die älteren Herrschaften dann anfangen vom Konzentrationslager und der Verfolgung zu erzählen, bringt das junge Menschen dazu, sich wirklich ganz konsequent gegen eine Wiederholung von solchen Zuständen zu stellen. Es macht ihnen verständlich, was für eine unmenschliche besondere Geschichte da auf die Juden zugekommen ist.

Das Gespräch führte Martin Mölder.

(DR)

Kölner Ministrantenwallfahrt 2018

Rund 2.400 Messdienerinnen und Messdiener aus dem Erzbistum Köln besuchen zur diesjährigen Ministrantenwallfahrt Rom. Noch bis 20. Oktober wollen sie unter dem Motto "Felsenfest" ihren Glauben stärken.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

DOMRADIO in Berlin und Brandenburg

Ab sofort auf DAB+ auch in Berlin und Brandenburg: Das Kölner DOMRADIO!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 19.10.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

  • Christoph Köster aus Rom von der Ministranten-Wallfahrt
  • Wie war die Abschlussmesse der Ministranten-Wallfahrt in Rom?
  • Dürre in Deutschland
  • Auslegung des Tagesevangeliums mit Ulrich Terlinden, Bedburg-Hau
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Kantorin von Sankt Agnes wird verabschiedet
  • Was ist, wenn es keine Grabsteine mehr gibt?
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Kantorin von Sankt Agnes wird verabschiedet
  • Was ist, wenn es keine Grabsteine mehr gibt?
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Missbrauchsskandal: in Pennsylvania ermittelt nun auch das US Justizministerium
  • Dr. Wolfgang Thierse zu seinem 75. Geburtstag
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Missbrauchsskandal: in Pennsylvania ermittelt nun auch das US Justizministerium
  • Dr. Wolfgang Thierse zu seinem 75. Geburtstag
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Missbrauchsskandal: in Pennsylvania ermittelt nun auch das US Justizministerium
  • 40 Jahre Christlich-islamische Begegnungs- und Dokumentationsstelle
  • Stand der internationalen Religionsfreiheit wurde im Bundestag debattiert
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Lukasevangelium
    20.10.2018 07:50
    Evangelium

    Lk 12,8–12

  • Saint Paul's Cathedral
    20.10.2018 09:10
    Anno Domini

    Saint Paul’s Cathedral in Lond...

  • Efeublüte
    20.10.2018 09:50
    Landfunk

    Die Pflanze für die Ewigkeit

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen