Mobbing-Vorwürfe in Berlin: Zentralrat der Juden fordert Aufklärung
Mobbing-Vorwürfe in Berlin: Zentralrat der Juden fordert Aufklärung

03.04.2017

Mobbing gegen jüdischen Schüler in Berlin Zentralrat der Juden verlangt Aufklärung

Berlin ist als Partystadt bei jungen Israelis beliebt. Aber an Schulen haben Juden offenbar teils einen schweren Stand. Der Zentralrat der Juden fordert, dass mutmaßliche Vorfälle an einer Schule in Berlin-Friedenau aufgeklärt werden.

Im Fall eines 14-jährigen jüdischen Jungen, der an einer Berliner Schule offenbar antisemitisch beleidigt und angegriffen wurde, verlangt der Zentralrat der Juden in Deutschland Aufklärung. "Wenn die Berichte stimmen, ist das ein erschütternder Vorgang", sagte Zentralratspräsident Josef Schuster dem Berliner "Tagesspiegel". "Hier geht es um Antisemitismus übelster Art." Schuster forderte die Schulverwaltung auf, das Verhalten der Schulleitung genau zu untersuchen und Versäumnisse klar zu benennen.

Die Eltern des Betroffenen werfen der Schulleitung vor, zu spät auf die Beleidigungen und Angriffe türkisch- und arabischstämmiger Schüler reagiert zu haben. Schuster appellierte an die muslimische Gemeinschaft, "den antisemitischen Tendenzen in ihren Reihen mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten". Es könne nicht angehen, "dass in einem Teil der Moscheen in Deutschland Judenfeindlichkeit und Israelfeindlichkeit aktiv Vorschub geleistet wird".

Knobloch: "Kein Einzelfall"

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch, äußerte sich entsetzt. Der "Heilbronner Stimme" sagte sie: "Das ist kein Einzelfall. Immer wieder und immer öfter werden jüdische Schüler angefeindet, ausgegrenzt oder sogar körperlich angegriffen - weil sie Juden sind." Das Wort "Jude" sei längst wieder ein Schimpfwort auf den Schulhöfen.

Knobloch fügte hinzu, es dürfe nicht sein, "dass jüdische Menschen sich nicht mehr trauen, ihre Religion anzugeben oder diese offen zu zeigen. Leider ist dies schon vielfach bittere Realität - im Deutschland des 21. Jahrhunderts".

"Bundesweites Phänomen"

Ähnlich äußerte sich die Berliner Initiative Salaam-Schalom. Antisemitismus an Schulen sei kein Berliner sondern ein bundesweites Phänomen, sagte der Koordinator der interkulturellen Initiative, Armin Langer, dem Evangelischen Pressedienst. Zugleich bestätigte er, dass Salaam-Schalom bereits Ende 2016 wegen des Falls um Hilfe gebeten worden sei. Allerdings sei dann auf das Angebot der Initiative nicht eingegangen worden.

Salaam-Schalom schickt beispielsweise ein muslimisches und ein jüdisches Mitglied gemeinsam in Schulen, wo die beiden mit Schülern ins Gespräch kommen und sich als Freunde und Kollegen präsentieren. Die Initiative wurde nach eigenen Angaben im Dezember 2013 von Neuköllnern - Muslimen, Juden und anderen - als Reaktion auf öffentliche Aussagen eines Rabbiners gegründet, der Neukölln wegen des hohen Anteils von Muslimen als "No-go-Area" für Juden bezeichnet hatte.

Berichte über Beleidigungen und Angriffe

Im aktuellen Fall hatte die Mutter des 14-jährigen Jungen der englischsprachigen Zeitung "The Jewish Chronicle" von Beleidigungen und Angriffen erzählt. Einer der anderen Schüler soll gesagt haben: "Du bist eigentlich ein cooler Typ, aber ich kann nicht mit dir befreundet sein". Und: "Juden sind alle Mörder." 

Mittlerweile hat der 14-Jährige Sohn die Friedenauer Gemeinschaftsschule verlassen. Die Schulleitung hat nach eigenen Angaben Strafanzeige erstattet und auch disziplinarische Konsequenzen angekündigt. Zwei Schüler, die den 14-jährigen angriffen, sollen der Schule verwiesen werden.

Immer wieder werden Vorfälle bekannt, bei denen Juden in Berlin antisemitisch belästigt, beleidigt und mitunter sogar angegriffen werden. Neben Rechtsextremen und Neonazis sind oft arabisch- und türkischstämmige Jugendliche und Männer die mutmaßlichen Täter. 

(dpa, epd)

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