Schulstart für neues jüdisches Gymnasium in Düsseldorf

Hebräisch-Kurse und abwaschbare Wände

NRW startet in das neue Schuljahr. Neben staatlichen Schulen drücken ab diesem Mittwoch auch an zahlreichen konfessionellen Einrichtungen die Pennäler die Schulbank - so auch am neuen jüdischen Gymnasium in Düsseldorf. Doch was ist dort anders?

Start für jüdisches Gymnasium in NRW  / © Daniel Bockwoldt (dpa)
Start für jüdisches Gymnasium in NRW / © Daniel Bockwoldt ( dpa )

domradio.de: Heute geht der Alltag wieder los für alle Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen, das neue Schuljahr wird nämlich eröffnet. Für 40 Jungen und Mädchen in Düsseldorf wird das ein ganz besonderes Schuljahr, sie starten am brandneuen Albert-Einstein-Gymnasium. Das ist das erste jüdische Gymnasium in NRW. Wie laufen denn die Vorbereitungen. Haben Sie alles im Griff?

Michael Bock (Schulleiter des Albert-Einstein-Gymnasiums in Düsseldorf): Ja, es läuft auf vollen Touren. Wir warten, dass der Startschuss fällt.

domradio.de: Sieht denn der Alltag an einem jüdischen Gymnasium eigentlich anders aus als an einer staatlichen Schule?

Bock: Nein. Der Alltag sieht nicht viel anders aus als an einer staatlichen Schule. Die Fächer sind ein wenig unterschiedlich, weil wir auch gleich am Anfang im fünften Schuljahr neben Englisch auch Hebräisch-Unterricht haben.

domradio.de: Wer sind denn Ihre Schüler?

Bock: Ein Großteil unserer Schüler kommt aus unserer eigenen Grundschule. Die jüdische Gemeinde Düsseldorf hat schon seit 23 Jahren eine Grundschule und die meisten Schüler entstammen jetzt dieser Einrichtung. Wir hatten zu dem Zeitpunkt im Januar, als die Anmeldungen für das neue Schuljahr liefen, ja noch nichts vorzuzeigen, kein Gebäude oder Ähnliches. Andere Leute hatten zu diesem Zeitpunkt noch wenig Interesse, sich bei uns anzumelden. Deshalb kommen die neuen Schüler hauptsächlich aus der eigenen Grundschule. Trotzdem haben wir noch ein paar Schüler aus der Stadt Düsseldorf dazugewinnen können.

domradio.de: Und das sind dann 40 Jungen und Mädchen, die bei Ihnen heute anfangen, die Schulbank zu drücken. Warum war es Ihnen denn so wichtig, ein jüdisches Gymnasium in Düsseldorf zu gründen.

Bock: Es war deswegen wichtig, weil über viele Jahre die Kinder unserer Grundschule in verschiedenen Gymnasien der Stadt verteilt wurden. Die Grundschule macht eine sehr gute Arbeit und wir haben immer sehr viele Kinder, die zum Gymnasium gehen konnten. So kam vor einigen Jahren bei einigen Gemeindemitgliedern der Gedanke auf, doch die Kinder auf ein eigenes, weiterführendes Gymnasium zu schicken, wo all die Dinge, die in der Grundschule gelernt wurden, wie der Hebräisch-Unterricht oder die Kenntnisse über die Feiertage, in einem Gymnasium zu verfestigen. Der Gedanke ist nun Wirklichkeit geworden.

domradio.de: Wie muss man sich die Schule ganz konkret vorstellen? Wie sieht die aus?

Bock: Im Augenblick sind wir in einem Bürokomplex eingezogen, der für unsere Belange umgebaut worden ist. Es wird sehr modern sein. Wir haben Klassenräume, die keine Tafeln mehr haben, sondern man kann an die Wände schreiben. Diese sind in verschiedenen Farben gestaltet und natürlich abwaschbar. Wir haben in jeder Klasse Beamer, mit denen wir arbeiten. Die Kinder sind mit Tablet-Computern ausgestattet. Also, wir sind technisch auf dem neuesten Stand.

domradio.de: Dabei müssen wir auch über die Sicherheit reden. An den meisten Synagogen gibt es besonderen Polizeischutz und Einlasskontrollen. Ist das beim Albert-Einstein-Gymnasium auch so?

Bock: Zum Polizeischutz kann ich nichts sagen, aber die anderen Sicherheitsmaßnahmen, die es mit einer Sicherheitsschleuse und Kontrollen auch in der jüdischen Gemeinde gibt, die haben wir auch.

Das Interview führte Verena Tröster.


Quelle:
DR