Tempelberg in Jerusalem
Tempelberg in Jerusalem
Dr. Michael Borchard
Dr. Michael Borchard

11.03.2016

Nahostexperte zur Gewaltserie in Israel "Deeskalation auf Tempelberg entscheidend"

Nach einer erneuten Gewaltserie will die israelische Regierung die Sicherheitsmaßnahmen im Land verschärfen. Michael Borchard, Leiter des israelischen Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung, beschreibt die Ursachen des Konflikts. 

domradio.de: Wie reagieren die Menschen auf diese - teils völlig unberechenbaren - Anschlagsserien?

Michael Borchard (Leiter des israelischen Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung):  Die Tatsache, dass die Angriffe immer kleinteiliger geworden sind - zum Beispiel mit Küchenmessern - geht den Menschen zunehmend unter die Haut und beeinträchtigt sie in ihrem Sicherheitsgefühl ganz massiv.

domradio.de: Wie geht es Ihnen denn? Sie leben und arbeiten ja selbst in Jerusalem.

Borchard: Unser ganz persönliches subjektives Sicherheitsgefühl in der Familie ist relativ hoch, weil wir wissen - das muss ich so zynisch formulieren - dass wir nicht im Zielfernrohr stehen. Natürlich ist es auch so, dass der menschliche Geist meisterhaft im Verdrängen von Gefahren ist.

Ich bekomme das aber hautnah über Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit, die sich persönlich betroffen fühlen und diese Angst natürlich auch zum Ausdruck bringen.

domradio.de: Die Anschläge haben ganz besondere Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil US-Vizepräsident  Biden in Israel war. Inwiefern verschlechtert diese Situation die Hoffnung auf eine israelisch-palästinensische Lösung?

Borchard: Ich glaube nicht, dass nur die Terroranschläge die Hoffnung auf eine Lösung verschlechtern. Wir haben im Grunde keine neue Welle von Gewalt, sondern wenn wir es genau nehmen, hält die Gewalt seit dem letzten Herbst an.

Und da sehe ich auch die entscheidende Ursache. Die Ursache ist nicht die Unzufriedenheit über den Konflikt und die Stagnation der Verhandlungen über den Konflikt.

Ich habe den Eindruck, dass insbesondere in Jerusalem der Tempelberg – dieser kleine Quadratkilometer in der Mitte dieser ewigen Stadt – eine relativ große Rolle spielt und ausschlaggebend ist. Da geht es auf der einen Seite um die Zusatzbeschränkungen für Muslime, ebenso um die Provokationen von Nationalreligiösen.

Auf der anderen Seite geht es um die Palästinenser, die letztlich die Angst  - geschürt durch die Hamas - immer wieder in den Vordergrund stellen, dass die Juden den Status Quo auf dem Tempelberg verändern wollen. Das glaube ich aber nicht.

Man mag vielem nicht zustimmen, was Benjamin Netanjahu sagt, aber er hat solchen Versuchen immer wieder eine Absage erteilt. Außerdem hat er auch den Knesset-Abgeordneten untersagt, auf den Tempelberg zu gehen.

Das reichte nicht, aber ich glaube, eine Deeskalation auf und um den Tempelberg herum ist ein ganz entscheidender Akt um zumindest die allgemeine Gewalt etwas runter zu bringen.

domradio.de: Man hat ja ein bisschen den Eindruck, da stagnieren die Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern. Ist es denn so, dass Israel, wegen der schwierigen Lage in der Region – wie Syrien, Iran - einfach andere, größere Probleme hat, als den Konflikt mit den Palästinensern?

Borchard: Der Konflikt ist schon sehr dominant. Es ist natürlich so, dass die sozialen Fragen wie zum Beispiel zu den hohen Lebenshaltungskosten zunehmend als massives Thema neben den Konflikt treten.  

Aber die regionale Bedrohung wird natürlich sehr stark wahrgenommen -  insbesondere was das Thema Hisbollah angeht.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

(dr)

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