Wladimir Putin
Wladimir Putin

20.01.2016

Putin lädt europäische Juden zur Übersiedlung nach Russland ein "Kommen Sie - wir sind bereit"

Russlands Präsident Wladimir Putin hat Juden in Europa angeboten, nach Russland auszuwandern. Sein offensichtlich spontaner Vorschlag findet bereits Unterstützung im Land.

Wie die Tageszeitung "Kommersant" (Mittwochsausgabe) berichtet, hatte die Führung des Europäischen Jüdischen Kongresses bei einem Gespräch im Kreml berichtet, dass unter den europäischen Juden die Angst vor Terroristen und Rechtsradikalen groß sei. Viele würden deshalb ausreisen, vor allem aus Frankreich.

Auch Israel bietet Juden Zuflucht an

Daraufhin sagte Putin dem Bericht zufolge: "Sie kommen zu uns? Wir sind bereit." Aus der Sowjetunion seien die Juden emigriert, jetzt könnten sie gerne nach Russland zurückkommen, habe Putin ergänzt. Ihm sei bekannt, dass viele Juden in Europa die Kippa in der Öffentlichkeit nicht mehr trügen oder aus Angst das Haus ungern verlassen würden, sagte der russische Präsident demnach. Wjatscheslaw Kantor, Vorsitzender des Europäischen Jüdischen Kongresses, habe erwidert, diese "fundamental neue Idee" in seiner Organisation zu erörtern. Nach Terroranschlägen in Frankreich hatte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu den Juden in Europa angeboten, nach Israel auszuwandern.

Russland zur Aufnahme bereit

Putins offensichtlich spontaner Vorschlag findet in Russland bereits Unterstützung. So erklärte der Gouverneur des Jüdischen Autonomen Gebietes, Alexander Lewintal, seine Bereitschaft, Juden aus Europa aufzunehmen, "wo sie heute Übergriffen vonseiten der Antisemiten ausgesetzt sind". Man wisse, dass es sich dabei um hoch gebildete und kultivierte Menschen handele, die sein Gebiet gut gebrauchen könne, sagte Lewintal laut der Internetseite der Regierung der Region am Amur im russischen Fernen Osten.

Jüdisches Alltagsleben nicht stark ausgeprägt

Eli Riss, oberster Rabbiner des Autonomen Gebietes, begrüßte Putins Angebot. Jüdisches Leben in Russland sei hoch entwickelt, Russland zeichne sich durch eine hohe Toleranz gegenüber den verschiedensten Religionen aus, sagte er der lokalen Webseite "eaomedia.ru". Allerdings könne das Jüdische Gebiet heute europäischen Juden nicht den gewohnten Komfort bieten: "Bei uns gibt es bisher keine jüdischen Schulen, keine koscheren Restaurants und Geschäfte."

Das Jüdische Autonome Gebiet mit seiner Hauptstadt Birobidschan wurde 1934 gegründet und sollte jüdischen Umsiedlern eine Alternative zu Palästina bieten. Die Juden stellten dort aber nie die Bevölkerungsmehrheit. Heute zählt die Region 170.000 Einwohner, von denen sich ein Prozent als Juden bezeichnen.

(epd)

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