Jüdische Gräber in Frankreich
Jüdische Gräber in Frankreich
Grabschändung in Frankreich
Grabschändung in Frankreich

09.05.2015

Angriffe auf Frankreichs Gotteshäuser Gestürzte Grabsteine

Zerschossene Fenster, verstreute Hostien, geschändete Gräber: In Frankreich häufen sich Angriffe auf Kirchen, Moscheen und jüdische Stätten. Die Motive sind verschieden. Gemeinsam ist die Missachtung heiliger Orte.

Auf dem Altartuch in einer Pfarrkirche im nordfranzösischen Valenciennes: Brandspuren. 50 Kilometer weiter in Tourcoing: acht Einschusslöcher in den Kirchenfenstern. In Saint-Martin-le-Beau bei Tours: die mittelalterliche Dorfkirche ist durch Brandstiftung weitgehend zerstört. Raub in Hendaye im südwestfranzösischen Departement Pyrenees-Atlantiques: Liturgische Gefäße gestohlen, samt den darin aufbewahrten Hostien.

Täglicher Vandalismus

Kaum ein Tag vergeht derzeit in Frankreich, an dem es nicht einen neuen Fall von Vandalismus gibt. Und es geht keineswegs nur um Kirchen. In Macon in Burgund wurden zwei junge Männer wegen versuchter Brandstiftung an einer Moschee zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Der jüdische Friedhof von Sarre-Union im Elsass wird verwüstet, in einem jüdischen Supermarkt in Paris werden Geiseln genommen.

Die Motive all dieser Taten sind denkbar verschieden: Übermut, Frust, Drogenkonsum, Hass oder Habgier. Doch allen ist eines gemeinsam: eine wachsende Gleichgültigkeit gegenüber den religiösen Gefühlen der anderen. Eine Folge der französischen Übung des Laizismus; der traditionellen revolutionären Bereitschaft, seinen Überzeugungen auch handgreiflich Ausdruck zu verleihen? Der Verdunstung religiöser Bindungen? Oder tatsächlich eine gesellschaftliche "Radikalisierung", wie sie der Vizebürgermeister von Tourcoing, Gerald Darmanin, ausmacht?

Angriff auf die "Essenz Frankreichs"

Empörung und Strafankündigung für die Täter gehören zum verbalen Ritual nach terroristischen oder vandalistischen Straftaten. Nach Bekanntwerden von Terrorplänen eines Islamisten gegen zwei Kirchen im Pariser Vorort Villejuif Ende April zogen Staatspräsident Francois Hollande, Premier Manuel Valls und Innenminister Bernard Cazeneuve alle Register; sie sprachen von einem Angriff auf die "Essenz Frankreichs". Natürlich: Verbale Stärke wird einerseits erwartet. Andererseits nutzt sie sich ab - und gibt auch Anlass zu Parteigerangel.

Der gaullistische Abgeordnete Henri Guaino sprach von einer «Überdramatisierung, die allgemeine Angst erzeugt». Ex-Präsident und Präsident in spe Nicolas Sarkozy schlug in dieselbe Kerbe. "Je angsterfüllter das Klima, desto schwieriger wird es, die Sicherheit zu garantieren." Selbst der sozialistische Parlamentarier Pouria Amirshahi sagte: "Das ist eine sehr sensible Seite. Ich rate jedem davon ab, die Angstkarte zu überreizen."

Bischofskonferenz warnt

Die Bischofskonferenz unter Vorsitz von Erzbischof Georges Pontier (Marseille), warnt ihrerseits davor, in die "Falle" von Terroristen zu tappen und sich nun medial gegenseitig zu überbieten. Kirchen müssten "offene Orte für die Menschen bleiben". Solcherart gerader Rücken, gepaart mit christlicher Gelassenheit, wirkt wohltuend, kommt jedoch mit jedem neuen Vorfall auf den Prüfstand. Die allermeisten Dorfpfarreien können sich Alarmanlagen oder Ähnliches nicht leisten, um ihre Kirchen sorglos offenzuhalten.

Spitzenkräfte des rechtspopulistischen Front National äußerten sich bislang nicht vernehmlich zum Thema. Das gedeihende Klima von Verunsicherung, Gewalt und Gegengewalt dürfte der Le-Pen-Partei ohnehin in die Hände spielen. Auch traditionelle Christen pochen auf eine Verteidigung ihrer Werte.

Katholische Kriminelle

Und das kann seinerseits kriminelle Züge tragen. So wurde im Departement Loire-Atlantique in der Region Vendee das Gelände eines geplanten Heavy-Metal-Festivals beschädigt. Die Veranstalter des sogenannten "Hellfest"(Höllenfest) erklärten, "katholische Splittergruppen" hätten Graffiti wie "vade retro satanas" (lateinisch für "Weiche zurück, Satan") und "erste Warnung" angebracht.

Stromkabel und Wasserleitungen seien zerstört, das Maskottchen des Festivals, ein Rabe, verbrannt worden. Die Organisatoren riefen zur Ruhe auf. Vor allem solle man sich nun nicht zu Gewalt gegen Katholiken hinreißen lassen; es handele sich um den Akt einer kleinen Minderheit.

Die Schlagzahl des Vandalismus nimmt dramatisch zu, auch wenn das Motiv oft denkbar banal ist. Und sei es, wie am Pariser Wahrzeichen Sacre-Coeur im vergangenen Jahr, schlichter Überdruss. "Fuck tourism" - eine Botschaft an Millionen Besucher jährlich.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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