15.11.2007

Nazi-Witze: Kritik an "Schmidt & Pocher" nimmt zu Kein "Nazometer" mehr?

Der ARD-Satiresendung "Schmidt & Pocher" schlägt nun auch Kritik aus der Medienbranche entgegen. In der "Bild"-Zeitung verurteilten Film- und Fernsehproduzenten die Gags um das sogenannte "Nazometer" als diffamierend und geschmacklos. Der Publizist Henryk M. Broder hielt in "Spiegel Online" dagegen; die geforderte Verbannung des Gerätes gleiche einem "moralischen Amoklauf". Zuvor hatten der Zentralrat der Juden sowie mehrere ARD-Rundfunkräte das "Nazometer" kritisiert.

Ob das umstrittene Utensil in Form einer Laterne aus der Sendung genommen wird, entscheidet sich laut ARD erst während der Aufzeichnung der aktuellen Folge an diesem Donnerstag.In ihrer Premierenshow Ende Oktober hatten die beiden Entertainer Harald Schmidt und Oliver Pocher erstmals das "Alarm-Gerät" vorgestellt, mit dessen Hilfe sie verdächtiges Nazi-Vokabular identifizieren wollten. Im weiteren Verlauf der Show fielen Begriffe wie "Gasherd" und "duschen". Hintergrund für die Satire war der umstrittene Auftritt der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin Eva Herman bei Talkmaster Johannes B. Kerner im ZDF. Dabei hatte sich Herman lobend über die NS-Familienpolitik geäußert.Opfer verunglimpftDer 89-jährige Filmproduzent Artur Brauner warf Schmidt und Pocher vor, das Schicksal der verfolgten und ermordeten Juden zu verunglimpfen. Er zeigte sich in der "Bild"-Zeitung enttäuscht von Schmidt, den er als hochanständigen und intelligenten Show-Mann bezeichnete.Auch Markus Trebitsch, der im vergangenen Jahr den ZDF-Zweiteiler "Neger, Neger Schornsteinfeger!" produzierte, wandte sich gegen das "Nazometer": "Ich wünsche mir, dass sowas in Zukunft nicht mehr vorkommt." Trebitschs Kollege Hubertus Meyer-Burkhardt verurteilte die Satire, weil sie aus Adolf Hitler eine amüsante Figur gemacht habe - "aber er war ein Massenmörder".Unterdessen rief der Publizist Henryk M. Broder in "Spiegel Online" zur Rettung des "Nazometers" auf. 60 Jahre nach Ende des NS-Regimes sollte es "allmählich möglich sein, sich über das braune Pack lustig zu machen, statt immer wieder den 'Anfängen'zu wehren".Konsequenzen gefordertBereits am Mittwoch hatten die Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn und Dieter Graumann, den Einsatz des "Nazometers" verurteilt. Graumann zeigte sich empört darüber, dass Gaskammern "als Kulisse für billige Kalauer" gebraucht würden.Während ARD-Programmdirektor Günter Struve die Satire zuletzt verteidigte, forderte HR-Rundfunkrat Alfred Möhrle Konsequenzen: "Wenn die Sendung sich nicht um 100 Prozent bessert, muss man sie rauswerfen." Die ARD-Intendanten wollen sich laut "Bild" am 26. November auf ihrem Treffen in Bremen mit den umstrittenen Sprüchen von Schmidt und Pocher befassen.

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