08.06.2006

Merkel und Köhler begrüßen Wahl Charlotte Knobloch neue Präsidentin des Zentralrates der Juden

Frankfurt a.M. (epd). Charlotte Knobloch (73) ist neue Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland. Sie folgt dem Ende April gestorbenen Paul Spiegel. Die Wahl der bisherigen Vizepräsidentin und Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde von München wurde am Mittwoch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundespräsident Horst Köhler sowie beiden großen Kirchen und den Parteien begrüßt.Erstmals seit der Gründung 1950 steht eine Frau an der Spitze des Zentralrats.Bundespräsident Köhler erklärte, er sei Knobloch dankbar, dass sie «eine in unserem Land schwierige und zugleich besonders wichtige Aufgabe» übernehme.

Frankfurt a.M. (epd). Charlotte Knobloch (73) ist neue Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland. Sie folgt dem Ende April gestorbenen Paul Spiegel. Die Wahl der bisherigen Vizepräsidentin und Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde von München wurde am Mittwoch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundespräsident Horst Köhler sowie beiden großen Kirchen und den Parteien begrüßt.Erstmals seit der Gründung 1950 steht eine Frau an der Spitze des Zentralrats.Bundespräsident Köhler erklärte, er sei Knobloch dankbar, dass sie «eine in unserem Land schwierige und zugleich besonders wichtige Aufgabe» übernehme. Bei der Trauerfeier für Spiegel sei noch einmal deutlich geworden, welche Herausforderungen damit verbunden seien.Bundeskanzlerin Merkel bot Knobloch weiterhin gute Zusammenarbeit an.Sie habe sich in Deutschland und Europa großes Ansehen erworben, sagte die CDU-Politikerin.Der SPD-Vorsitzende und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck würdigte Knobloch als leidenschaftliche Kämpferin für das Judentum. Trotz der Verfolgung durch die Nationalsozialisten habe sie sich entschieden, in der Bundesrepublik zu bleiben. Auch der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle und die Vorsitzenden der Grünen, Claudia Roth und Reinhard Bütikofer, begrüßten die Wahl Knoblochs als positives Signal für das Judentum in Deutschland.Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, wünschte Knobloch für ihr Amt Ausdauer und Gottes Segen. Der Zentralrat sei für die EKD ein wichtiger Partner.Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, sagte, er freue sich auf die Fortsetzung der guten und vertrauensvollen Zusammenarbeit der vergangenen Jahre. Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich reagierte mit «Freude und Respekt» auf die Wahl.Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärte, Knobloch sei in der Nachfolge von Ignatz Bubis und Paul Spiegel ein herausragendes Amt anvertraut. Sie habe bereits seit Jahrzehnten mit «Elan die Stimme gegen Intoleranz, Antisemitismus und Fremdenhass erhoben».Der Jüdische Weltkongress bezeichnete die Wahl von Knobloch als ideale Besetzung. Sie werde nicht nur der jüdischen Gemeinde, sondern Deutschland insgesamt gut tun. Die Weltunion für progressives Judentum erklärte: «Wir liberale Juden setzen großes Vertrauen in sie.» Das Verhältnis zwischen dem konservativ geprägten Zentralrat und den liberalen Gemeinden war zum Teil von Spannungen geprägt.Als einen Schwerpunkt ihrer künftigen Arbeit nannte Knobloch die Integration der jüdischen Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion.Sie äußerte die Hoffnung, dass die jüdische Gemeinschaft bald eine Mitgliederzahl erreichen werde, die dem Bestand von vor 1933 entspreche. Die Juden in Deutschland sähen sich als «selbstverständlicher Teil der Gesellschaft, auch wenn wir noch weit davon entfernt sind, von Normalität zu sprechen».Weiter sprach sich Knobloch für die Einbeziehung des Islam in das Gespräch der «abrahamitischen Religionen» aus. Als sicher gilt, dass Knobloch als Präsidentin bestätigt wird, wenn die Führungsspitze des Zentralrates im November turnusgemäß neu gewählt wird. Sie sei keine «Präsidentin auf Abruf», so Generalsekretär Stephan Kramer.Den durch die Wahl von Knobloch freigewordenen Vizepräsidentenposten nimmt Dieter Graumann (55) aus Frankfurt ein. Er forderte eine klarere Position der Bundesregierung gegenüber dem Iran. Der Islamismus predige Antisemitismus und der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad sei dafür ein Beispiel. Der Vorsitzende der Frankfurter Jüdischen Gemeinde, Salomon Korn (63), der ebenfalls für die Spiegel-Nachfolge im Gespräch war, bleibt Vizepräsident des Dachverbandes.Mit Charlotte Knobloch, die auch Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses ist, übernimmt erneut eine Holocaust-Überlebende die Spitzenfunktion des Zentralrates. Versteckt auf einem fränkischen Bauernhof überlebte sie als Kind die Judenverfolgung. Im Zentralrat sind mehr als 80 jüdische Gemeinden mit rund 105.000 Mitgliedern vereinigt. Spiegel war am 30. April im Alter von 68 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

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