Kardinal Müller (l.) neben Kardinal Meisner im Jahr 2015
Kardinal Müller (l.) neben Kardinal Meisner im Jahr 2015

15.07.2017

Mit Kardinal Meisner wird eine Epoche zu Grabe getragen Weggefährten und Seelenverwandte beim letzten Geleit

Der langjährige Kölner Erzbischof war konservativ und provozierte oft mit scharfen Formulierungen. Sein Begräbnis an diesem Samstag hat einen hohen Symbolwert - was auch der Blick auf die illustre Gästeliste zeigt.

Zwei Wochen nach dem Begräbnis für Altbundeskanzler Helmut Kohl in Speyer wird an diesem Samstag in Köln ein anderer großer Europäer zu Grabe getragen. Kardinal Joachim Meisner, 9 Jahre lang Bischof von Berlin und 25 Jahre Erzbischof von Köln, wird nach einem Trauerzug durch Köln und einem feierlichen Requiem in der Bischofsgruft der größten Kathedrale Deutschlands beigesetzt.

Der vom schlesischen Katholizismus und vom Widerstand gegen die kommunistische Diktatur geprägte Meisner stand wie kein anderer deutscher Kirchenführer des späten 20. Jahrhunderts für die Verbindung von West und Ost. Zugleich war er der vorerst letzte wortgewaltige und kirchenpolitisch international bestens vernetzte Konservative im deutschen Episkopat.

Lange Gästeliste

Die lange Liste der Bischöfe und Kirchenvertreter aus 20 Ländern, die ihn auf seinem letzten Weg in die Gruft des Kölner Doms begleiten werden, illustriert das. Da sind die unter Meisners Führung herangewachsenen ehemaligen Kölner Weihbischöfe, von denen nun etliche andere deutsche Diözesen als Bischöfe leiten. Sie zeugen von der aktiven Rolle, die Meisner unter den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. als Strippenzieher in der "Personalabteilung der Weltkirche", der Bischofskongregation, spielte. Diese Rolle hat inzwischen der Münsteraner Bischof Felix Genn inne, auch er wird Meisner das letzte Geleit geben.

Viele Bischöfe aus dem Osten Europas

Mit dabei sind auch auffallend viele (Erz-)Bischöfe aus dem ehemaligen Ostblock: Von Tschechien bis Russland, von Rumänien bis Litauen. Kein Deutscher, sondern der Budapester Erzbischof, Kardinal Peter Erdö, wird die Predigt im Trauergottesdienst halten. Meisner hatte viele, höchst unterschiedliche Verbindungen in den Osten Europas.

In der früheren Tschechoslowakei genießt er bis heute größten Respekt, da er einst in der DDR als junger Weihbischof das Risiko einging, unter den Augen der Stasi heimlich Tschechen und Slowaken zu Priestern zu weihen. Die ebenfalls vertretenen polnischen Bischöfe rühmen an Meisner, dass er als Vertriebener aus Schlesien völlig frei war von Revanchismus: Dem polnischen Papst Johannes Paul II. war er treu ergeben, und den von manchen deutschen Katholiken herablassend betrachteten polnischen Katholizismus begriff er als vitale Herzkammer der Kirche in Europa.

Auch viele Vertreter der katholischen und nicht-katholischen Kirchen des byzantinischen Ritus kommen zu Meisners Begräbnis: Syrer, Griechisch-Orthodoxe, Rumänen, Ukrainer - sie alle sind vertreten und erinnern daran, dass Meisner auch zu dieser Glaubenswelt des christlichen Ostens Brücken schlug.

Die vier "M"

Und schließlich werden erstmals nach vielen Jahren - und zugleich zum letzten Mal - die "vier M" im Kölner Dom vereint sein: Jene vier Bischöfe, die noch vor gut zehn Jahren als Bannerträger eines konservativen und auch in der politischen Debatte oft lautstarken Katholizismus von sich reden machten. Neben Meisner sind dies die inzwischen emeritierten Oberhirten Walter Mixa (ehemals Augsburg) und Kardinal Gerhard Ludwig Müller (ehemals Regensburg) sowie der mittlerweile von vielen eher als liberaler eingestufte Münchner Erzbischof, Kardinal Reinhard Marx.

Ihre einstige theologische Leitfigur, der emeritierte Papst Benedikt XVI., ist in Köln durch seinen Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, vertreten. Der jetzige Papst Franziskus, zu dem Meisner keinen direkten Draht hatte, entsendet den Apostolischen Nuntius, Erzbischof Nikola Eterovic.

Was dieses Begräbnis bedeutet, hat Bischof Genn, sonst kein Freund großer Worte, in einem Satz zusammengefasst: "Der Tod von Kardinal Joachim Meisner markiert das Ende einer kirchengeschichtlichen Ära, die er ganz wesentlich mitgestaltet und geprägt hat."

Ludwig Ring-Eifel
(KNA)

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