Hadsch in Saudi-Arabien: Muslimische Pilger umrunden die Kaaba
Hadsch in Saudi-Arabien: Muslimische Pilger umrunden die Kaaba
Dr. Thomas Lemmen
Thomas Lemmen

21.07.2020

Der Hadsch in Zeiten von Corona "Die Einschränkungen sind für viele schmerzhaft"

Mit dem Opferfest erreicht die muslimischen Wallfahrt, der Hadsch, ihren Höhepunkt. Doch wegen Corona wird in diesem Jahr alles ganz anders. Das kann auch eine Chance sein, meint der Experte für den Interreligiösen Dialog Thomas Lemmen.

DOMRADIO.DE: Welche Bedeutung hat der Hadsch für einen gläubigen Moslem?

Thomas Lemmen (Experte für den Interreligiösen Dialog im Erzbistum Köln): Die Wallfahrt gehört zu den fünf Säulen, den fünf Pflichten, die jede Muslima, jeder Moslem zu vollziehen hat. Und sofern man das gesundheitlich und finanziell kann, muss man einmal im Leben die Wallfahrt nach Mekka vollziehen.

DOMRADIO.DE: Hadsch-Bilder aus anderen, aus normalen Jahren sind wahrhafte Wimmelbilder. Aber wegen Corona hat Saudi-Arabien die Zahl der Pilger streng begrenzt. Auf wie viele und wie müssen wir uns das jetzt vorstellen?

Lemmen: Das ist schon wirklich ein Einschnitt, das kann man sagen. Ich habe mal nachgeschaut: Der Hadsch ist das letzte Mal im Jahr 1798 abgesagt worden. Auch in Jahren, in denen es Kriege oder Grippe-Epidemien gab, hat er stattgefunden. Ihn diesmal auf dieses Maß zu reduzieren, ist schon wirklich ein sehr einschneidendes Ereignis.

Die Zahl ist auf 1000 bis 10000 Personen begrenzt, die daran teilnehmen dürfen - ganz genau weiß man es nicht. Das sind allesamt Menschen, die sich in Saudi-Arabien aufhalten. Es kommt niemand ins Land rein. Allerdings kommen nicht nur Saudis, sondern auch Menschen anderer Nationalitäten, weil das ja ein Ereignis der weltweiten islamischen Community ist. Aber in diesem Jahr eben unter diesen außergewöhnlichen Bedingungen in einer sehr reduzierten Form.

DOMRADIO.DE: Sie beobachten das Jahr für Jahr. Was ist das für ein Gefühl, die Moschee in Mekka fast wie leergefegt zu sehen?

Lemmen: Das ist besonders für die Muslime natürlich ein schmerzvolles Erlebnis, weil das normalerweise zwei bis zweieinhalb Millionen Menschen zusammenbringt. Und das ist dann ein Massenereignis für die Gemeinschaft und für den Einzelnen ein religiöses Schlüsselerlebnis. Dass das jetzt nicht möglich ist, ist für viele schmerzvoll, aber aufgrund der Einschränkungen, die die Pandemie allen abverlangt, eben nicht anders machbar. Man kann nicht anders. Gerade auch weil Saudi-Arabien zu den Ländern in der Region gehört, die am meisten von der Pandemie betroffen sind.

DOMRADIO.DE: Am Freitag beginnt auch noch das islamische Opferfest. Was wird da eigentlich gefeiert? Und wie hängt das jetzt wieder mit dem Hadsch zusammen?

Lemmen: Der Hadsch findet statt in einem sogenannten Pilgermonat, einem bestimmter Monat im islamischen Kalender. Am achten Tag dieses Monats fängt man mit der Wallfahrt an. Das ist alles genau festgelegt, wann das beginnt. Und am dritten Tag findet das Opferfest statt. Dabei erinnert man sich daran, dass Abraham im Glauben an Gott anstelle seines Sohnes ein Tier schlachtete. Das tun die Pilger heute an diesem Ort in Saudi-Arabien.

Aber es tun auch die Muslime weltweit. Das ist nicht nur für die Menschen auf der Wallfahrt ein Ereignis, sondern es ist ein Fest, sozusagen das wichtigste Fest im islamischen Kalender, das heute überall auf der Welt von Muslimen und Musliminnen begangen wird. In Erinnerung an dieses Opfer Abrahams - allerdings nach islamischer Vorstellung nicht Isak, sondern Ismael.

DOMRADIO.DE: Wie wird dieses islamische Opferfest jetzt wohl unter Corona-Bedingungen gefeiert werden?

Lemmen: Das muss man sich so vorstellen, dass mit diesem Opferfest immer ein Fest-Gottesdienst, ein Fest-Gebet in der Moschee verbunden ist. Man geht in die Moschee, und die Moscheen sind dann normalerweise an diesen Tagen brechend voll. Und all das kann jetzt nicht stattfinden. Da gibt es natürlich auch Einschränkungen, genauso wie für uns bei der Feier der Kar- und Oster-Liturgie. Hinzu kommt, dass man an den Tagen des Festes sich auch gegenseitig besucht, also von Haus zu Haus fährt. Auch das wird in diesem Jahr unter den Einschränkungen nicht möglich sein.

Die Gläubigen aller Religionen erleben ihre großen Feste in diesem Jahr mal unter ganz veränderten Bedingungen. Vielleicht ist das aber auch eine Chance, sich dann auf das Wesentliche zu konzentrieren und zu fragen: Was ist eigentlich der Inhalt dieses Festes?

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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