Ein Mosaik mit einer Darstellung der christlichen Muttergottes mit Jesuskind in der Hagia Sophia
Ein Mosaik mit einer Darstellung der christlichen Muttergottes mit Jesuskind ist zwischen islamischen Schriftzeichen in der Hagia Sophia zu sehen

11.07.2020

Internationale Kritik an Umwandlung der Hagia Sophia in Moschee "Hagia Sophia Symbol wie Petersdom"

Die Ankündigung der Türkei, die weltberühmte Hagia Sophia in Istanbul von einem Museum in eine Moschee umzuwandeln, hat internationale Kritik hervorgerufen. ZdK-Präsident Sternberg fragt, warum Muslime und Christen nicht gemeinsam dort beten könnten.

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian nannte die Entscheidung bedauerlich. Sie stelle einen der symbolischsten Akte der modernen und säkularen Türkei in Frage. "Die Hagia Sophia muss weiterhin die Pluralität und Vielfalt des religiösen Erbes, des Dialogs und der Toleranz repräsentieren", forderte Drian.

Symbol für alle Christen

Die russisch-orthodoxe Kirche erklärte, die Umwandlung der einstigen Kirche werde die Beziehungen der Türkei mit der christlichen Welt beeinflussen. "Das ist ein Schlag für die Weltorthodoxie, denn für alle orthodoxen Christen auf der ganzen Welt ist die Hagia Sophia so ein Symbol wie der Petersdom in Rom für Katholiken", sagte ihr Außenamtschef Metropolit Hilarion im russischen Fernsehen. Die türkische Staatsführung habe gezeigt, dass sie keine Kompromisse eingehen wolle und nicht auf Kirchenführer und Politiker höre, die für die Beibehaltung des Museumsstatus plädierten.

Bedauern äußerte auch der Vizepräsident der Europäischen Kommission und EU-Außenbeauftragte, Josep Borrell. Die Hagia Sophia habe einen "starken symbolischen, historischen und universellen Wert", erklärte er. Er erinnerte die Türkei daran, dass sie sich als "Gründungsmitglied der Allianz der Zivilisationen" zur "Förderung des interreligiösen und interkulturellen Dialogs und zur Pflege von Toleranz und Koexistenz" verpflichtet habe.

Besorgnis wegen politischem Signal

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, schrieb auf Twitter: "Dass man in der Hagia Sophia beten darf, ist richtig, sie ist kein Museum, der Säkularismus Atatürks war gegen jede Religion. Könnte diese großartige Kirche nicht ihre 900 christliche und 500 Jahre islamische Geschichte dadurch spiegeln, dass Muslime und Christen darin beten?", regte er eine gemeinsame Nutzung an.

Die Deutsche Bischofskonferenz äußerte sich besorgt und warb "für eine politische Entscheidung, die die Einheit des Landes und das Gefühl der Zusammengehörigkeit von Muslimen und Christen stärkt, statt Bitterkeit zu schüren und Fliehkräfte zu begünstigen", sagte Sprecher Matthias Kopp bereits am Freitag.

Griechenlands Präsidentin Katerina Sakellaropoulou sprach von einem "zutiefst provokanten Akt gegen die internationale Gemeinschaft". Die Entscheidung beleidige auf "brutale Weise das historische Gedächtnis, untergräbt den Wert der Toleranz und vergiftet die Beziehungen der Türkei zur gesamten zivilisierten Welt", schrieb sie auf Twitter. Zyperns Außenminister Nikos Christodoulidis warf der Türkei auf Twitter eine "eskalierende, ungeheuerliche Verletzung internationaler Verpflichtungen" vor.

Urteil des Obersten Verwaltungsgerichts

Das Oberste Verwaltungsgericht in der Türkei hatte am Freitag den Status des berühmten Bauwerks und Wahrzeichens von Istanbul als Museum aufgehoben. Erdogan unterzeichnete darauf ein Dekret zur Nutzung der Hagia Sophia als Moschee. In einer TV-Ansprache kündigte er an, dass am 24. Juli das erste Freitagsgebet in der Hagia Sophia stattfinden soll. Zugleich betonte er, das Gebäude werde allen Menschen egal welchen Glaubens offen stehen.

Die Hagia Sophia ("Göttliche Weisheit") wurde 537 als Reichskirche des griechisch-orthodoxen Kaiserreichs Byzanz geweiht und war die größte Kirche des Christentums. Nach der Eroberung Konstantinopels, des heutigen Istanbul, durch die türkischen Osmanen wurde sie 1453 zur Moschee und mit Minaretten versehen. Republikgründer Mustafa Kemal "Atatürk" machte sie 1934 zum Museum.

(KNA)

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