Zentralmoschee der DITIB in Köln
Zentralmoschee der DITIB in Köln

08.01.2019

Radikal-islamische Kräfte bei Islamkonferenz Verhärtete Fronten nach Ditib-Konferenz

Der Kölner Bezirksbürgermeister Josef Wirges kritisiert die Islamkonferenz in der Ditib-Zentralmoschee Anfang Januar. Die Teilnahme radikal-islamischer Kräfte an der Konferenz verstärke die Ressentiments gegenüber Muslimen, so der SPD-Politiker.

Wenn von 100 Teilnehmern zwei einer "konservativ-reaktionären Richtung" des Islam angehört hätten, seien das "schon zwei zu viel", sagte er am Dienstag im ARD-Morgenmagazin. "Das ist nicht förderlich für das Zusammenleben der Menschen bei uns im Veedel (Viertel)", sagte der Bürgermeister von Köln-Ehrenfeld, wo die 2018 vom türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan eröffnete Ditib-Moschee steht.

Vertreter der Muslimbrüder

Nach Angaben des deutsch-türkischen Moscheeverbands Ditib haben vergangene Woche mehr als 100 Personen aus 17 Ländern an der dreitägigen Konferenz teilgenommen. Darunter waren laut Medienberichten auch zwei Vertreter der als radikal-islamisch eingestuften Muslimbrüder. "In einem demokratischen Rechtsstaat hat Ditib die Möglichkeit einzuladen, wen sie will", räumte Wirges ein.

"Auch die AfD kann Rechtsextremisten einladen - ob das gut ist oder nicht." Die Frage sei allerdings, ob die Teilnahme radikal-islamischer Kräfte "politisch zielführend" sei im Sinne der Mittlerrolle, die Ditib propagiere. "Nein, das ist nicht zielführend. Es führt eher dazu, dass sich die Situation verhärtet und dass die Ressentiments größer werden, nicht kleiner", sagte Wirges.

Keine Informationen über Konferenz

Weiter zeigte er sich verärgert darüber, dass er bei einem Gespräch kurz vor Weihnachten mit Ditib-Vertretern zwar über bevorstehende Vorstandswahlen des Verbands, nicht aber über die Konferenz informiert worden sei. Man habe gemeinsam überlegt, "wie man die Scherben wegfegen kann, die der Herr Erdogan hinterlassen hat bei uns in Ehrenfeld", so der SPD-Politiker. Aber "null über das internationale Treffen". Damit fühle er sich "schon etwas hinter die Fichte geführt", sagte Wirges. "Das ist nicht korrekt gewesen, und das verärgert mich auch."

Einfluss der türkischen Religionsbehörde Diyanet

Wirges nannte es eine Strategie der türkischen Religionsbehörde Diyanet, ihren Einfluss über Ditib hinaus auf andere Organisationen in Deutschland und Europa auszudehnen. Vier von fünf Podien bei der Konferenz waren von Diyanet-Vertretern geleitet worden. "Angenommen, Deutschland würde in Ankara von einem deutschen Ministerium eine solche Veranstaltung durchführen, da möchte ich mal die Regierung und den Herrn Erdogan hören, was der dazu sagt", so der Politiker. Eine solche Strategie "macht mir Sorge".

(KNA)

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