Zehnjähriges Bestehen der Deutschen Islamkonferenz
Zehnjähriges Bestehen der Deutschen Islamkonferenz 2016
Publizist Ahmad Mansour
Islamismus-Experte und Konferenzteilnehmer Ahmad Mansour
Aiman Mazyek bei einer Veranstaltung in Berlin
Vorsitzender des Zentralrates der Muslime: Aiman Mazyek
Horst Seehofer (CSU), Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, spricht nach dem Koalitionsausschuss von CDU/CSU und SPD
Horst Seehofer will Neuausrichtung der DIK

28.11.2018

Vor Islamkonferenz: Kluft zwischen Verbänden und Liberalen Islamverbände sollen sich öffnen

Sie sollten sich nicht zu Handlangern ausländischer Staaten machen, so Ex-Grünen-Chef Özdemir über Islamverbände. In der zweitägigen Islamkonferenz dürfte es auch um die Imam-Ausbildung und die Selbstorganisation der Muslime gehen.

Am Mittwoch beginnt die Deutsche Islamkonferenz (DIK) in Berlin. Es zeichneten sich bereits zuvor Kontroversen zwischen konservativen Islamverbänden und den Vertretern eines liberaleren Islam ab. Die Verbände dürften nicht länger Handlanger eines ausländischen Staates sein und müssten Muslime in Deutschland auf dem Boden der Verfassung vertreten, sagte Ex-Grünen-Chef Cem Özdemir der "Südwest Presse" am Mittwoch.

Noch seien die Verbände "weit davon entfernt, die Voraussetzungen einer Religionsgemeinschaft nach dem deutschen Religionsverfassungsrecht zu erfüllen". Frauenfeindlichkeit, Militarismus und Fundamentalismus hätten dabei keinen Platz.

Mansour: Verbände aus dem Ausland gesteuert

Der Islamismus-Experte und Konferenzteilnehmer Ahmad Mansour kritisierte in der "Stuttgarter Zeitung" (Mittwoch), die Verbände seien aus dem Ausland gesteuert und repräsentierten nur eine Minderheit, "aber sie werden von der Politik gehört, als seien sie die einzigen legitimen Stimmen". Er rief zur Förderung von Moscheen auf, die unabhängig von ausländischen Geldgebern sind. Zudem sollten "endlich auch" die Probleme des Islam angesprochen werden: Mansour nennt hier Radikalisierungstendenzen, Antisemitismus und "sehr problematische Geschlechterrollen".

Mazyek: Gemeinsam statt gegeneinander

Dagegen warnte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, davor, die überwiegend von den Islamverbänden getragenen Moscheegemeinden als Problem zu sehen. Sie seien Teil der Lösung, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Die muslimischen Gemeinschaften hätten zwar auch Fehler gemacht, "aber es geht nur gemeinsam und nicht gegeneinander", so Mazyek an die Adresse der verbandskritischen muslimischen Vertreter. Gegenseitiges "Bashing" stärke nur die Einflussnahme aus dem islamischen Ausland.

Türkische Gemeinde: Islamkonferenz ist das "falsche Format"

Die Türkische Gemeinde in Deutschland lobte derweil, dass das Bundesinnenministerium auch wieder säkular und liberal orientierte Muslime eingeladen habe. Dies spiegele die Vielfältigkeit des muslimischen Lebens wider, so der Vorsitzende Gökay Sofuoglu. Für die gesamte Gestaltung der Einwanderungsgesellschaft ist die DIK aus seiner Sicht jedoch das "falsche Format".

Korchide: Konservativer Islam bekommt zu viel Raum

Der Islamwissenschaftler Mouhanad Korchide von der Universität Münster forderte, die Islamkonferenz müsse Muslimen praktische Handlungsempfehlungen geben und die verschiedenen innerislamischen Positionen sichtbar macht. "Bislang wurde nur dem überwiegend konservativen Islam viel Raum gegeben, was zu einer verzerrten und einseitigen Wahrnehmung des Islams geführt hat."

Seehofer: Imam-Ausbildung in Deutschland

Unterdessen forderte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) als Gastgeber der DIK die muslimischen Religionsgemeinschaften auf, sich so zu organisieren, dass sie den Anforderungen des Religionsverfassungsrechts für eine Kooperation mit dem Staat genügten. Dabei gehe es auch darum, "ausländische Einflussnahme dadurch zu ersetzen, dass Deutschlands Muslime nicht nur Organisation und Finanzierung ihrer Gemeinden selbst in die Hand nehmen, sondern auch die Imam-Ausbildung an ihre Bedürfnisse anpassen", schrieb der Politiker in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Dienstag).

Der Vorsitzende des Islamrats, Burhan Kesici, begrüßte diese Äußerungen: "Auch wir haben ein Interesse daran, dass Imame in Deutschland ausgebildet werden", erklärte er am Dienstagabend. Der Islamrat habe dafür bereits Strukturen aufgebaut. "Dem Handlungsspielraum des Staates sind in diesem Bereich von Verfassungswegen enge Grenzen gesetzt, was bei der Diskussion nicht unberücksichtigt bleiben darf", so Kesici. Die Imamausbildung bleibe Sache der Religionsgemeinschaften.

Bei den Diskussionen am Mittwoch und Donnerstag soll es laut Seehofer besonders um alltagspraktische Themen gehen. Im Zentrum stehe die Frage, "wie sich der muslimische Glaube und die mit ihm verknüpften Überzeugungen und Bräuche mit der in Deutschland gewachsenen Kultur und den Werten unserer Gesellschaft im Alltag besser in Einklang bringen" ließen.

(KNA)

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