Ansichtsplan des Moschee-Neubaus in Erfurt
Ansichtsplan des Moschee-Neubaus in Erfurt
Bischof Ulrich Neymeyr
Bischof Ulrich Neymeyr

23.11.2018 - 00:00

Bischof Neymeyr verteidigt Erfurter Moscheebau Recht auf würdige Gebetsorte

Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr hat den Bau einer Moschee in Erfurt-Marbach verteidigt. Zur Religionsfreiheit gehöre "unzweifelhaft auch das Recht der Muslime auf den Bau würdiger Moscheen". Gegen die Moschee gibt es massive Proteste.

Der Grundstein für den ersten Moschee-Neubau Ostdeutschlands außerhalb von Berlin wurde vergangene Woche gelegt. Das Bauvorhaben der Ahmadiyya-Gemeinde wird seit der Ankündigung vor zweieinhalb Jahren teils von massiven islamfeindlichen Protesten begleitet.

Neymeyr betonte am Donnerstagabend beim traditionellen Elisabeth-Empfang des Bistums Erfurt für Thüringer Politiker vor rund 120 Gästen: "Die Freiheit aller religiösen Bekenntnisse ist die Grundachse jeder modernen Gesellschaft." Gleichwohl schließe die Befürwortung des Rechtes zum Moscheebau das Recht auf Kritik im Einzelfall nicht aus. "Aber ich verurteile alle Versuche, Sorgen und Ängste der Bevölkerung politisch zu instrumentalisieren", so der Bischof. "Kritik ist erlaubt, Hetze nicht."

Beziehung zum Islam ohne "grundlegende Bedeutung"

Neymeyr erklärte, dass im interreligiösen Dialog das Christentum dem Judentum in "grundlegend anderer Weise" verbunden bleibe als dem Islam. "Die Herkunft Jesu aus dem Judentum ist nicht zufällig, sondern bestimmt seine Identität." Ein solches Verwandtschaftsverhältnis bestehe zwischen Christentum und Islam nicht. "Die Beziehung zum Islam kann niemals eine für die Kirche und die christliche Religion grundlegende Bedeutung erlangen. Das ist der entscheidende Unterschied zum Judentum", so Neymeyr, der in der Deutschen Bischofskonferenz für die Beziehungen zum Judentum zuständig ist. Christentum, Judentum und Islam stünden nicht in gleicher Nähe zueinander, wie es das Wort vom 'Trialog der abrahamitischen Religionen' nahelege.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) bezeichnete die Religionsfreiheit als "zentrale Größe der Verfassung". Sie stehe gerade auch den Religionsgemeinschaften zu, die sich in Minderheitensituationen befänden. Ramelow warnte davor, einzelne Grundrechte infrage zu stellen. Zugleich sagte er: "Verfassungsrechte sind nicht selbstverständlich und in Stein gemeißelt - sie müssen immer wieder neu durchdacht werden."

Die Vizepräsidentin des Thüringer Landtags, Dorothea Marx, verwies in ihrer Rede auf die wieder zunehmende Bedeutung von Heimat. Im jüngsten Thüringen-Monitor gaben demnach 72 Prozent der Befragten an, dass Heimat ihnen "sehr wichtig" sei. Zugleich werde gesellschaftlich-kulturelle Vielfalt "von wesentlichen Teilen der Bevölkerung als problembehaftet und konfliktreich wahrgenommen", so die SPD-Politikerin. Heimat dürfe "aber nicht wieder die gespaltene von gestern" werden. "Der ausgesäte Hass darf nicht noch einmal ungehindert wachsen", sagte die Politikerin unter Verweis auf die NS-Zeit.

Geschmacklose Proteste und turbulente Bürgerversammlungen

Gegen den Bau der Moschee gab es in der Vergangenheit turbulente Bürgerversammlungen, Anhörungen und Stadtratssitzungen rund um das Bauprojekt im Gewerbegebiet. Im Januar schließlich wurde die Baugenehmigung erteilt: für eine Moschee mit einem acht Meter hohen Zierminarett ohne Lautsprecher und eine Kuppel mit dreieinhalb Metern Durchmesser. Neben zwei Gebetsräumen ist eine Wohnung für den Imam geplant. Die Baukosten veranschlagt die Ahmadiyya-Gemeinde mit 650.000 Euro, finanziert vollständig aus Spenden.

Rechtsextreme Moschee-Kritiker hatten im Sommer 2017 auf Schweinekadaver und einen Schweinekopf mit Nazi-Symbolen zurückgegriffen, die sie auf dem Gelände aufspießten. Das Schwein gilt nach muslimischer Tradition als unreines Tier.

Meterhohe Protest-Kreuze

Insgesamt rund 70 Mitglieder zählen die Ahmadis in Thüringen. Auf die Frage, warum sie eine eigene Moschee brauchen, antwortet der Landesgemeindesprecher Suleman Malik: "Sie ist wichtig für unsere spirituelle Ernährung." Außerdem sei der Bau "ein großes Zeichen für die Deutungshoheit des Grundgesetzes, denn das Grundrecht auf freie Religionsausübung gilt eben auch für Muslime."

Dieses stellten Demonstranten, unter die sich zunehmend Rechtsextremisten mischten, immer wieder in Abrede. Im März 2017 errichteten Moschee-Gegner mehrfach meterhohe Protest-Kreuze auf dem Nachbargrundstück. Die Kirchen konterten sofort: Wer das Kreuz benutze, um Stimmung gegen andere Glaubensrichtungen oder gegen Andersdenkende zu machen, missbrauche dieses christliche Symbol.

Vor zwei Monaten zog nochmals ein Protestzug von 30 Menschen, teils mit "Araber-Masken" verkleidet, durch Erfurt-Marbach. In ihrer Mitte ein Mann, der offenbar Jesus darstellen sollte und theatralisch ein Kreuz schleppte. Arabische Musik tönte dazu aus Lautsprechern. Thüringens AfD-Chef Björn Höcke sagte bei einer Demo seiner Partei auf dem Erfurter Domplatz: "Ich bin in Sorge, dass auf unserem Dom bald, in nicht allzu ferner Zukunft, der Halbmond zu sehen sein könnte."

Wer steht hinter der Ahmadiyya-Gemeinschaft?

Die Ahmadiyya-Gemeinschaft gilt als älteste muslimische Gemeinde in Deutschland. Sie versteht sich als weltweite islamische Reformbewegung, wird aber von vielen anderen islamischen Strömungen nicht anerkannt und teils verfolgt. Bundesweit hat sie nach eigenen Angaben etwa 45.000 Mitglieder und unterhält mehr als 50 Moscheen sowie etwa 225 lokale Gemeinden, einen TV-Sender und einen Verlag.

Hessen verlieh der Ahmadiyya-Gemeinde 2013 den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts. Hamburg vollzog den Schritt 2014. Kritiker werfen den Ahmadis indes vor, sektenähnlich zu sein und sich nur nach außen modern und reformorientiert zu geben.

Die Ahmadiyya Gemeinschaft verfolgt ein "100-Moscheen-Projekt", das Kalif Mirza Tahir Ahmad bereits 1989 ausrief. Gegenwärtig laufen unter anderem Bauprojekte in Nahe (Schleswig-Holstein), Fulda, Wiesbaden-Dotzheim, Marburg und Raunheim (Hessen) sowie Waiblingen (Baden-Würtemberg). Unterdessen verzögert sich der Start des Moscheebaus der Ahmadiyya-Gemeinde in Leipzig weiter. Ähnliche Neubau-Pläne für Dresden und Chemnitz liegen ebenfalls auf Eis. (KNA, DOMRADIO.DE)

 

(KNA)

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