Religionsfreiheit auf dem Katholikentag
Religionsfreiheit auf dem Katholikentag

25.05.2018 - 00:00

Beauftragter für Religionsfreiheit über sein neues Amt Bewusstsein bilden und Unkenntnis beseitigen

Drei Viertel der Menschen weltweit können ihre Religion nicht frei ausüben, auch in Deutschland kommt es immer wieder zu Konflikten. Nun hat die Bundesregierung mit Markus Grübel zum ersten Mal einen Beauftragten für Religionsfreiheit berufen.

DOMRADIO.DE: Drei Viertel der Menschen weltweit leben nicht in Religionsfreiheit, die von der Bundesregierung als Menschenrecht definiert wird. Christen betrifft das in 128 Ländern. Wo drückt da besonders der Schuh?

Markus Grübel (Beauftragter der Bundesregierung für Religionsfreiheit): Das Menschenrecht wird eigentlich von Nigeria bis Ägypten verletzt, von Syrien, Irak bis Indonesien – auch in Deutschland. Allerdings gibt es große Unterschiede. Uns sind die Bilder des IS aus dem Irak und aus Syrien präsent. Aber auch in Deutschland können wir es mit Händen greifen: Hier berichten Flüchtlinge von Verletzungen der Menschenrechte und Verletzungen der Religionsfreiheit.

DOMRADIO.DE: Was muss da von der Bundesregierung getan werden?

Grübel: Meine Aufgabe ist es, zunächst mal zu berichten und Handlungsempfehlungen zu geben. Zuerst ist Solidarität gefragt, dass man die Probleme anspricht, dass man Christenverfolgung anspricht – auch Einzelfälle. Es soll aber auch ein Bewusstsein gebildet werden, dass Religionsfreiheit ein fundamentales Menschenrecht ist und dass dieses Menschenrecht auch umgesetzt werden muss. Da habe ich die Macht des Wortes gegenüber der Bundesregierung und gegenüber dem Bundestag. Aber auch Gespräche mit Wirtschaftsunternehmen und anderen Akteuren können helfen, die Situation der Menschen in aller Welt zu verbessern.

DOMRADIO.DE: Aber auch bei uns im Inland gibt es genug religiöse Konflikte, insbesondere was den Zuzug von Muslimen angeht. Immer wieder wird die Frage diskutiert: "Gehört der Islam zu Deutschland?" Wie sehen Sie das?

Grübel: Diese Frage ist müßig. Kulturhistorisch gesehen, gehört der Islam nicht zu Deutschland. Aber es leben Muslime dauerhaft in Deutschland, und diese Muslime und ihre Religion gehören damit zu Deutschland. An der Fragestellung stört mich, dass sie vergleichsweise folgenlos ist. Vernünftig wäre die Frage zu stellen, welche Konsequenzen es hat. Wenn jemand zum Beispiel das Scharia-Recht in Deutschland einführen will, dann würde man sagen, diese Art des Islams gehört nicht zu Deutschland. Das ist nicht mit unseren deutschen Werten zu vereinbaren. Wenn es aber darum geht, dass die Muslime hier ihren Gottesdienst feiern und sie Moscheen bauen dürfen, dann muss man sagen: Der Islam gehört zu Deutschland. Auch Muslime haben das Recht, ihre Religion hier frei zu leben.

DOMRADIO.DE: Was muss die Regierung tun, um Menschen islamischen Glaubens besser zu integrieren?

Grübel: Zunächst einmal können wir das breiter betrachten. Es gibt Straftaten in Deutschland, die Christen betreffen, Juden und Muslime. Wir haben jetzt aktuell vom Bundesinnenministerium die Zahlen bekommen: Es gab im Jahr 2017 129 christenfeindlichen Straftaten, 1.075 islamfeindliche und 1.500 antisemitische Straftaten. Das heißt, wir müssen eine Öffentlichkeit schaffen. Wir haben eine sehr aufmerksame Presse. Wir haben es bei den Juden gesehen mit Solidaritätskundgebungen wie "Köln trägt Kippa". Wir brauchen gemeinsame Projekte. Wir müssen informieren über die Religionen, weil oft Unkenntnis über die Religion das Problem ist. Was macht sie aus? Was prägt sie? Und es gibt auch Unkenntnis darüber, dass es viele Gemeinsamkeiten zwischen Christen, Muslimen und Juden gibt. Ich würde die Gemeinsamkeiten herausstellen und mehr informieren.

DOMRADIO.DE: AfD-Chefin Weidel hat vergangene Woche im Bundestag von "Kopftuchmädchen" und und "alimentierten Messermännern" gesprochen. Machen Ihnen solche Äußerungen aus den Reihen des Parlaments die Arbeit schwerer?

Grübel: Ich habe die Äußerungen sehr bedauert, weil es die Hemmschwelle senkt. Wir hatten in Berlin-Spandau den Vorfall, dass einem Mädchen gewaltsam das Kopftuch vom Kopf gerissen wurde. Und ich sehe da einen Zusammenhang, wenn man "Kopftuchmädchen, alimentierte Messerstecher und sonstige Taugenichtse" – das war ja der Wortlaut – und solche Sachen sagt. Das schafft eher die Bereitschaft der Konfrontation als der Versöhnung und des friedlichen Miteinanders.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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