Wenn die Nacht anbricht: Fastenbrechen in der Kölner Zentralmoschee
Wenn die Nacht anbricht: Fastenbrechen in der Kölner Zentralmoschee
Thomas Lemmen
Thomas Lemmen

16.05.2018

Gemeinsamkeiten und Unterschiede beim christlichen und muslimischen Fasten Kein Fasten à la carte

Christen fasten in der Fastenzeit vor Ostern, Muslime fasten jetzt im Ramadan. Ist Fasten und Fasten das Gleiche? Unser Experte sagt: Ja und Nein.

DOMRADIO.DE: Inwiefern unterscheidet sich unser christliches Fasten vor Ostern von dem, was in den kommenden vier Wochen im Islam passiert?

Professor Dr. Thomas Lemmen (Referent für Interreligiösen Dialog im Erzbistum Köln): Gemeinsam ist uns, dass es um eine Neuausrichtung des Menschen geht: auf Gott hin – auf den Mitmenschen – auf sich selbst. Das haben wir gemeinsam. Aber was unterschiedlich ist, ist die Praxis des Fastens. Im Christentum ist das eine Einschränkung, ein Verzicht, den man sich setzt. Und im Islam ist das ein vollständiges Fasten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Damit unterscheidet sich das Fasten in der Praxis doch signifikant.

DOMRADIO.DE: Wenn ich als Moslem faste, dann kann ich nicht ein bisschen weniger Fernsehen oder etwas mehr Sport damit verbinden. Es ist also kein Fasten à la Carte?

Lemmen: Genau, ich kann es mir nicht aussuchen, kann nicht sagen, was ich jetzt für mich als Verzicht wähle. Sondern ich bin gehalten daran, wirklich nichts zu essen, nichts zu trinken – und das von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

DOMRADIO.DE: Jetzt muss man fairerweise sagen, dass bei uns Katholiken viele es mit dem Fasten nicht so ganz genau nehmen. Wie sieht das denn in der islamischen Welt aus?

Lemmen: Das ist dort auch sehr unterschiedlich. Es gibt Menschen, die halten sich da hundertprozentig dran. Und andere tun das nicht. In Großstädten wie Istanbul oder Kairo ist McDonald's beispielsweise in der Fastenzeit auch geöffnet. Aber es ist deutlich weniger los. Und man muss sagen, dass auch viele, die das Jahr über nicht so religiös sind, dann in der Fastenzeit ganz bewusst religiös sind. Weil sie sagen, das ist jetzt einmal im Jahr eine Gelegenheit, doch dem nachzukommen, was man eigentlich machen sollte.

DOMRADIO.DE: Weshalb hilft es mir da, den ganzen Tag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts zu essen, nichts zu trinken, aber dann abends richtig loszulegen?

Lemmen: Auch das soll ja in Maßen geschehen. Es nutzt nichts, wenn ich dann so reinhaue, dass es mir drei Tage danach davon schlecht ist. Der Grund des Fastens ist, dass im Monat Ramadan der Koran zum ersten Mal herabgesandt wurde. Das gibt dem Fastenmonat seine Bedeutung. Man fastet, um diesem Ereignis der Herabsendung des Korans zu gedenken.

Im Christentum dagegen dient das Fasten als Vorbereitung auf das Osterfest. Das sind die theologischen Bedeutungen der Fastenpraxis. Im Islam sollen während dieser Zeit - abgesehen vom Fasten - auch zusätzliche Gebete verrichtet werden. Man soll den Koran einmal von Anfang bis Ende lesen und man soll auch besonders in der Fastenzeit jene Menschen speisen und ihnen Gutes tun, denen es nicht so gut geht. Da kommt nochmal die ganzheitliche Dimension zum Ausdruck. Es geht nicht nur um mich, es geht nicht nur um meine Beziehung zu Gott, sondern es geht auch um die Gemeinschaft, um das Sozialwesen, so dass dieser Fastenmonat eine höchst soziale Funktion in der islamischen Welt hat.

DOMRADIO.DE: Es geht sogar soweit, dass der Ramadan einer der Grundpfeiler der Religion der Muslime ist?

Lemmen: Ganz genau, das Gebet, das Fasten, die Almosen. Das sind drei Dinge, die auch bei uns vorkommen. Für die Muslime kommen noch das Glaubensbekenntnis und die Wallfahrt nach Mekka dazu. Aber diese drei Grundhaltungen haben wir im Grunde gemeinsam.

DOMRADIO.DE: Können wir uns für unsere Fastenpraxis, für unseren Glauben, etwas abschauen?

Lemmen: Da tue ich mich immer schwer mit, weil die Dinge im Islam anders begründet sind als im Christentum. Uns geht es als Christen um eine innerliche Grundhaltung. Das ist das Entscheidende. Das Evangelium vom Aschermittwoch sagt ja auch ganz klar: Es geht nicht um das, was die Menschen sehen, sondern es geht um deine innere Haltung. Und deswegen tue ich mich schwer damit, Dinge von anderen Religionen zu übernehmen. Allenfalls kann ich die Ernsthaftigkeit, mit der Muslime ihr Fasten begehen, übernehmen. Das kann ich mir auch in meiner religiösen Praxis zu Eigen machen. Allerdings mit dem Unterschied, dass es für uns nicht auf das Äußerliche sondern auf die innerliche Haltung ankommt.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

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