Bibel neben Koran: Im "Raum der Stille" an der Uni Hamburg darf Religion ausgeübt werden - woanders nicht
Bibel neben Koran
Klaus von Stosch
Klaus von Stosch

14.05.2018

Klaus von Stosch über "Jesus im Koran" Im Koran ist Jesus Geist Gottes, Wort Gottes und Messias

"Der Koran spricht sehr wertschätzend über Jesus", sagt Klaus von Stosch. Der katholische Theologieprofessor hat sechs Jahre lang über Jesus im Koran geforscht. Es gebe zwar wichtige Unterschiede, jedoch keine direkte Ablehnung des Christentums.

"Es ist das erste Mal, dass jemand aus muslimischer Sicht und aus christlicher Sicht über Jesus im Koran schreiben", sagt Klaus von Stosch. Im Buch "Der andere Prophet. Jesus im Koran" untersuchen von Stosch und der islamische Theologe Mouhanad Khorchide zunächst das historische Umfeld, die Entstehung des Korans im siebten Jahrhundert. "Wenn man den Koran historisch kritisch liest und nicht so tut, als sei er als komplettes Buch vom Himmel gefallen, dann ergeben sich sehr viele Verstehensmöglichkeiten, die den Koran in die biblische Tradition hineinrücken, ihn als Text der Spätantike sichtbar machen und damit in die Tradition Europas hineinholen", erklärt von Stosch.

Das Christusbild im Koran

Im siebten Jahrhundert hatte sich das Christentum neben dem Judentum als Weltreligion längst etabliert. So erzählt der Koran von Jesus sehr wertschätzend - als Geist Gottes, als Wort Gottes, als Messias. "Wenn man einmal anschaut, wie der Koran entstanden ist, kann man feststellen, dass die frühen Suren, die sich mit Jesus auseinandersetzen, das alle in einer sehr wertschätzende Weise tun", betont von Stosch, "der eigentliche Streit kommt erst in der Spätphase der koranischen Offenbarung".

Der Koran greift hier einen Streit auf, der damals das Christentum selbst spaltete. Es ging dabei um das Bild von Jesus Christus, dem jede Menschlichkeit abgesprochen wurde. Jesus als Sohn Gottes habe keine menschlichen Attribute gehabt, meinte selbst der Papst. Eine Meinung, die unter Christen heute nicht mehr gilt und die auch der Koran scharf verurteilt. "Der Koran greift das Christentum mit Formulierungen an, die wir heute als Christen gar nicht als Angriff auf uns werten können", erklärt der Theologieprofessor. "Offenkundig hat der Koran hier bestimmte Vorstellungen vor Augen, die im siebten Jahrhundert weit verbreitet waren, die wir aber heute mit dem Koran zusammen ablehnen können".

Es gibt im Koran keine direkte Ablehnung des Christentums

Inhaltlich sind diese Angriffe der späten Koransuren auf das Christentum also längst überholt. Es sei denn man nimmt jede Sure für sich, unabhängig vom historischen Umfeld. Dann sieht das natürlich anders aus. "Diese späten Suren werden von fundamentalistischen Muslimen verwendet, um sich gegen Christen zu wenden", sagt von Stosch, "weil einfach unterstellt wird, dass das, was der Koran über Christen sagt, heute auch noch stimmt". Tut es aber nicht, denn die christliche Kirche hat ihre Theologie gegenüber der aus dem siebten Jahrhundert grundlegend geändert. Die Wertschätzung die Jesus im Koran erfährt, sei deshalb auch viel wichtiger als die Ablehnung der damaligen christlichen Theologie, ist Professor von Stosch überzeugt.

Natürlich, und das sagt er auch, gibt es zwischen Islam und Christentum große Unterschiede – auch im Christusbild. "Wir dürfen als Christen auch nicht auf die freundliche Einladung von Muslimen eingehen, dass unsere Religionen gleich seien", gibt von Stosch zu bedenken, "es gibt da wichtige Unterschiede, über die müssen wir uns auch streiten. Aber es gibt im Koran eben nicht eine direkte Ablehnung des Christentums".

Johannes Schröer
(DR)

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