Kardinal gegen Kopftuchverbot in Österreich

"Erziehung zu Freiheit statt Zwang"

​In Österreich plant die Regierung ein Kopftuchverbot für Mädchen in Kindergärten und Grundschulen. Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat sich dagegen ausgesprochen und spricht von einem "neuen Zwang".

 (DR)

"Von religiöser Seite her bin ich gegen einen neuen Zwang und plädiere für eine Erziehung zur Freiheit", sagte Schönborn dem "Kurier" am Mittwoch im Interview. Zugleich betonte er, es sei Aufgabe der Politik, über ein entsprechendes Verbot zu entscheiden.

Anfang April war bekanntgeworden, dass Österreich plant, Mädchen im Vorschulalter künftig ein Kopftuch zu verbieten. Ein entsprechendes Kinderschutzgesetz solle bis Sommer ausgearbeitet werden, berichteten österreichische Medien. Eine juristische Vorprüfung habe ergeben, dass ein Kopftuchverbot rechtlich möglich sei.

"Keine Einbahnstraßen"

Er selbst baue in dieser Frage auf kulturelle Entwicklungen, betonte Schönborn. "In meiner Kindheit sind alle Frauen mit einem Kopftuch im Gottesdienst gesessen. Das ist heute völlig verschwunden." Umgekehrt habe es früher viel weniger Kopftücher bei Musliminnen gegeben. "Ich vertraue darauf, dass solche Entwicklungen keine Einbahnstraßen sind", so der Wiener Erzbischof.

Generell müsse die Frage umfassender gestellt werden. Zu beachten sei etwa auch die Erziehung der Männer: "Sind Frauenhaare etwas so Gefährliches, dass man sie vor Männern verstecken muss?" Beim Kopftuch handle es sich primär um eine kulturelle und keine religiöse Frage, so der Kardinal. "Ich plädiere dafür, dass das als Erziehungsfrage gesehen wird."

Keine Kirche als Moschee

Der Islam steckt aus Sicht Schönborns derzeit in der größten Krise seiner Geschichte. Der innerislamische Konflikt sei mit dem Dreißigjährigen Krieg vergleichbar, "es geht um die Vormachtstellung zwischen Schiiten und Sunniten wie damals in Europa zwischen Katholiken und Protestanten". In unseren Breiten sei die Aufklärung die Folge eines "Kriegs bis zur Erschöpfung" gewesen, es habe sich die Einsicht durchgesetzt, dass man Politik und Religion trennen muss. "Diese Lektion hat der Islam noch vor sich", so Schönborn.

Nicht vorstellen kann sich der Kardinal, Muslimen eine Kirche als Moschee zur Verfügung zu stellen. Zwar gebe es in Wien immer weniger Katholiken, dafür wüchsen jedoch andere christliche Gemeinschaften - "etwa die Freikirchen, wie die Baptisten oder auch die Ostkirchen", die Bedarf an Gotteshäusern hätten. Eine Nutzung von Kirchen durch Muslime würden viele Katholiken aus Sicht Schönborns nicht verstehen.


Christoph Kardinal Schönborn / © Cristian Gennari (KNA)
Christoph Kardinal Schönborn / © Cristian Gennari ( KNA )
Quelle:
KNA