13.04.2018

NRW-Regierung kritisiert Moschee-Video mit Kindern in Uniform Mit Spielzeuggewehren im Gotteshaus

Ein Video aus der Herforder Ditib-Moschee mit marschierenden Kindern in Militäruniformen ist auf Unverständnis bei der nordrhein-westfälischen Landesregierung gestoßen. Die Bilder aus der Ditib-Moschee seien verstörend und völlig inakzeptabel.

Das sagte Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) der Tageszeitung "Neue Westfälische" (Freitag). "Der Vorfall bestärkt uns in unseren Befürchtungen, dass die Ditib in NRW im politischen Interesse der türkischen Regierung agiert." Er forderte vom Landes- und Bundesverband des deutsch-türkischen Moscheeverbandes eine unmissverständliche Klarstellung und Distanzierung von den Geschehnissen.

Kinder-Aufführung zum "Tag der Gefallenen"

Das über Facebook verbreitete und inzwischen gelöschte Video zeigt eine Kinder-Aufführung zum "Tag der Gefallenen", der in der Türkei am 18. März als Feiertag begangen wird. In der rund vierminütigen Aufnahme, die sich auch über WhatsApp verbreitete, marschieren Kinder in Militäruniformen, auf der die türkische Flagge prangt. Dabei halten sie Spielzeuggewehre in der Hand. Ein als Vorgesetzter agierendes Kind gibt Befehle wie "Stillgestanden" und "Rührt euch".

"Aus Sicht der Kinder- und Jugendhilfe stehen die Bilder dem Geiste einer gewaltfreien Erziehung in besonders heftiger Art und Weise entgegen", erklärte das NRW-Familienministerium. Die UN-Kinderrechtskonvention ächte die Rekrutierung von Kindern. Ihre Beteiligung an bewaffneten Konflikten sowie eine Zwangsrekrutierung von Unter-18-Jährigen sei verboten. Die Bilder aus Herford erweckten jedoch den Eindruck, dass genau eine solche Beteiligung an bewaffneten Konflikten von Kindern geübt werde. Die Frage der Kindeswohlgefährdung sei vom Jugendamt zu prüfen.

"Hier setzt die Gemeinde kein Zeichen der Integration", zitiert die Zeitung den Herforder SPD-Landtagsabgeordneten Christian Dahm. Er wolle das Thema in der kommenden Woche auf die Tagesordnung des Innen- und Integrationsausschusses setzen lassen.

Gemeinde bedauert den Vorfall

Die in Köln ansässige Dachorganisation des deutsch-türkischen Moscheeverbandes Ditib verwies nach Anfrage am Freitag auf die Herforder Gemeinde. Jeder Moscheeverein arbeite eigenverantwortlich, hieß es zur Begründung. Die Ditib in Herford bedauerte den Vorfall. Es werde dafür Sorge getragen, "dass sich sowas nicht wiederholt".

Auch die Gemeinde sei von der Darbietung überrascht worden. Das für die Aufführung zuständige Gemeindemitglied sei kurzfristig schwer erkrankt, so dass die übliche Qualitätskontrolle nicht stattgefunden habe.

Der Ditib-Landesverband erklärte der Zeitung, das Video sei zum Gedenken an die Schlacht von Gallipoli entstanden, bei der die Osmanen 1915 unter großen Verlusten die angreifenden Engländer und Franzosen besiegt hätten. Daran erinnere der "Tag der Gefallenen" am 18. März.

(KNA)