Seyran Ates (m.) bei der Eröffnung der liberalen Moschee
Seyran Ates (m.) bei der Eröffnung der liberalen Moschee
Kirche St. Johannes, in der die Ibn Rushd-Goethe Moschee eingezogen ist
Kirche St. Johannes, in der die Ibn Rushd-Goethe Moschee eingezogen ist

23.06.2017

Gründerin von liberaler Berliner Moschee entsetzt über Kritik "Werden mit Lügen konfrontiert"

Seit einer Woche ist die liberale "Ibn-Ruschd-Goethe-Moschee" in Berlin geöffnet - und polarisiert seitdem die islamische Welt. Mit Kritik habe sie gerechnet, sagt Gründerin Seyran Ates gegenüber domradio.de, aber nicht mit dem Ausmaß.

domradio.de: Die liberale Moschee, wie sie heißt, befindet sich in einem Gebäude der evangelischen Sankt-Johannes-Kirche in Berlin-Moabit. Liberal, da Männer und Frauen zusammen beten können, Homosexuelle sind ausdrücklich willkommen. Das stößt auf Kritik und führte sogar zu Behauptungen aus der Türkei, dass die Moschee ein Projekt der Gülen-Bewegung sei. Dass Kritik kommt, war wohl klar. Haben Sie damit gerechnet, dass man Sie in eine Ecke mit der Gülen-Bewegung stellt?

Seyran Ates (Anwältin, Autorin und maßgebliche Gründerin der "Ibn-Ruschd-Goethe-Moschee" in Berlin): Nein. Ich hab wirklich mit allen Szenarien gerechnet und damit, dass man nicht mit offen Armen empfangen werden würde. Das kennen wir ja weltweit. Es gibt ja innerhalb der islamischen Welt sehr viele liberale Bewegungen, aber das stört die Türkei extrem. Wir werden mit Lügen konfrontiert und mir wird nachgesagt, dass ich den Koran auf den Boden lege und auf ihn treten würde. Gleichzeitig wird tagtäglich lautstark verkündet, wir hätten dort Gülen verherrlicht und ihn als Propheten gefeiert. Das sind widerliche Lügen.

domradio.de: Haben Sie mit so einem Ausmaß gerechnet?

Ates: Das Ausmaß war mir im Vorfeld nicht klar, dass sie sogar so etwas benutzen, um ihren Kampf und Krieg gegen Gülen zu führen, von dem wir uns ganz klar distanzieren. Wir sind nicht so konservativ. Wir sind ja ausdrücklich eine liberale Moschee und die Werte oder die Art, wie die Gülen-Bewegung den Islam liest, ist ja nicht das, was wir hier deckungsgleich realisieren. Nichtsdestotrotz möchte ich als Menschenrechtlerin sagen: "Das, was zurzeit mit der Gülen-Bewegung gemacht wird - und so sehr wir auch wirklich Fehler in der Vergangenheit in der Türkei gemacht haben und mitverantwortlich waren für vieles - kann kein Menschenrechtler oder Menschenrechtlerin unkommentiert lassen. Uns zu missbrauchen, um da ihren Krieg zu führen, ist eigentlich mit Worten zu belegen, die ich lieber nicht benutzen möchte.

domradio.de: Festzuhalten ist, dass Ihre liberale Moschee und die konservative Gülen-Bewegung nicht zusammenpassen. Was sind denn die positiven Rückmeldungen, die Sie erhalten haben?

Ates: Das ist das, worüber wir eigentlich reden sollten. Weltweit gibt es positive Reaktionen aus Australien, Algerien, Kanada oder Dänemark. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich das nur sage. Ich kann die Länder gar nicht alle aufzählen. Es kommt so viel Positives, auch natürlich aus Europa ganz viel. Ich werde überschüttet von E-Mails. Ich kann die gar nicht mehr bearbeiten und muss jetzt jemanden kurzfristig einstellen, damit wir da überhaupt hinterher kommen. Die Leute sind deshalb so begeistert, weil sie sagen, dass es ein Durchatmen, ein Hoffnungsschimmer ist. Wir müssen alle gemeinsam für die schönen Seiten des Islams einstehen und gegen diesen islamistischen Terror ankämpfen.

domradio.de: Es gibt eine liberale Moschee im Gebäude einer christlichen Kirche, Sie als zukünftige weibliche Imamin und dann soll auch noch gemeinsam mit Männern gebetet werden. Das klingt ja alles sehr gewagt und angeblich gab es deswegen sogar schon Morddrohungen. Wie sicher fühlen Sie sich persönlich?

Ates: Ich fühle mich deshalb so sicher, weil ich in diesem wunderbaren Land lebe, in dem man für seine Meinungsfreiheit geschützt wird. Ich werde geschützt und unsere Gemeinde wird geschützt. Wenn wir das auch nur unter Schutz noch machen können, dann ist das leider Gottes so. Das müssen wir dann so hinnehmen. Wir müssen durch eine gewisse Zeit durch. Da wir ja nun im Haus Gottes sind und auch etwas für Gott geschaffen haben, sind wir da auch in unserer Gottesfurcht so, dass wir sagen, vieles von der Angst und von dem, was uns entgegen kommt, legen wir in Gottes Hand.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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