Darwin verschwindet aus türkischen Schulbüchern

Zu harter Stoff?

Charles Darwins Evolutionstheorie wird ab 2019 aus türkischen Lehrbüchern verschwinden. Um den Lehrplan zu vereinfachen, soll der Stoff erst später an der Universität gelehrt werden. Staatspräsident Erdogan hat den Entwurf schon unterzeichnet.

Einer der berühmten Darwin-Finken / © imageBROKER (epd)
Einer der berühmten Darwin-Finken / © imageBROKER ( epd )

Das teilte der Lehrplanbeauftragte des Bildungsministeriums, Alpaslan Durmus, am Freitag mit. Der neue Lehrplan soll am Dienstag, dem Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan, vorgestellt werden.

Die Evolutionstheorie sei für Schüler dieses Alters zu kontrovers und kompliziert, sagte Durmus. Daher solle das Kapitel aus dem Biologieunterricht der neunten Klassen entfernt werden und durch ein neues namens "Lebewesen und ihre Umwelt" ersetzt werden.

Kritik von Akademikern

Akademiker mehrerer Universitäten kritisierten den Entwurf. Das einzige Land, in dem die Evolutionstheorie ebenfalls vom Lehrplan gestrichen ist, sei Saudi-Arabien. Der Kreationismus kommt dagegen schon seit den 80er Jahren in türkischen Schulbüchern vor. Laut einer Umfrage von 2012 zweifeln 70 Prozent der Türken an der Evolutionstheorie.

Die Türkei ist formal ein laizistischer Staat mit Religionsfreiheit, ein Erbe von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk (1881-1934).

Säkulare Türken befürchten seit langem eine Islamisierung sowohl des Lehrplans als auch der Gesellschaft. Seit Regierungsantritt der AKP 2003 wurde das Kopftuchverbot aufgehoben, Glücksspiel verboten und Alkoholverbote ausgeweitet.


Charles Darwin / © akg-images GmbH (epd)
Charles Darwin / © akg-images GmbH ( epd )

Recep Tayyip Erdogan / © Str (dpa)
Recep Tayyip Erdogan / © Str ( dpa )
Quelle:
KNA