Muslim nahe Londoner Moschee
Muslim nahe Londoner Moschee

19.06.2017

Londoner Diakon zum Anschlag vor Moschee "Befürchtungen sind eingetreten"

Ein Mann rast in London mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge vor einer Moschee. Er wolle Muslime töten, soll er gerufen haben. Für den Londoner Diakon Stephan Arnold eine erschreckende und zugleich nicht völlig überraschende Tat.

domradio.de: Bei einer Attacke mit einem Lieferwagen in London hat ein Mann zehn Mitglieder einer muslimischen Gemeinde verletzt. Er wurde später unter dem Verdacht des versuchten Mordes festgenommen. Diese Nachricht dieser Tat hat sich wahrscheinlich auch bei Ihnen in der Gemeinde schnell verbreitet, oder?

Stephan Arnold (Diakon der deutschsprachigen katholischen Gemeinde St. Bonifatius in London): Ja, das geht natürlich wahnsinnig schnell und dann spricht man auch darüber.

domradio.de: Jetzt sollen diesmal speziell Muslime Ziel des Anschlags gewesen sein. Verändert das etwas für Sie?

Arnold: Es war zu erwarten, dass so etwas einmal passieren würde. Etwas verändert hat sich in meinen Augen eigentlich nicht. Die Befürchtungen sind eher eingetreten.

domradio.de: Wenn Sie sagen, dies war zu erwarten, woher nehmen Sie das?

Arnold: Es gibt hier in Großbritannien schon Leute, die auf die Einwanderer schimpfen und für die die Muslime, obwohl sie zum Teil seit Generation hier leben, nicht dazu gehören. Das sind zum guten Teil auch die Menschen, die für den Brexit gestimmt haben. Dass nun aus diesem Kreis jemand mal gewalttätig wird, war aus meiner Sicht zu befürchten.

domradio.de: Muslimische Verbände sprechen von Islamhass. Das können Sie auch so bestätigen?

Arnold: Das gibt es schon bei einigen, wobei das sicherlich keine britische Eigenart ist. So, wie ich die Entwicklung in Deutschland verfolge, ist das auch immer mal dort und auch in anderen Ländern zu sehen.

domradio.de: Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat den Angriff in einer Stellungnahme verurteilt. Es sei der zweite Terroranschlag in der britischen Hauptstadt binnen eines Monats und er sei genauso widerwärtig, wie die vorherigen. Sie bemüht sich um eine versöhnliche Botschaft. Spüren Sie das?

Arnold: Da müsste ich mit Muslimen drüber sprechen, aber ich glaube schon, dass das ankommt. Die verschiedenen Religionen sind hier gut miteinander vernetzt und kommen auch gut miteinander aus. Sie sind sich einig, dass Gewalt - egal von welcher Seite und gegen wen - abzulehnen ist. Das war auch so nach den vorausgegangenen Anschlägen hier, die ja mit einem islamistischen Hintergrund ausgeführt wurden. Auch da war klar, dass alle diese Gewalt ablehnen. Der Großteil der Bevölkerung steht vereint gegen Gewalttaten, egal ob diese von islamistischen Terroristen kommen oder aus rassistisch-islamophoben Kreisen.

domradio.de: Wie gehen die Menschen denn in Ihrer Gemeinde mit diesen Nachrichten um? Wächst die Terrorangst?

Arnold: Eine gewisse Angst ist schon zu spüren. Aber das ist in meinen Augen auch eine nachvollziehbare und verständliche Reaktion. Die Angst ist natürlich auch ein Stück weit irrational - wie alle Ängste. Es kommen immer noch mehr Menschen im Straßenverkehr um als durch terroristische Aktivitäten. Aber man hat schon manchmal ein mulmiges Gefühl, wenn man in die Stadt reinfährt. Obwohl man sagen muss, dass man sich eigentlich auf der anderen Seite auch gut geschützt fühlt. Die Polizei ist im Stadtbild präsent. Es gibt auch immer wieder einmal Betonsperren zu sehen, um zu verhindern, dass auf Plätze gefahren werden kann. Trotz dieser Sicherheitsmaßnahmen bleibt aber ein kleines mulmiges Gefühl.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(dr)

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