Muslime wollen sich am Samstag deutlich von Gewalt distanzieren
Muslime wollen sich am Samstag deutlich von Gewalt distanzieren

12.06.2017

Muslime wollen Zeichen gegen Terrorismus setzen "Nicht mit uns"

Ein symbolträchtiges Signal soll es sein. Muslime wollen mitten im Ramadan in Köln gegen Gewalt und Terror auf die Straße gehen. Nicht nur Politiker haben so ein Zeichen zuletzt gefordert.

In Großbritannien verweigerten nach den jüngsten Terroranschlägen in London und Manchester mehr als 130 Imame und muslimische Religionsführer den Attentätern das traditionelle Bestattungsgebet. Auch in Deutschland werden die Rufe nach einer entschlosseneren Haltung seitens der Muslime und Islamverbände gegenüber dem islamistischen Terrorismus immer lauter. In diese Kerbe schlägt eine für Samstag geplante Demonstration in der Kölner Innenstadt. Unter dem Motto "Nicht mit uns" wollen Muslime gegen Terror und Gewalt auf die Straße gehen.

"Wir lassen es nicht zu, dass Terroristen im Namen des Islams, aber auch nicht im Namen anderer Religionen und anderer Ideologien Unschuldige töten und alles beschmutzen, was uns als Menschen im 21. Jahrhundert wichtig ist", heißt es auf der Internetseite der Veranstaltung. Hinter der Demonstration stehen die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor und der Friedensaktivist Tarek Mohamad.

Festivalveranstalter fordert mehr Zivilcourage

Zuvor waren auch nach der Unterbrechung des Musik-Festivals "Rock am Ring" am Pfingstwochenende wegen Terrorgefahr Stimmen laut geworden, die von Muslimen eine klarere Haltung gegen Terror forderten. So erklärte der "Rock am Ring"-Veranstalter Marek Lieberberg, er wolle "endlich mal Demos sehen, die sich gegen diese Gewalttäter richten".

Im Interview der "Welt" beklagte er an diesem Montag mangelnde Zivilcourage. Er frage sich, "warum sich nach der nicht abreißen Kette von islamistischen Terroranschlägen der letzten Zeit nicht noch mehr Menschen guten Willens dagegen demonstrativ artikulieren".

Göring-Eckardt: Imame in der Pflicht

Die Spitzenkandidatin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, nahm in einem Interview der Zeitung insbesondere Imame in die Pflicht: Sie müssten klar machen, dass terroristische Taten nichts mit ihrer Religion zu tun haben. Die übergroße Mehrheit der Muslime bete zu "einem Gott des Friedens". Das zu dokumentieren, sei ein wichtiges Zeichen.

Auf diese Forderungen scheint die geplante Demonstration nun zu reagieren. Die Anschläge in Großbritannien im Fastenmonat Ramadan hätten das Fass zum Überlaufen gebracht, sagte Kaddor dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag). "Wir Muslime müssen uns von den Tätern stärker abgrenzen und ihre gesellschaftliche Ächtung herbeiführen". Es gehe um eine Verurteilung des islamistischen Terrorismus und um ein Bekenntnis zu dieser "offenen und pluralistischen Gesellschaft".

Kölner Kabarettist Fatih Cevikkollu als Redner

 

Veranstalter Mohamad rechnet mit bis zu 10.000 Teilnehmern. Für Samstag hätten sich bereits einige Redner angekündigt. So werden unter anderem der Schauspieler Fatih Cevikkollu sowie die Autorin Rabeya Müller erwartet.

Auch der Zentralrat der Muslime werde einen Redner schicken, so Mohamad. Ob dies der Vorsitzende Aiman Mazyek sein werde, stehe allerdings noch nicht fest. Auch Mazyek hatte sich in einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" dafür ausgesprochen, Extremismus in den eigenen Reihen zu entlarven. Es helfe aber den Terroristen, wenn alle Muslime unter Generalverdacht gerieten.

Es sei ein "Ammenmärchen, wenn jemand behauptet, wir Muslime würden nicht Gesicht zeigen", betonte er unter Verweis auf Demonstrationen und Solidaritätskundgebungen. Er könne es Nichtmuslimen jedoch nicht verdenken, wenn diese "von jedem Muslim erwarten, sich vom muslimisierten Terrorismus zu distanzieren".

Ditib für Großdemo

Der Generalsekretär der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), Bekir Alboga, sprach sich laut "Kölner Stadt-Anzeiger" für die Unterstützung der Großdemo aus: "Wir haben schon bisher jeden Anschlag aufs Schärfste verurteilt." Ob die Ditib den Aufruf auch offiziell unterschreibt, werde in diesen Tagen im Vorstand beraten.

Neben dem Friedensmarsch wird am Samstag die Frauenrechtlerin Seyran Ates in Berlin eine Moschee eröffnen, die sich ausdrücklich als liberal versteht. Sie rief "die schweigende Mehrheit der friedlichen Muslime" dazu auf, stärker gegen eine Radikalisierung im Islam vorzugehen. In einem Interview sagte sie: "Selbstverständlich hat es etwas mit dem Islam zu tun, wenn Menschen 'Allahu Akbar' rufen, während sie andere Menschen köpfen."

Dana Kim Hansen
(KNA, dpa)

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