Imam in einer Moschee
Imam in einer Moschee

18.10.2016

Ditib sucht neues Profil mit Imamen aus der Bundesrepublik Mehr Prediger mit Kennzeichen D

Der türkisch-muslimische Dachverband Ditib steht unter Druck. Mit einem neuen Ansatz soll nun Abhilfe geschaffen werden: Der Kritik an zu großer Staatsnähe versucht die Organisation mit mehr Imamen aus Deutschland zu begegnen.

Seit den sogenannten "Säuberungen" in der Türkei nach dem Putsch-Versuch im Juli steht die "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion", kurz Ditib, mehr denn je in der Kritik. So warnt der nordrhein-westfälische CDU-Vorsitzende Armin Laschet: Wer wie Ditib "von einer ausländischen Regierung abhängig ist", könne "nicht Partner im Religionsunterricht an deutschen Schulen sein". Der größte Migranten-Verband in Deutschland kündigt seinerseits an, mehr Imame aus Deutschland zu gewinnen.

Kritiker werfen Ditib Fremdsteuerung vor

Der Bundesvorsitzende des Migranten-Verbands ist tatsächlich immer ein Beauftragter der türkischen Botschaft. Und im religiösen Beirat des NRW-Schulministeriums sind zwei von acht Mitgliedern Ditib-Funktionäre. Ganz auf der Linie des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hetzten Ditib-Prediger wiederholt gegen die Gülen- oder Hizmet-Bewegung, auf die in Deutschland zahlreiche Privatschulen, Sprach- und Nachhilfe-Kurse zurückgehen. Auch Wissenschaftler wie die Frankfurter Uni-Professorin Susanne Schröter werfen der Ditib ein fremdgesteuertes und "undurchsichtiges Spiel" vor.

Auf diesem unangenehmen Hintergrund kündigt Ditib-Sprecher Zekeriya Altug, ein Physiker mit Doktorhut der Uni Kiel, eine geistige Wende an - eine Art "Eindeutschung" seines Verbandes. In zehn Jahren seien mindestens die Hälfte der Imame - also die geistlichen Vorsteher und Prediger der Moschee-Gemeinden - in Deutschland aufgewachsen und voll integriert, so Altug. Das müssten dann wenigstens 500 sein. Bisher werden doppelt so viele, so gut wie alle Ditib-Imame, als Staatsdiener aus der Türkei entsandt und bezahlt - meist auf fünf Jahre.

Absolventen deutscher Unis gegenüber künftig offen

Künftig, so Altug, werde sich Ditib auch Absolventen des islamischen Theologiestudiums an deutschen Unis gegenüber "offen zeigen". Das erscheint nach dem Krach um den Münsteraner Theologieprofessor Mouhanad Khorchide vor drei Jahren aber nur als lauwarmes Angebot.

Damals bezeichnete Ditib den Hochschullehrer als "nicht tragbar" und warnte: "Es ist nicht auszuschließen, dass Absolventen später in ihrem Berufsleben aufgrund ihres Studium benachteiligt werden."

Derzeit gibt es bundesweit rund 2.000 muslimische Theologiestudenten, überwiegend Frauen. Die ersten kamen im vorigen Herbst zum Abschluss, gut zwei Dutzend in Osnabrück. Doch können bei Ditib nur Männer Imame werden. Für Interessenten ist es dahin jedoch noch ein weiter Weg, wie Altug gegenüber der Katholischen Nachrichen-Agentur (KNA) erläutert: "Die Berufsausbildung ist nicht Aufgabe der Universitäten.

Als Ditib wäre es unsere Aufgabe, den Absolventen eine entsprechende Ausbildung im Bereich der Imam-Tätigkeit zu bieten", ähnlich den katholischen Priesterseminaren oder dem Vikariat in der evangelischen Kirche.

Problem der Besoldung deutscher Imame

Ein Anfang sind etwa vierwöchige Seminare zur "Praxis religiöser Dienste", die während der Semesterferien in der 2014 gegründeten Ditib-Akademie stattfinden. Ein Hauptproblem bleibt aber immer noch die Besoldung der neuen deutschen Imame. "Wir müssen uns langfristig nach Alternativen in der Finanzierung umschauen", sagt Altug. Bislang haben die Moschee-Gemeinden keine festen Mitgliederbeiträge. Den "Import-Imamen" im Dienst der türkischen Religionsbehörde müssen sie nur eine Wohnung stellen.

Dagegen sucht Ditib einheimischen Nachwuchs mit einem besonderen Stipendienprogramm zu gewinnen: Seit zehn Jahren schickt der Verband Abiturienten mit deutschem Pass auf einen "Internationalen Studiengang Islamische Theologie" in Istanbul und Ankara. Die insgesamt fünfjährige Ausbildung endet mit einem Hochschulabschluss und einer Prüfung vor der Religionsbehörde.

Der gebürtige Wuppertaler Eyüp Kalyon beispielsweise hat das geschafft und ist mit 26 Jahren nun Vize-Imam an der Zentralmoschee in Essen. Er ist der Mann für die Jugend und die Außenkontakte mit Behörden und Vereinen vor Ort. Wie er sind in zehn Jahren insgesamt 60 Deutsche hauptberuflich Imame geworden. Indes: Auch sie stehen allesamt im Sold und Dienst der Religionsattaches der türkischen Konsulate.

Hermann Horstkotte
(KNA)

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