Muslimische Pilger bei der Hadsch in Saudi-Arabien
Pilger kommen zur Hadsch

12.09.2016

Islamwissenschaftler zum Streit um den Hadsch "Machtgeplänkel zwischen Iran und den Saudis"

Das Opferfest Eid al-Adha gilt mit dem Fastenbrechen nach Ramadan zu den wichtigsten islamischen Feiern. Der Islamwissenschaftler Abdul-Ahmad Rashid blickt auf den Streit um die diesjährige Pilgerfahrt nach Mekka.

domradio.de: Warum ist dieses Fest so wichtig für die Muslime?

Abdul-Ahmad Rashid (Journalist, Islamwissenschaftler und Muslim): Im Islam gibt es nur zwei große Feste, das heutige Opferfest, das jetzt vier Tage lang gefeiert wird und das Fest des Fastenbrechens am Ende des Fastenmonats Ramadan, das drei Tage lang gefeiert wird. Das Opferfest wird das "große Fest" und das Fastenbrechen das "kleine Fest" genannt. Der islamische Festkalender ist also überschaubar. Das Opferfest ist der Höhepunkt der muslimischen Pilgerfahrt. Diese ist eine der fünf Säulen des Islams, die muss jeder mündige Muslim in seinem Leben durchführen, der auch finanziell in der Lage ist. Zu den Riten dieser Pilgerfahrt gehört das Opfertier, meistens ein Schaf, in Anlehnung an das Opfer, das Abraham im Koran und auch in der Bibel Gott geliefert hat. Abraham sollte als Prüfung Gottes zuerst seinen Sohn opfern, er wollte es tun und da hat Gott dieses Opfer erlassen. Und Abraham durfte dieses Tier opfern. In Erinnerung an diese Prüfung Abrahams und an die göttliche Gnade zelebrieren Muslime millionenfach heute dieses Opfer.

Es gibt natürlich noch andere Traditionen und Riten, die damit verbunden sind.

domradio.de: Warum werden denn iranische Pilger von der Wallfahrt ausgeschlossen?

Rashid: Das ist ein Missverständnis. Die iranischen Pilger wurden nicht ausgeschlossen, sondern der Iran hat im Juni selber die Pilgerfahrt nach Mekka abgesagt. Die Saudis hatten nach der Massenpanik im vorigen Jahr, bei der zum größten Teil schiitische Pilger aus dem Iran getötet wurden, das Sicherheitskonzept überarbeitet, sie versuchen seit Jahren, die Sicherheit in Mekka zu verbessern. Das ist eine Stadt von der Größe von Mainz, wo drei bis vier Millionen Menschen gleichzeitig auftauchen. Es ist sehr, sehr voll.

Es gab dann gegenseitige Vorwürfe, der Iran hat sich geweigert, das neue Sicherheitskonzept zu unterschreiben und hat dann verkündet, dass die iranischen Pilger nicht teilnehmen werden. Es kam dann zu weiteren Streitigkeiten. Von saudischer Seite aus hat man die Lage insofern verschärft, als ein saudischer Geistlicher sagte, schiitische Muslime seien gar keine Muslime. Der oberste Geistliche Führer des Irans hat darauf reagiert und wiederum die saudische Regierung mit drastischen Worten verurteilt. Das ist ein Machtgeplänkel und ein Stellvertreterkrieg, den wir sehen im Nahen Osten, der sich auch im Syrienkrieg zeigt. Es geht um die Vorherrschaft in der Region: Saudi Arabien oder der Iran.

domradio.de: Was bedeutet das aber für die Gläubigen?

Rashid: Manche Menschen sparen ihr ganzes Leben lang, um diese Pilgerfahrt machen zu können. Das ist für sie der Höhepunkt des religiösen Lebens und sie sind natürlich enttäuscht und frustriert, das nicht machen zu können. Es ist auch ein Ausgrenzungskurs seitens Saudi Arabiens als hohe Autorität im sunnitischen Islam und als Hüter der beiden heiligen Stätten Medina und Mekka. Wenn nun Saudi Arabien schiitische Muslime als Nichtmuslime bezeichnet, hat das natürlich einen ganz schlechten Einfluss auf die Muslime dieser Welt. Das ist ein absolutes Unding. Man kann nicht andere Muslime als Nichtmuslime bezeichnen, nur weil sie eine andere Konfession haben.

Das Interview führte Sylvia Ochlast.

(DR)

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