Christenverfolgung im Nahen Osten
Im Nahen Osten sind Kirchen häufig Ziel von Anschlägen
Zerstörter Altar in Syrien
Zerstörter Altar in Syrien

26.07.2016

Islamisten machen vor Gotteshäusern nicht Halt Kirchen als neues Terrorziel in Europa

Die tödliche Geiselnahme in einer Kirche in Frankreich hat Entsetzen ausgelöst. Der islamistische Terror hat damit offenbar auch Christen in Europa ins Visier genommen - was in Nahost längst an der Tagesordnung ist.

Islamistische Terroristen haben offenbar erstmals in Europa die katholische Kirche mit einem Anschlag ins Visier genommen. Die Geiselnahme und die brutale Ermordung eines Priesters in einer Kirche in Nordfrankreich am Dienstagvormittag lösten weltweit Entsetzen aus. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) betonte: "Der fanatische, mörderische Hass macht jetzt noch nicht einmal Halt vor Gotteshäusern und Gläubigen."

Die grausame Bluttat hat die Diözese der betroffenen Gemeinde in Saint-Etienne-du-Rouvray und die gesamte Weltkirche in eine Art Schockzustand versetzt. Der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, beschrieb gegenüber France TV Info die Unfassbarkeit des Anschlags mit den Worten: "Wir haben nicht geträumt, sondern wir sind in der Realität." Dann machte er sich von Krakau, wo er eigentlich am katholischen Weltjugendtag teilnehmen wollte, auf den Weg nach Frankreich.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, betonte in Bonn: "Gläubige, zum Gottesdienst in einer Kirche versammelt, wurden zum Opfer einer schrecklichen Gewalttat." Hier solle Hass zwischen den Religionen geschürt werden. "Dem werden wir widerstehen", kündigte der Kardinal an.

Islamistische Parolen

Papst Franziskus zeigte sich "zutiefst erschüttert darüber, dass dieser Akt der Gewalt in einer Kirche während eines Gottesdienstes stattfand, einer liturgischen Handlung, die den Frieden von Gott erbittet". Der Papst wurde auch über die "barbarische Tötung" des Geistlichen informiert. Dem 84-jährigen Priester Jacques Hamel wurde bei der Geiselnahme die Kehle durchgeschnitten.

Eine Frau, die entkam und die Polizei benachrichtigte, berichtete, die Täter hätten bei der Stürmung der Kirche islamistische Parolen gerufen. Frankreichs Präsident Francois Hollande sprach von Verbindungen der Täter zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), ohne Details zu nennen. Laut Medienberichten hat der IS die Verantwortung für den tödlichen Anschlag übernommen. Die dem IS nahestehende Agentur Amaq habe erklärt, zwei "Soldaten" der Terrorgruppe hätten den Angriff begangen.

Nach Angaben der britischen Zeitung "The Sun" stand die katholische Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray auf einer "Ziel-Liste", die bei dem im April 2015 in Paris festgenommenen mutmaßlichen IS-Terroristen Sid Ahmed Ghlam gefunden worden sei. Diese Kirche sei "eine von mehreren katholischen Kirchen", die von der Terrorgruppe für Anschläge ausgesucht wurde, schreibt die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe (Dienstag).

Auch vorher wollten Islamisten offenbar schon gegen Kirchen in Frankreich zuschlagen. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete am 22. April 2015, dass die französischen Sicherheitsbehörden "eher zufällig" ein geplantes Attentat auf zwei katholische Kirchen in Villejuif im Süden von Paris vereitelt hätten. Dies habe Premierminister Manuel Valls bestätigt. Die Kirchen Saint Cyr und Sainte Therese in dem Vorort südlich der Hauptstadt sollten vermutlich während der Sonntagsmesse angegriffen werden, hieß es.

"Wir erobern Rom"

Dass islamistische Terroristen der Katholischen Kirche drohen, ist nichts Neues. "Wir erobern Rom", hat die Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) wiederholt verkündet. IS-Chefideologe Abu Bakr al-Bagdadi betonte, dies werde "mit Allahs Segen" geschehen. Das Magazin "Dabiq", das als Art Werbezeitschrift des IS gilt, zeigte eine Fotomontage, in der die schwarze Flagge des IS über dem Vatikan weht. Die Religion der westlichen "Kreuzzügler" würde aus Sicht des IS damit ins Herz getroffen.

Hohe Vatikan-Vertreter hatten in der Vergangenheit den militärischen Kampf der internationalen Gemeinschaft gegen die Terroristen als letztes Mittel gutgeheißen. Auch Äußerungen von Papst Franziskus wurden vielfach so interpretiert.

Außerhalb Europas sind Kirche und Christen schon lange im Visier der islamistischen Terrormiliz. Im März 2016 beschuldigte US-Außenminister John Kerry den "Islamischen Staat" wegen Verbrechen an Christen und anderen Minderheiten im Mittleren Osten des Völkermords. In Syrien hat der IS nicht nur damit Aufsehen erregt, dass "Ungläubige" geköpft wurden. In mehreren Fällen ließen die Terroristen christliche "Feinde des Islam" demonstrativ kreuzigen.

 

Norbert Demuth
(KNA)

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