Muslime engagieren sich in der Pflege
Muslime engagieren sich in der Pflege

30.06.2016

Muslime in Bremen planen bundesweit ersten Wohlfahrtsverband Unabhängig und selbstverantwortlich

Die Muslime in Bremen wollen bis zum Jahresende den bundesweit ersten islamischen Wohlfahrtsverband gründen. Man wolle die bereits in den Gemeinden bestehende Sozialarbeit professionalisieren und organisieren.

Das sagte der Vorsitzende des Landesverbandes Schura in Bremen, Mustafa Yavuz, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Schura ist einer von vier muslimischen Dachverbänden in der Hansestadt. Der muslimische Sozialexperte Samy Charchira aus Düsseldorf begrüte die Initiative der muslimischen Verbände in Bremen und empfahl sie zur Nachahmung.

"Es ist an der Zeit, dass auch die mittlerweile rund 4,7 Millionen Muslime in Deutschland eine echte Wahlfreiheit haben, wenn sie soziale Dienstleistungen in Anspruch nehmen wollen", sagte Charchira. Der Sozialpädagoge ist Sachverständiger für islamische Wohlfahrt bei der Deutschen Islamkonferenz.

Unabhängig und selbstverantwortlich

Der neue Verband in Bremen solle unabhängig und selbstverantwortlich in Trägerschaft der muslimischen Gemeinschaften arbeiten, betonte Yavuz. Als gemeinnützig anerkannter Verein könnte ein muslimischer Wohlfahrtsverband öffentliche Fördermittel beantragen, er wäre ein rechtlicher Träger von sozialer Arbeit wie etwa das Deutsche Rote Kreuz, die Arbeiterwohlfahrt oder die kirchlichen Hilfswerke Diakonie und Caritas.

Muslimisches Pilotprojekt

Bremen biete sich für ein "muslimisches Pilotprojekt" an, sagte Yavuz. In der Stadt lebten zwischen 50.000 und 60.000 Muslime, da sei die Situation überschaubar. Allerdings wollen sich zunächst nur zwei der vier in Bremen vertretenen muslimischen Gemeinschaften dem Verband anschließen. Der Vorsitzende der türkisch-islamischen Union Ditib, Yilmaz Kilic, verwies auf entsprechende Pläne seines Bundesverbandes zur Gründung eines Wohlfahrtsverbands. "Wir wollen diese Entwicklung abwarten und halten uns deshalb im Land Bremen erst einmal zurück."

Verschiedene Betätigungsfelder

Yavuz zufolge will sich der neue Wohlfahrtsverband vor allem in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen engagieren. Außerdem könnten die bereits laufende Flüchtlingsarbeit und die Präventionsarbeit zum Schutz der Jugend vor Radikalisierung über einen Wohlfahrtsverband organisiert werden. Auch die Gefängnisseelsorge für Muslime könnte unter das Dach des neuen Verbandes kommen. "Der Bedarf ist da", sagte der Vorsitzende. "Wir brauchen jetzt Leuchtturmprojekte, die Impulse für weitere Gründungen geben", sagte Charchira. Denn in der Islamkonferenz sei das Thema "Islamische Wohlfahrtspflege" ins Stocken geraten.

(epd)

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