Kölner Theologe widerspricht AfD-Aussagen zum Islam

"Der Islam passt zu Deutschland"

Die rechtspopulistische Partei AfD hat mit ihren Aussagen zum Islam für Aufregung gesorgt. Ihrer Meinung nach ist diese Religion mit dem Grundgesetz nicht vereinbar. Dem widerspricht Prof. Freise von der KatHO im domradio.de-Interview.

Die Zentralmoschee in Köln / © Rolf Vennenbernd (dpa)
Die Zentralmoschee in Köln / © Rolf Vennenbernd ( dpa )

domradio.de: Passt der Islam zu Deutschland oder nicht?

Prof. Dr. Josef Freise (Katholische Hochschule NRW in Köln):  Der Islam passt zu Deutschland, und die vielen muslimischen Gläubigen, die hier in Deutschland leben, sehen das so und wollen auch hier integriert sein. Was nicht zu Deutschland passt, ist der Islamismus, das ist eine fanatische Form des Islam, eine undemokratische Ideologie, das passt nicht. Was aber schlimm ist, wenn bösartig Islam und Islamismus einfach gleichgesetzt werden. Das ist ein Feindbilddenken.

domradio.de: Profitieren Christen davon, wenn noch andere Religionen in Deutschland aktiv sind?

Prof. Freise: Ich meine, ja. Wir leben in einer Zeit der Globalisierung und wir lernen jetzt auch noch mal eine andere wichtige Form des Christseins deutlich kennen, nämlich die Vielfalt wertzuschätzen. Und da können wir uns auf Jesus Christus berufen, der jeden Menschen ernstgenommen hat, der alle Grenzen überschritten hat, der auf den römischen Hauptmann zugegangen ist, der die Samariter als Vorbild für die Juden dargestellt hat, der die Aussätzigen nahe an sich herangelassen hat - Also Menschen, die ausgegrenzt wurden. Wir können jetzt lernen, dass wir jede Form von Ausgrenzung überwinden und die Botschaft des Christentums, die universale Liebe, die keine Grenzen kennt, hier jetzt auch in der Gemeinschaft mit Muslimen, anderen Andersgläubigen und auch nichtreligiösen Menschen leben können. 

domradio.de: Das fällt einigen Christen aber schwer, es gibt Ängste um die christlichen Werte. Was würden Sie diesen Menschen sagen?

Prof. Freise: Habt keine Angst! Sucht die Begegnung. Die Erfahrung ist die, dass Menschen, die keinen Kontakt zu Muslimen haben, die größte Angst vor Muslimen haben. Sobald man Freundschaft mit Menschen geschlossen hat, die muslimischen Glaubens sind, verändert sich das. Natürlich gibt es auch in der islamischen Gemeinschaft eng denkende Menschen, so wie es sie unter Christen auch gibt. Menschen, die Religion mehr als eine Gesetzesform sehen, hinsichtlich dem, was erlaubt und verboten ist, und die sich strikt nach dieser Form richten. So, wie ich das als Kind in der vorkonziliaren Kirche auch kennengelernt habe. Nach dem Motto: "Wenn du Sonntag nicht in die Kirche gehst, kommst du in die Hölle". Das ist eine Form von Religiosität, die wir überwinden müssen und die auch einige Muslime bei uns überwinden müssen. Gegen eine solche Form des Islam gibt es hier dann Vorbehalte, und das kann ich auch nachvollziehen. Aber viele Muslime in Deutschland leben ihren Glauben in einer Volksfrömmigkeit, der auch für einen Austausch gut ist. Ich würde Kirchengemeinden dazu ermutigen, am Tag der offenen Moschee am 3. Oktober in die Moscheen zu gehen und auch Muslime zu Pfarrfesten einzuladen.

domradio.de: Papst Benedikt hatte in seiner Rede an der Universität Regensburg 2006 einen Satz des byzantinischen Kaisers Manuel II. über die Gewalttätigkeit des Islam zitiert. Franziskus hat nun 12 muslimischen Flüchtlingen Unterschlupf im Vatikan gewährt. Ist das ein andere Umgang mit dem Islam?

Prof. Freise: Das ist richtig. Papst em. Benedikt XVI. ist ein profilierter katholischer Theologe, der das Spezifische des Katholizismus hervorhebt, manchmal dann eben auch in trennscharfer Abgrenzung gegenüber anderen. Papst Franziskus ist jemand, der ohne irgendeinen Vorbehalt auf alle Menschen zugeht, der an die Ränder der Gesellschaft geht, der das Gemeinsame sucht, der auch sagt, selbst mit einem nichtgläubigen Menschen könne er noch in den Himmel schauen und Gott suchen und ein gemeinsames Gebet sprechen. Er hat überhaupt keine Angst, auf Andersgläubige zuzugehen.

domradio.de: Was ist aus dem Blickwinkel des interreligiösen Dialoges das Gemeinsame, das uns mit unseren andersgläubigen Mitmenschen verbindet?

Prof. Freise: Das Gemeinsame ist die Orientierung am göttlichen Geheimnis, dass wir auf der Suche nach unserem wahren Menschsein und nach der Fülle des Lebens sind, die uns Jesus Christus vorgelebt und erläutert hat. Das können wir mit Menschen jedweder Religion und Weltanschauung tun.

Das Interview führte Verena Tröster


Zentralmoschee in Köln (dpa)
Zentralmoschee in Köln / ( dpa )
Quelle:
DR