07.05.2013

NRW-Schulministerium prüft Materialien aus Ankara Streit um türkische Schulbücher

An nordrhein-westfälischen Schulen werden im muttersprachlichen Unterricht für türkische Schüler offenbar umstrittene Unterrichtsbücher aus deren Heimatland verwandt.

Das NRW-Schulministerium prüfe derzeit, ob die vom türkischen Erziehungsministerium herausgegebenen Lehrbücher "nationalistisch und diskriminierend" seien, erklärte Sprecherin Barbara Löcherbach am Montag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das Ministerium nehme diese Vorwürfe "sehr ernst" und gehe ihnen nach. Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) soll sich am kommenden Mittwoch im Schulausschuss des Düsseldorfer Landtags auf Antrag der CDU-Opposition zu den Vorgängen äußern.

Zuvor hatte die Gewerkschaft Erziehung und Bildung (GEW) kritisiert, dass über die türkischen Konsulate in NRW kostenlos Unterrichtsmaterialien verteilt würden, in denen beispielsweise die Unterordnung des Einzelnen unter den Staat verlangt werde. Zudem würden in den Büchern geschichtliche Zusammenhange falsch dargestellt und "Volksgruppen in der Türkei diskriminiert". Die türkischen Auslandsvertretungen versuchten durch eigenes Unterrichtsmaterial nicht nur "Einfluss auf den deutschen Schulunterricht" zu nehmen, beklagte die Lehrer-Gewerkschaft GEW. Vielmehr verstünden sie sich auch als "parallele Schulaufsichtsbehörden".

Dagegen verteidigte das türkische Konsulat in Düsseldorf den Vertrieb des Schulbuchs "Türkce ve türk Kültürü" (Türkisch und die türkische Kultur), das in vier Bänden für unterschiedliche Alters- und Klassenstufen herausgegeben wird. Nach dem Optionsmodell entscheide sich ein Teil der jungen Menschen im Alter zwischen 18 und 23 Jahren für die türkische Staatsbürgerschaft und verliere damit nach deutschem Recht "bedauerlicherweise" die deutsche Staatsbürgerschaft, erklärte Vizekonsul Hüseyin Emrah Kurt. Deshalb sei es "ihr natürliches Recht" im muttersprachlichen Unterricht "ihre Kultur und Sprache kennenzulernen". Zudem erhalte gegenwärtig nur ein kleiner Teil der bundesweit 900.000 muslimischen Schüler islamischen Religionsunterricht. Deshalb enthielten die türkischen Lehrbücher auch "kurze Abschnitte über Religion".

Nicht auf der Liste der zugelassenen Schulbücher

Das Unterrichtsmaterial wird nach Darstellung des türkischen Konsulats an die Lehrer verteilt, die im Unterrichtsfach "Türkisch und türkische Kultur" an deutschen Schulen eingesetzt würden. Dieses Unterrichtsfach sei in der Primarstufe freiwillig und fließe nicht in die Benotung ein. Die Schulbücher würden am Jahresende wieder eingesammelt und den Referaten für Schulwesen in der Türkei ausgehändigt. "Selbstverständlich" seien die Behörden in NRW über die Ausgabe der Lehrbücher "in Kenntnis gesetzt worden", versichert Vizekonsul Kurt.

Dem widersprach das NRW-Schulministerium energisch. Das Ministerium habe erst durch Presseberichte vom Versand der Schulbücher erfahren, erklärte dessen Sprecherin Löcherbach. Die Bücherreihe des türkischen Schulministeriums stehe nicht auf der Liste der rund 200 zugelassenen Schulbücher für herkunftssprachlichen Türkisch-Unterricht. Offiziell habe das NRW-Schulministerium die Bücher bis heute nicht erhalten.

Inzwischen liege jedoch ein Band vor. Eine erste kursorische Prüfung habe "keinen Hinweis auf nationalistische, diskriminierende oder geschichtsverfälschende Inhalte" ergeben, betonte Löcherbach. Die GEW sei vom Ministerium aufgefordert worden, "die konkreten kritikwürdigen Stellen" in den Unterrichtsbüchern zu benennen. Für das Schulministerium sei "der Vorgang noch nicht erledigt".

Auch die CDU-Opposition im Düsseldorfer Landtag verlangt weitere Aufklärung. Schulen seien dem Neutralitätsgebot verpflichtet und dürften "nicht instrumentalisiert" werden, erklärte die schulpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Petra Vogt. "Weder religiöse Organisationen noch Institutionen anderer Staaten dürfen ihre weltanschaulichen Vorstellungen ungeschützt über die Schulen verbreiten."

 

Johannes Nitschmann
(KNA)

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