Bischof Paul Hinder
Paul Hinder OFM

31.03.2019

Bischof für Südarabien: Echter Dialog mit islamischer Seite "In Demut vertrauen schaffen"

Angstlosigkeit und Gewaltlosigkeit, das brauche es im interreligiösen Dialog, erklärte Bischof Paul Hinder auf dem Empfang der Deutschen Bischofskonferenz mit den Partnern im christlich-islamischen Dialog in Frankfurt. 

Der katholische Bischof für Südarabien, der Schweizer Bischof Paul Hinder, fordert Christen und Muslime zu einem vertieften Verständnis der jeweils anderen Glaubenspraxis auf.

"Dialog zwischen den Religionen läuft nicht nach dem Prinzip der Konsumgesellschaft: Alles sofort möglichst billig!", sagte Hinder beim Empfang der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) mit den Partnern im christlich-islamischen Dialog in Deutschland am Freitag in Frankfurt.

Vielmehr gehe es darum, sich anderen in Ehrfurcht und ohne Überheblichkeit zu nähern. "Ich selber habe in fünfzehn Jahren meines Wirkens auf der arabischen Halbinsel gelernt - lernen müssen! - was es heißt, in Geduld und Demut Brücken zu bauen und gegenseitiges Vertrauen zu schaffen."

Das Apostolische Vikariat Arabien umfasst derzeit sechs Länder mit rund 2,1 Millionen Katholiken: die Vereinigten Arabischen Emirate, Jemen, Oman, Katar, Bahrain und Saudi-Arabien. Bischof ist seit 2005 der Kapuzinerpater Hinder (76). Er hat seinen Sitz in Abu Dhabi.

Bischof Hinder verteidigt islamisch-katholische Erklärung

Anfang Februar hatte Papst Franziskus als erster Papst die Arabische Halbinsel besucht. Die vom Papst und dem Großimam der Kairoer Al-Azhar Universität, Ahmad Al-Tayyeb, unterzeichnete islamisch-katholische Erklärung über "Menschliche Geschwisterlichkeit" war teils auf Kritik gestoßen.

Der Bischof verteidigte das Dokument, auch wenn es "nicht perfekt" sei. Er räumte auch ein, dass es zwischen Christentum und Islam Unterschiede gebe.

Zugleich betonte der Kapuzinerpater: "Es verbindet uns aber der Glaube, dass wir Geschöpfe des einen Gottes sind. Ihm verdanken wir unsere Existenz." Hinder erinnerte an die Begegnung des heiligen Franz von Assisi mit Sultan Al-Kamil Muhammad al-Malik vor

800 Jahren in Ägypten, der von seinen Mitbrüdern verlangt habe, weder untereinander noch mit anderen Zank und Streit anzufangen, sondern "sich schlicht als Christen" zu bekennen.

"Dialog ist keine akademische Alibi-Übung, sondern gelebte Realität"

Hinder forderte, den Worten des Papstes nun Taten folgen zu lassen.

"Das Dokument macht bemerkenswerte Aussagen, die - sofern sie nicht toter Buchstabe bleiben - weitreichende Konsequenzen haben." Er hoffe, dass "echte Fortschritte" erzielt werden, zumal gegenwärtig Menschen unter mangelndem Verständnis und Intoleranz litten.

"Solange es hüben und drüben Menschen gibt, die sich ohne Angst gewaltlos in den Dienst der anderen stellen, behalten Worte wie 'Toleranz und Liebe' ihre Kraft", so Hinder. "Dialog ist dann kein leeres Wort oder eine akademische Alibi-Übung, sondern gelebte Realität vor Ort."

Der für den interreligiösen Dialog der DBK zuständige Limburger Bischof Georg Bätzing verwies auf den Anlass des Treffens, das am 25. März begangene Hochfest "Verkündigung des Herrn". Dieses erinnert an die Ankündigung durch den Engel Gabriel, dass Maria den Sohn Gottes empfangen werde.

"Wir Christen sehen in Maria auch deshalb das Urbild unserer Kirche. Zugleich wissen wir, welch große Bedeutung Maria auch für unsere muslimischen Partner hat", so Bätzing vor rund 90 Gästen.

(KNA)

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