Haben sich überworfen: Kyrill I. (l.) und Barholomaios I.
Haben sich überworfen: Kyrill I. (l.) und Barholomaios I.

10.12.2018

​Moskauer Patriarch verurteilt Kirchengründung in der Ukraine "Wir glauben, dass die orthodoxe Kirche bestehen bleibt"

Der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. hat die für Samstag geplante Gründung einer eigenständigen ukrainisch-orthdoxen Landeskirche verurteilt. "Man darf das nicht zulassen», sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntag in Ljublino bei Moskau.

Wie die Nachrichtenagentur Interfax berichtet, warf der Patriarch den Anhängern der "sogenannten unabhängigen Kirche" vor, bereit zu sein, ihre Ziele mit Gewalt zu verfolgen und "das Leben anderer Menschen zugrunde zu richten". Mit der Kirchengründung soll das orthodoxe Moskauer Patriarchat die kirchliche Hoheit über die Ukraine verlieren und die Teilung der orthodoxen Kirche in dem Land überwunden werden.

Das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, hat die Bischöfe aller drei orthodoxen Kirchen der Ukraine für Samstag zum Vereinigungskonzil in der Kiewer Sophienkirche eingeladen. Das Konzil soll das Kirchenstatut beschließen und ein Kirchenoberhaupt wählen, das anschließend von Bartholomaios I. die Bulle (Tomos) über die Verleihung der kirchlichen Eigenständigkeit (Autokephalie) erhalten soll.

Warnung vor "schismatischen Gruppen"

Dagegen zeigte sich Kyrill I. zuversichtlich, dass "die böse und kriegerische Rhetorik" keinen Erfolg haben werde: "Wir glauben, dass die orthodoxe Kirche bestehen bleibt", so der russische Patriarch. Keinesfalls dürften "schismatische Gruppen" die Gläubigen von Gott trennen.

Nur eine der drei großen orthodoxen Kirchen der Ukraine untersteht dem Moskauer Patriarchat. Die anderen beiden haben sich von Moskau bereits 1921 beziehungsweise 1992 abgespalten und lehnen eine Unterordnung unter Russland strickt ab. Die große Mehrheit der 90 Bischöfe der moskautreuen ukrainischen Kirche will dem Konzil fernbleiben. Sie betrachten die Bischöfe der beiden anderen Kirchen als Schismatiker und werfen Konstantinopel eine unzulässige Parteinahme für sie vor.

Kirchenspaltung droht

Aus Protest gegen die von Konstantinopel betriebene Kirchengründung in der Ukraine stellte die russische Kirche ihre Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Patriarchat ein. Zudem verbot sie ihren Gläubigen die Teilnahme an Gottesdiensten in dessen Kirchen. Damit droht der orthodoxen Kirche die Spaltung. Die anderen orthodoxen Landeskirchen drängten bislang ohne Erfolg auf eine Einigung zwischen den Patriarchaten von Konstantinopel und Moskau.

(KNA)

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