Elf Tote bei schwerster Attacke auf Juden in den USA

Täter einschlägig bekannnt

Nach dem Massaker in der "Tree of Life"-Synagoge von Pittsburgh stehen die jüdischen Gemeinden in den USA unter Schock. Mit elf Toten und sechs Verletzten ist es der schwerste Angriff auf Juden in den USA überhaupt.

Autor/in:
Bernd Tenhage
Bewaffnete Sicherheitskräfte überprüfen mögliche Eingänge zur Tree of Life Synagoge / © Alexandra Wimley (dpa)
Bewaffnete Sicherheitskräfte überprüfen mögliche Eingänge zur Tree of Life Synagoge / © Alexandra Wimley ( dpa )

Der 46-jährige Tatverdächtige Robert B. stürmte mit einem Schnellfeuergewehr der Baureihe AK-47 und mehreren Pistolen in die Synagoge in Pittsburgh. Er brüllte "Alle Juden müssen sterben" und begann wahllos auf die Teilnehmer einer "Bris-Zermonie", der Feier eines neugeborenen Kindes, zu feuern. Zwei weitere Gruppen hatten sich in anderen Räumen der Synagoge zu Gottesdiensten versammelt.

Unter den Verletzten sind auch vier Polizeibeamte, die den Angreifer nicht stoppen konnten. Erst Spezialkräfte konnten den mutmaßlich rechtsgerichteten Täter nach rund 20 Minuten aufhalten. Er wird in einem Krankenhaus behandelt und befindet sich außer Lebensgefahr.

"Der schrecklichste Tatort", den Spezialagent Robert Jones gesehen habe

Der für die FBI-Ermittlungen zuständige Spezialagent Robert Jones sagte, in 22 Dienstjahren sei dies "der schrecklichste Tatort", den er gesehen habe. Die Bundespolizei ermittelt wegen eines Hassverbrechens. Justizminister Jeff Sessions sagte, am Ende könnte die Todesstrafe gegen den mutmaßlichen Täter gefordert werden. "Hass und Gewalt auf der Basis von Religion dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben."

US-Präsident Donald Trump lehnte es ab, wegen der Tat eine Wahlkampfkundgebung in Illinois abzusagen. Dort distanzierte er sich wie bereits zuvor in einer kurzen Stellungnahme. "Die Plage des Antisemitismus darf nicht ignoriert, darf nicht toleriert und darf nicht erlaubt fortgesetzt zu werden." Trump regte an, Kirchen und Synagogen von bewaffneten Wachen schützen zu lassen.

Solidaritätsbekundungen der katholischen Kirche

Der Vorsitzende der katholischen US-Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo, solidarisierte sich unterdessen mit den Opfern und den jüdischen Gemeinden. "Wir stehen mit unseren Brüdern und Schwestern zusammen", erklärte er. Alle Handlungen von Gewalt und Hass seien zu verurteilen, und: "Wir fordern einmal mehr alle öffentlichen Mandatsträger auf, die Plage der Waffengewalt anzugehen." Pittsburghs Bischof David Zubik erklärte, "antisemitische Bigotterie und jede religiöse und ethnische Bigotterie" seien "fürchterliche Sünden".

Der Anschlag auf die jüdische Gemeinde kommt nur wenige Tage nach einer Serie versuchter Briefbombenanschläge gegen die Führer des liberalen Amerika. Am Freitag hatte das FBI einen fanatischen Trump-Anhänger festgenommen, der in dringendem Verdacht steht, mindestens 14 Rohrbomben an Barack Obama, Hillary Clinton und andere führende Demokraten verschickt zu haben. Unter den Empfängern fand sich auch der jüdische Milliardär George Soros, der von Trump regelmäßig verbal attackiert wird. Zuletzt verdächtigten ihn rechte Netzwerke, den jüngsten Flüchtlingstreck Richtung Mittelamerika organisiert zu haben.

Der US-Präsident und Verdächtigungen

Der US-Präsident hat Agitation gegen Flüchtlinge ins Zentrum seines Wahlkampfschlussspurts um die Zwischenwahlen zum Kongress gestellt. Unter anderen deutet er an, unter den Familien, die vor Gewalt in Honduras, Guatemala und El Salvador fliehen, befänden sich "gefährliche Elemente" aus dem Nahen Osten. Solche Verdächtigungen stoßen selbst bei konservativen Kommentatoren wie Charlie Sykes auf Kritik. Trump setzte völlig falsche Prioritäten, so Sykes. "Vielleicht ist die größte Gefahr nicht eine Karawane, die 1.000 Kilometer weit weg ist. Vielleicht ist sie schon bei uns."

Der Tatverdächtige von Pittsburgh ist in den Sozialen Netzwerken weißer Nationalisten gut bekannt. Kurz vor der Tat wütete er gegen eine Willkommensaktion der jüdischen Hilfeorganisation HIAS für Flüchtlinge. Robert B. schrieb, er werde nicht untätig zusehen, wie HIAS Invasoren ins Land bringe. "Ich werde nicht zusehen, wie unsere Leute abgeschlachtet werden. Stellt eure Optik scharf. Ich gehe rein." Am späten Samstagabend erhob die Bundesanwaltschaft von Pennsylvania Anklage in 29 Punkten.


Quelle:
KNA