Zentralmoschee Köln
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Hannelore Bartscherer
Hannelore Bartscherer
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet

20.09.2018

Warum Ditib in Köln derzeit Aufmerksamkeit auf sich zieht Moschee-Eröffnung, Erdogan und der "Tag der Religionen"

Die Kölner Ditib-Zentralmoschee ist fertig, auch gestützt vom Moscheebeirat mit Kirchenvertretern. Erdogan soll sie nun eröffnen. Doch Ditib steht zunehmend in der Kritik – richtet aber den Kölner "Tag der Religionen" aus. Etwas undurchsichtig...

DOMRADIO.DE: Da müssen wir einiges erklären und auseinanderknoten. Fangen wir beim Moscheebeirat an. Sie sagen, der soll aufgelöst werden. Warum?

Hannelore Bartscherer (Ehemalige Kölner Katholikenausschuss-Vorsitzende): Das ist eine etwas missverständliche Aussage. Der Moscheebeirat wurde auf Bitten der Türkisch-Islamischen Union, kurz Ditib, gegründet. Der Verband bemühte sich damit um mehr Akzeptanz für ihr Bauvorhaben und wollte die Öffentlichkeit in die Planung des Baus mit einbinden.

DOMRADIO.DE: Quasi als Brücke zwischen Ditib und der Bevölkerung. In dem 34-köpfigen Beirat haben Vertreter aus Politik, der Stadtverwaltung, der Synagogengemeinde, Kirchen und Gewerkschaften mitgewirkt. Und Sie waren als Vorsitzende des Katholikenausschusses auch dabei…

Bartscherer: Das haben wir als Beirat auch gerne gemacht. Und ich finde auch, wir haben es erfolgreich gemacht. Es ist ein wunderschöner Moscheebau entstanden. Ich finde, es ist ein architektonisches Highlight für Köln. Das ist aber jetzt vollendet und vorbei. Und jetzt müsste, denke ich, etwas Neues kommen. Und dafür möchte ich mich stark machen.

DOMRADIO.DE: Genau das Neue könnte zum Beispiel ein Dialogforum in Köln sein, oder?

Bartscherer: Richtig. Denn ich glaube, dass wir nach wie vor den Dialog mit allen Kräften dieser Stadt brauchen. Das könnte jetzt mal neu aufgestellt werden. Auch mit dem Bewusstsein: Wir haben ganz erfolgreich in Ehrenfeld diese wunderschöne Moschee realisieren können. Jetzt geht es um andere Fragen.

DOMRADIO.DE: Welche?

Bartscherer: Es geht darum, wie geht gedeihliches Miteinander in Köln? Wie geht ein gutes Miteinander mit ganz unterschiedlichen Gruppierungen dieser Stadt? Wie bündeln wir Anstrengungen für Köln und wie kann das in einen Prozess münden, der allen dient? Das könnte ein Dialogforum sein, was beispielsweise in Ehrenfeld angesiedelt wäre.

DOMRADIO.DE: Während gerade über den geplanten Köln-Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan zur Eröffnung der Moschee diskutiert wird, lässt die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker am heutigen Donnerstag die Ditib ein Fest im Rathaus ausrichten. Es könnte nicht ungünstiger sein. Die Ditib lädt am "Tag der Religionen" ein, was viel Kritik hervorruft. Denn der Verband ist der Religionsbehörde der türkischen Regierung unterstellt.

Bartscherer: Dazu muss man erwähnen, dass der "Tag der Religionen" vom Rat der Religionen ausgerichtet wird. Und der hat mit dem Moscheebeirat nichts zu tun. Das möchte ich nochmal ganz klar trennen.

DOMRADIO.DE: Um das kurz zu erläutern: Im Kölner Rat der Religionen haben sich Religionsgemeinschaften und Organisationen, die sich für die Förderung des interreligiösen Dialogs und das friedliche, gleichberechtigte Miteinander aller Kölnerinnen und Kölner einsetzen, zusammengetan. Auch hier waren Sie als Vorsitzende des Katholikenausschusses mit dabei. Jetzt noch mal zurück zum "Tag der Religionen". Das heißt der Rat hat entschieden, dass Ditib zum Fest einladen kann?

Bartscherer: Der Rat der Religionen entscheidet jedes Jahr, wer einen "Tag der Religion" ausrichtet. Ich erinnere mich auch, dass ich Anfang des Jahres, als ich als Katholikenratsvorsitzende noch zum Rat der Religionen gehörte, diese Entscheidung mitgetragen habe. Das hatte ich schon fast vergessen.

DOMRADIO.DE: Eine Entscheidung für einen Verband, der der Aufsicht des Präsidiums für Religionsangelegenheiten, Diyanet, in Ankara untersteht. Die Ditib war zuletzt unter anderem in die Kritik geraten, weil Kinder in einigen Ditib-Gemeinden in Uniformen und mit türkischen Fahnen Kriegsszenen nachspielen sollten. Wie ist dann eine solche Entscheidung zu bewerten?

Bartscherer: Wenn Sie mich fragen, wie ich das finde, dass der Rat der Religionen das bestimmt und dass das so stattfindet, dann ist das in Ordnung. Dass das im Herbst alles zeitlich zusammenfällt, wusste niemand Anfang des Jahres.

DOMRADIO.DE: Kommen wir auch noch auf den 29. September zu sprechen. Da kommt Erdogan nach Köln. Er will die Moschee einweihen. Was halten Sie davon?

Bartscherer: Der Wunsch der Ditib, dass diese schöne repräsentative Moschee von repräsentativen Menschen eingeweiht wird, ist schon sehr lange vorhanden. Ich weiß, dass es Überlegungen gab, den Bundespräsidenten einzuladen. Ich weiß, dass überlegt wurde, auch den türkischen Ministerpräsidenten und den Staatspräsidenten einzuladen. Dass es sich jetzt so ergibt, glaube ich, freut die Ditib. Die Moschee ist fertig. Wenn die Ditib jetzt sagt: "Wir weihen Sie ein und fühlen uns geehrt, dass Erdogan kommt", ist das deren gutes Recht.

Das Interview führte Aurelia Rütters.

(DR)

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