Demonstration gegen Rassismus in Italien
Demonstration gegen Rassismus in Italien

01.08.2018

Unter Salvini wächst die Verunsicherung bei Afrikanern Italiens neues Rassismus-Problem

Innenminister Matteo Salvini liebt derbe Töne. Inzwischen folgen auch derbe Taten. Während sich Berichte von Übergriffen gegen Dunkelhäutige in Italien mehren, steigt bei diesen die Angst. Der Integration dient das nicht.

Rassismus in Italien hat ein Gesicht, das Gesicht eines Opfers: Daisy Osakue. Die 22-jährige Spitzensportlerin war im norditalienischen Moncalieri aus einem vorbeifahrenden Auto mit Eiern beworfen worden. Eines traf sie am linken Auge. Es ging glimpflich aus, doch ihre Teilnahme an der Leichtathletik-EM im August in Berlin stand kurzzeitig in Frage. Jetzt hagelt es Solidaritätsbekundungen, von Ministerpräsident Giuseppe Conte, vom nationalen Olympiakomitee, von Torwart-Star Gianluigi Buffon. Aber es ist klar, dass Italien ein Problem hat mit Rassismus.

Osakue selbst versucht, es nicht persönlich zu nehmen. "Sie wollten nicht mich als Daisy treffen, sondern mich als farbige junge Frau", sagte sie. Die Diskuswerferin ist in Turin geboren, hat einen italienischen Pass; ihre Eltern stammen aus Nigeria. Den Vorfall könne man "nicht anders nennen als Rassismus", sagt Godwin Umo, nigerianischer Botschafter beim Heiligen Stuhl.

Besonderer Schutz beantragt

Ein Dutzend Angriffe mit mutmaßlich rassistischem Hintergrund verzeichneten italienische Medien in den vergangenen zwei Monaten. In Partinico bei Palermo pöbelten Gäste einer Bar einen Senegalesen als "dreckigen Neger" an und schlugen ihn. Die Staatsanwaltschaft beantragte jetzt für ihn besonderen Schutz.

Italiens rechtspopulistischer Innenminister Matteo Salvini erklärte nichtsdestoweniger, der "Rassismus-Alarm" sei "eine Erfindung der Linken". Einzig alarmierend sei, dass rund ein Drittel der Straftaten von Migranten begangen werde. "Die Italiener sind wohlmeinende Leute, aber ihre Geduld ist bald zu Ende", sagte Salvini.

Dja fühlt sich unwohl in Tor Bella Monaca

Das befürchten auch Afrikaner, die seit Jahren in Italien leben. "Wer kann, zieht weg nach Norden, Deutschland, Schweden", sagt Moussa Dja. Der junge Mauretanier dolmetscht im römischen Aufnahmezentrum aus neun afrikanischen Sprachen. Kein Italiener kann sowas. Aber mittlerweile fühlt sich Dja etwas unwohl in Tor Bella Monaca, seinem Viertel im Osten Roms.

Es kam vor, dass, wenn er eine Kaffeebar betrat, das Gespräch wie zufällig auf Affen wechselte. "All die Leute, die Salvini gewählt haben, sie zeigen offener, wie sie denken", sagt Dja. Doch aus seiner Sicht wollen Italiens Rechtspopulisten mit dem Reizthema Migration nur vom eigentlichen Problem des Landes ablenken: der Korruption. Selbst in der Aufnahmestelle, in der er arbeitet, seien fröhlich EU-Mittel beiseitegeschafft worden, die für die Integration von Ausländern bestimmt waren.

Eine aktuelle Studie sieht hinter dem Rassismus-Phänomen einen Ursachenmix: Während die Mehrheit der Italiener extremistische Haltungen ablehne, drückten viele Bürger wirtschaftliche Sorgen und Zweifel an der Fähigkeit des Staats, die Einwanderung zu managen, heißt es in der Untersuchung der Initiative "More in Common" auf Basis einer Ipsos-Umfrage. Zusammen mit einem verunsicherten Selbstbewusstsein spiele dies letztlich den Populisten in die Hände.

Katholische Karte: Nicht Nächstenliebe, sondern Nationalismus

42 Prozent der Italiener meinen, als katholisches Land besonders zur Hilfe für Migranten verpflichtet zu sein. So empfiehlt die Studie denn auch, die katholische Karte besser zu spielen, nicht nur mit Appellen zu Fürsorge und Nächstenliebe, sondern auch im Sinne nationaler Identität. Ähnlich sieht es Botschafter Umo: "Rom ist gleichbedeutend mit Katholizismus", sagt er unter Verweis auf die Missionierung Nigerias durch italienische Pater.

Von Italien würde er daher "ein höheres Maß an Toleranz erwarten", sagt Umo. Ehemals Militär, heute Diplomat, ist er auch aktiver Pfingstkirchler. Auf dem Schreibtisch liegt eine stark benutzte Bibel. "Nur durch Liebe, ohne Rücksicht auf Hautfarbe oder Herkunft, lassen sich Konflikte beenden", sagt er. Und auch aus historischen Gründen dürfte Europa großzügiger gegenüber Ankommenden aus dem Süden sein: "Kein Weißer hat je ein Visum beantragt, wenn er nach Afrika kam, um Sklaven zu holen."

Migration sollte sich laut Umo im freien Spiel von Nachfrage und Angebot entwickeln; dazu gehört für ihn auch, jungen Afrikanern die Chance zu geben, selber festzustellen, "dass hier die Straßen nicht mit Gold gepflastert sind". Wichtig wäre auch Integration. Doch die, bemerkt Dolmetscher Dja, fällt im aktuellen Klima in Italien immer schwerer.

Burkhard Jürgens
(KNA)

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