Teilnehmer am Weltfriedenstreffen in Assisi
Teilnehmer am Weltfriedenstreffen

11.09.2017

Die Suche nach Frieden beim Weltfriedenstreffen Eine bessere Zukunft?

Wie kann Frieden in der heutigen Zeit gelingen? Das versuchen derzeit Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Religionen beim Weltfriedenstreffen in Münster und Osnabrück zu erarbeiten. Kann das Treffen ein deutliches Zeichen setzen?

domradio.de: Am gestrigen Sonntag hat das 31. Weltfriedenstreffen in Münster und in Osnabrück begonnen. Veranstaltet wird die Zusammenkunft von der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio unter dem Motto "Wege des Friedens". Es ist ein großes Treffen, es sind hochrangige Politiker zu Gast. Hat man da nicht Angst, dass da irgendetwas passiert?

Martin Wißmann (Leiter der Rundfunkarbeit im Bistum Münster): Natürlich. Solche Ängste stehen im Raum. Solche Veranstaltungen kann man heutzutage gar nicht mehr durchführen, ohne dass man große Überlegungen über die Frage der Sicherheit anstellt und diese auch umsetzt. Das ist auch geschehen.

Das Treffen fing schon damit an, dass noch nicht einmal Journalisten ohne sich vorher akkreditiert und gegenüber dem Bundeskriminalamt entsprechend ausgewiesen zu haben, teilnehmen konnten. Die Gerätschaften wurden unter die Lupe genommen, ob es sich dabei auch tatsächlich um journalistisches Equipment handelte. Ebenso wurden die Taschen durchsucht und auch die rund 5.000 Teilnehmer des Treffens wie bei einem Fußballspiel kontrolliert, sodass insgesamt die Sicherheit großgeschrieben wurde. Das ist natürlich auch nicht verwunderlich, da Führer aller Religionen und verantwortliche Politiker versammelt waren - nicht nur aus Deutschland und dem europäischen Parlament, sondern auch aus anderen Nationen.

domradio.de: Soweit der Auftakt am gestrigen Sonntag. Was ist denn an diesem Montag geplant?

Wißmann: Am Vormittag sind die sogenannten "Panels" angelaufen. Das sind neun Diskussionsforen mit verschiedenen Themen. Dabei geht es um Europa und die Herausforderungen der Zukunft, die Umwelt, wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit, den Krieg, der hier als nutzlose Schlächterei bezeichnet wird oder die Wurzeln des Terrorismus. Es werden also die verschiedensten Aspekte im Themenfeld "Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" angesprochen. Jedes Podium ist dabei mit circa sieben Personen gefüllt. Die Veranstaltungen werden moderativ begleitet. Teilnehmer an den Podien sind Vertreter der verschiedenen Religionen, aus der Politik und Institutionen, die dort ihre Statements abgeben.

Das Ganze hat das Ziel, die Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen - und zwar nicht nur auf der Basis der Podien, sondern auch weitergetragen mit allen Teilnehmern. Es findet auch ein Jugendforum statt, das unter dem Motto "Aus Trümmern wächst Freundschaft" steht. Dort kommen vor allem Zeitzeugen zu Wort, die jungen Menschen nahe bringen wollen, wie schlimm die Erfahrungen von Gewalt, Krieg und Unterdrückung sein können. 

domradio.de: Von dem Weltfriedenstreffen soll ein starkes Zeichen des Friedens in die Welt ausgehen. Wie kann das gelingen?

Wißmann: Heute und morgen Vormittag steht in Münster vor allem der Dialog im Mittelpunkt. Da geht es vor allen Dingen darum, die Menschen untereinander ins Gespräch zu bringen, dadurch dass man Verständnis füreinander entwickelt - wenn etwa Führer muslimischer Religionsgemeinschaften oder anderer Religionsgemeinschaften sich unterhalten, sich kennenlernt und die Repräsentanten zuordnen können. Dadurch geschieht ganz viel an Verständigung und Verbrüderung. Das ist ein Aspekt, um den es hier geht.

In Osnabrück findet die Veranstaltung morgen Nachmittag dann mit einem zeitgleichen Friedensgebet ihren Abschluss. Danach schließt sich eine Kundgebung an. Dabei werden Kinder die formulierte Friedensbotschaft von Münster und Osnabrück als Zeichen an die Verantwortlichen aus Politik, Gesellschaft und Religion übergeben. Und das ist tatsächlich ein ganz starkes Zeichen, wenn die nachwachsende Generation den derzeitigen Verantwortungsträgern diese Botschaft des Friedens in die Hände legt und ihnen damit sagt: Tut etwas, damit unsere Zukunft eine friedliche Zukunft ist.

Das Interview führte Tobias Fricke.

Information: domradio.de überträgt das Weltfriedensgebet des Gemeinschaft Sant'Egidio un den Gottesdienst zum Abschluss des Weltfriedenstreffens am kommenden Dienstag, 12.09.2017, um 17.00 bzw. 19.00 Uhr live im Internet.

(dr)

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