Muslime beten in einer Moschee
Muslime beten in einer Moschee
Thomas de Maizière
Thomas de Maizière

26.08.2017

De Maizière wünscht mehr muslimische Distanzierung von Terrorismus Kampf dem Terror auch in der Moschee

Tausende wollen an diesem Samstag in Barcelona gegen Terror und Gewalt demonstrieren. Innenminister de Maizière fordert auch von den Muslimen in Deutschland ein deutliches Zeichen. Die Grünen stören sich an der Art und Weise des Appells.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wünscht sich eine klare Distanzierung islamischer Religionsführer vom Terror im Namen Allahs. In Deutschland gebe es etwa 700 Gefährder, zudem etwa 10.000 Salafisten. Diese seien zwar nicht alle Terroristen, aber "die meisten Gefährder und Terroristen, die wir kennen, stammen aus dem salafistischen Lager – und die Radikalisierung geschieht oft über Geistliche oder geistliche Gespräche", sagte de Maizière in einem SWR-Interview laut am Freitag vorab verbreiteter Mitteilung.

Gerade Religionsführer sollten sich gegen Terror aussprechen

Der Innenminister wünscht sich deswegen auch mehr Unterstützung im Kampf gegen den Terror von muslimischer Seite. Im Gegensatz zu Barcelona gebe es in Deutschland keine Massendemonstrationen von Muslimen gegen den Terror. Gerade islamische Theologen und Religionsführer sollten aber sagen: "Schluss mit der Berufung auf Allah von Terroristen. Das wäre eine sehr gute Botschaft in die muslimische Gesellschaft hinein", sagte de Maizière.

In Barcelona waren offenbar gut integrierte junge Männer von einem Imam zu den Attentaten aufgestachelt worden. De Maizière will deshalb auch in Deutschland verschärft gegen radikale Imame vorgehen: "Wir müssen bei den offiziellen Moscheen und den Hinterhof-Moscheen und bei sonstigen Radikalisierungen mehr aufklären, welche gefährlichen Strukturen dort entstehen", unterstrich der Innenminister.

Grüne sehen den Appell als "von oben herab"

Der religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, dagegen sieht die Äußerungen von de Maizière kritisch. "Diese Anweisungen des Ministers von oben herab werden nichts fruchten. Das hätte man mal auf Augenhöhe in der Islamkonferenz besprechen können. Der Innenminister als Oberlehrer der Muslime wird kein integratives Rollenmodell", erklärte Beck in Berlin. Eine Aufforderung zur Distanzierung rücke jemanden "eben immer in die Nähe des Gegenstandes, von dem man sich distanzieren soll". Das sei ein Dilemma und verlange Fingerspitzengefühl.

In der Islampolitik fehle es der Bundesregierung und den Koalitionsparteien an klarer Haltung, Strategie und Überblick, so Beck. Es sei Zeit für einen Neuanfang, der die islamischen Organisationen in die Pflicht nimmt, aber auch der Mehrheitsgesellschaft Respekt für andere Glaubensüberzeugungen abverlange.

(KNA, epd)

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