Imam Sheikh Ahmad al-Tayyeb (l) und Bundesinnenminister Thomas de Maiziere auf dem Evangelischen Kirchentag
Imam Sheikh Ahmad al-Tayyeb (l) und Bundesinnenminister Thomas de Maiziere auf dem Evangelischen Kirchentag

26.05.2017

De Maizière diskutiert mit muslimischer Autorität über Toleranz und Frieden Kirchentag im Dialog mit dem Islam

Mit Appellen zu mehr gegenseitiger Toleranz und einer Erneuerung des Islams hat der evangelische Kirchentag am Freitag den interreligiösen Dialog gesucht.

Scheich Ahmad Mohammad al-Tayyeb, eine der höchsten Autoritäten des weltweiten sunnitischen Islams, warnte vor einem "Rückfall ins Mittelalter" durch fundamentalistischen Terrorismus. Islamistischen Attentätern sprach er das Muslimsein ab: Terror könne kein Werk von Gläubigen sein. Mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) redete der Scheich über das Miteinander der Religionen und gemeinsame Projekte für den Dialog und gegen Terrorismus.

Friede und Brüderlichkeit

Es müsse Schluss sein mit Verbrechen im Namen von Religionen, sagte der Ägypter Al-Tayyeb. Islam, Christentum und Judentum bestätigten sich gegenseitig und bauten aufeinander auf. Ihre jeweiligen Schriften seien voll von Aufrufen zum Frieden und zu Brüderlichkeit, weil die Quelle all dieser Religionen dieselbe sei, erklärte der Gelehrte.

Al-Tayyeb ist seit 2010 Groß-Imam der Kairoer Al-Azhar-Universität und damit die Autorität der Mehrheit der Sunniten weltweit. Er gilt als moderat, distanziert sich regelmäßig von Fundamentalisten und ruft zum friedlichen Miteinander der Religionen auf. Angesichts der Nachricht von einem neuen Anschlag auf koptische Christen in Ägypten, die während der Diskussion bekannt wurde, zeigte sich al-Tayyeb erschüttert. Gleichzeitig lehnte er es ab, von einem religiös-extremistischen Motiv bei solchen Taten auszugehen. Es gehe einzig darum, die Stabilität in Ägypten zu erschüttern, zeigte er sich überzeugt.

Reform des Islam

Für den Imam und de Maizière war das Podium in Berlin ein drittes Aufeinandertreffen. Beide planen gemeinsame Projekte, zum Beispiel für die Ausbildung von Imamen, die an deutschen Moscheen zum Einsatz kommen sollen. De Maizière sprach sich dafür aus, dies in Deutschland und in deutscher Sprache zu etablieren. Im Gespräch ist nach seinen Worten eine Kooperation zwischen der Berliner Humboldt-Universität und der Einrichtung in Kairo. In Deutschland gibt es zwar Lehrstühle für islamische Theologie, vorrangig für die Ausbildung von Religionslehrern. Die akademische Imam-Ausbildung steht aber noch am Anfang.

Um eine Reform des Islam ging es derweil bei einer Veranstaltung des Kirchentags in der Berliner Sophienkirche. Der Freiburger Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi plädierte für einen Aufklärungsprozess. "Wir Muslime leben immer noch mit dem Geist des 11. und 13. Jahrhunderts", sagte er. Ourghi forderte, den Islam gemäß der heutigen Zeit aus sich heraus zu entwickeln". Ziel sei eine Emanzipation der Gläubigen, die den Muslimen den Gebrauch der Vernunft erlaube, statt eine bloßen "Nachahmung" religiösen Lebens, wie sie vielfach in den Moscheen auch in Deutschland gelehrt werde.

Weckruf

Der Generalsekretär der Türkisch-Islamischen Union (Ditib), Bekir Alboga, widersprach der Darstellung. Die muslimischen Verbände in Deutschland hätten sich schon vor Jahren eindeutig auf das Grundgesetz verpflichtet. Bei Ditib wirkten Frauen mit und ohne Kopftuch mit, niemand werde gefragt, ob er fünf Mal am Tag bete. Dagegen beklagte auch Nushin Atmaca eine Stagnation des Islam.

"Der Islam braucht einen Weckruf", sagte die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes. Notwendig sei eine innermuslimische Öffnung, des Denkens und der Lebensweise. Dazu gehöre Toleranz, die gegenseitige Akzeptanz zwischen konservativen und liberalen Muslimen.

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