Sozialpastorales Zentrum Petershof in Duisburg-Marxloh
Sozialpastorales Zentrum Petershof in Duisburg-Marxloh
Pater Oliver Potschien, Leiter des katholischen Sozialpastoralzentrums Petershof in Duisburg-Marxloh
Pater Oliver Potschien, Leiter des katholischen Sozialpastoralzentrums Petershof in Duisburg-Marxloh

02.05.2017

Seelsorger kritisiert de Maizières Äußerungen zur Leitkultur "Kommen Sie doch mal vorbei"

Pater Oliver Potschien, Leiter eines Sozialpastoralen Zentrums in Duisburg-Marxloh, äußert Unverständnis an den Aussagen von Bundesinnenminister de Maizière. Er solle sich doch vor Ort einmal selbst ein Bild machen, schlägt Potschien vor.

domradio.de: Es ist keine neue Diskussion. Wird bei Ihnen in der Gemeinde und in Marxloh über die Aussagen des Innenministers diskutiert?

Pater Oliver Potschien (Leiter des Sozialpastoralen Zentrums an St. Peter in Duisburg-Marxloh): Nein, eigentlich überhaupt nicht. Das ist auch ein bisschen am Thema vorbei. Wenn ich hier aus dem Fenster herausgucke, dann laufen hier im Moment zwei Dutzend Leute über meinen Kirchplatz. Davon sind sicherlich zwei Drittel Muslime und auch als solche erkennbar. Die laufen hier alle zusammen. Einige arbeiten auch zusammen. Einige kommen gerade vom Deutschkurs. Einige gehen gerade zur Kinderbetreuung. Das sind alles Themen. Ich habe mir die Punkte durchgeguckt und wenn ich mir die Überschriften angucke, "Wir sehen Bildung und Erziehung als Wert. Wir sehen Leistung, als etwas, auf das jeder stolz sein kann", dann muss ich sagen, mit Platituden und flotten Sprüchen kommen wir hier auch nicht weiter.

domradio.de: Es ist ja aber definitiv eine Diskussion in der Gesellschaft, sonst würde es ja jetzt auch nicht wieder überall in der Zeitung stehen, oder?

Potschien: Ja. Wir müssen sicherlich schon auch überlegen, gibt es einen Grundkonsens? Wie kann der Grundkonsens sein? Jetzt kann ich natürlich aus der Perspektive des Priesters sagen: Die Leitkultur und der Grundkonsens, den wir in diesem Themenbereich haben, ist doch "Hospes venit, Christus venit" – "Im Fremden, der kommt, begegnet mir Christus". Das ist doch unsere Leitkultur und unsere Richtschnur. Das ist es doch, zumindest von meiner Seite aus, das das Zusammenleben relativ klar und scharf definiert. Das klappt hier vor Ort völlig unproblematisch. Hier leben viele Muslime und hier treffen viele Menschen aufeinander, aber hier funktioniert es ja.

domradio.de: Ich zitiere einen Satz, den der Innenminister geschrieben hat. Da steht drin: "Wir in Deutschland sagen unseren Namen. Wir geben uns zur Begrüßung die Hand. Wir zeigen unser Gesicht. Wir sind nicht Burka." Wie denkt man bei Ihnen, wo Muslime und Christen aufeinandertreffen, über so einen Satz?

Potschien: Ich kann ja Herrn de Maizière einladen, hier vorbeizukommen. Dann wird er feststellen, dass sich die Menschen hier auch begrüßen.

domradio.de: Unabhängig von Burka oder nicht Burka?

Potschien: Ja. Ehrlich gesagt, wüsste ich gar nicht, wann ich das letzte Mal eine Burka gesehen habe. Man muss ja auch mal ein bisschen gucken, worüber wir eigentlich reden und in welcher Dimension wir Probleme hochreden, die es so überhaupt gar nicht gibt. Wie gesagt, ich bin hier Mitten in Marxloh und wüsste nicht, wann ich das letzte Mal eine Burka gesehen hätte.

domradio.de: Würden Sie denn dem Innenminister zustimmen, wenn er sagt, Deutschland habe eine christlich geprägte Leitkultur und das Christentum sollte den Ausschlag geben für das, was bei uns auf den Straßen passiert?

Potschien: Naja. Dazu hat unsere Bundeskanzlerin ja schon einmal gesagt: Wenn man die Deutschen fragt, welche Bedeutung das Pfingstfest hat und was Pfingsten ist, wird man sein blaues Wunder erleben. Da ist sicherlich noch ein bisschen Nachholbedarf. Wir müssen aber gucken, worüber wir eigentlich reden. Reden wir über uns – über den Verlust unserer christlichen Kultur? Reden wir darüber, dass wir nicht wollen, dass Leute sich verschleiern? Worüber reden wir eigentlich? Das ist doch die spannende Frage.

domradio.de: Wenn wir die Aussagen des Innenministers jetzt noch einmal komplett betrachten, wie würden Sie darauf antworten? Es geht ihm ja um das Miteinander und um die Integration in Deutschland. Sie sind ja wirklich in der Praxis und können etwas darüber sagen. Wie funktioniert es tatsächlich?

Potschien: Da kann ich Ihnen relativ klar etwas zu sagen. Die Leute, denen ich hier begegne, die von ihren Eltern vernünftig erzogen worden sind, die begegnen mir auch vernünftig, egal woher die kommen, egal welchen Hintergrund die haben, egal welchen kulturellen Hintergrund, welches kollektive Gedächtnis, oder wie auch immer er das schreibt. Wenn das zu Hause funktioniert hat, dann klappt das hier auch. Ich kann ihn nur herzlich einladen: Kommen Sie vorbei und sprechen Sie doch mal mit den Leuten hier. Und kommen Sie nicht mit großem Getöse, sondern kommen Sie einfach mal so vorbei. Essen Sie doch mal mit den Leuten hier an einem Tisch.

domradio.de: Das ist ein Satz, den ich mitnehme: "Wenn ich ordentlich erzogen worden bin, dann verhalte ich mich auch ordentlich" – unabhängig vom gesellschaftlichen Kontext.

Potschien: Das ist doch auch kein Geheimnis. Das ist doch auch nichts Großes, sondern das ist doch einfach so.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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