Moschee
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04.05.2016

Französischer Imam Schwulenfeindlichkeit keine Frage der Religion

Homophobie unter Muslimen hängt nach den Worten des französischen Imams Ludovic-Mohamed Zahed nicht automatisch mit der Religion zusammen. Es käme eher auf Kultur und Bildung an.

"Wenn Muslime nicht gebildet sind, wenn sie aus einer sehr traditionellen Kultur kommen, mögen sie schwulenfeindlich sein, ja. Aber das hat nicht per se mit der Religion zu tun", so Zahed in einem Interview der "Welt". Er hat in Frankreich eine liberale Moschee gegründet und ist selbst homosexuell. Davor war Zahed, der aus Algerien stammt, nach eigenem Bekunden Salafist.

Armut und politische Krise führten zu patriarchalischen Strukturen, so der Imam. "Jede Gemeinschaft, die sich bedroht fühlt, wird sich mit nationalistischen Führern identifizieren und schließlich dem Faschismus verfallen. In Krisen agieren muslimische wie alle anderen Gesellschaften auch." Man habe nicht das Recht, Menschen etwas zuzuschreiben, weil sie Muslime oder Araber seien.

Werte in Kindheit geprägt

"Das ist Diskriminierung: Wenn Menschen nach ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe beurteilt werden und nicht nach ihrem individuellen Charakter", so Zahed. Auch ihm sei seit seiner Kindheit gepredigt worden, dass Homosexualität eine Sünde sei - "obwohl das nirgendwo im Koran geschrieben steht".

Mit Blick auf die Silvesterübergriffe auf Frauen in Köln und anderen deutschen Städten sagte Zahed, dass traumatisierte Menschen Gewalt in die Gesellschaft brächten. "Es wird daher darauf ankommen, wie wir mit ihnen umgehen." Das wichtigste seien Bildung, Arbeit und ein gutes Leben in Frieden. "Wenn wir sie wirklich integrieren, werden sie sich nicht mehr darauf beziehen, was in ihren Herkunftsländern geschieht und es imitieren."

Ein Weg: Spiritualität

Er selber habe nach einer zeitweisen Abkehr vom Glauben einen spirituellen Weg gewählt - "einen, der versucht, Gott wirklich nah zu sein, nicht den strikten des Salafismus, der Glauben wie Gymnastik handhabt". Nach den Attentaten in Frankreich sei die Feindlichkeit gegenüber dem Islam in dem Land stark gewachsen. Zahed sagte, dass auch viele Menschenrechtsorganisationen und Gruppen, die sich um die Belange von Lesben, Schwulen und Transgender-Personen kümmern, die Zusammenarbeit mit seiner Moschee beendet hätten.

Er prognostizierte, dass die Extremisten den Kampf verlieren würden. "Sie merken das. Terrorismus ist die Waffe der Schwachen. Ich glaube, wir müssen pragmatisch sein und noch demokratischer."

(KNA)

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