Maria, Jesus und das Christuskind - hier am Türgriff der Sakristei des Kölner Doms
Heilige Familie - am Türgriff der Sakristei des Kölner Doms
Palmen
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06.01.2016

Weihnachtsoratorium aus christlicher und muslimischer Sicht in Bonn und Köln Geburt unter Palmen

Bachs Weihnachtsoratorium gehört für viele zur Weihnachtszeit dazu. In den kommenden Tagen wird in Kirchen in Bonn und Köln ein Werk aufgeführt, das die Geburt Jesu nicht nur aus christlicher schildert - sondern auch aus muslimischer Perspektive.

Krippe und Christbaum sind bereits aus manchem Wohnzimmer verschwunden; viele orientalische Christen feiern dagegen erst am 6. Januar Weihnachten. "Da passt es ja, am Dreikönigstag die Weihnachtsgeschichte aufzuführen - auch für die vielen Flüchtlinge aus dem Nahen Osten", meint der katholische Theologe Klaus von Stosch mit Blick auf das Oratorium "Und er sprach...". Das Besondere an dem Werk: Es schildert die Geburt Jesu - nach christlicher wie auch nach islamischer Lesart.

"Viele wissen nicht, dass wir Muslime auch an Jesus glauben - als Prophet", sagt der deutsch-türkische Komponist Betin Günes. Zusammen mit dem Leverkusener Pfarrer Detlev Prößdorf und dem in Bonn lebenden Wissenschaftler von Stosch, Leiter des Zentrums für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften in Paderborn, entwickelte er das Oratorium. Am Mittwoch (6.1.) ist es in der Bonner Stiftskirche zu hören, am Sonntag (10.1.) in Sankt Theodor in Köln.

Auch im Islam eine Jungfrauengeburt

Bei dem rund zweistündigen Werk erlebt das Publikum Teil eins bis drei von Bachs Weihnachtsoratorium sowie Kompositionen von Günes zur 19. Koransure. Nach dem Schema von Bachs populärstem Werk wird die "Maryam-Sure" wörtlich wiedergegeben, die ausführlichste Schilderung der Geburt Jesu im Koran. Zum anderen gibt es Arien, die der Frankfurter Islamwissenschaftler Hureyre Kam geschrieben hat. Der 34-Jährige ist einer der ersten, der an einem der 2012 gegründeten Uni-Zentren für islamische Theologie promoviert.

Im Koran ist Jesus unter dem Namen "Isa Ben Maryam", also als "Sohn von Maria", bekannt. Genau wie in der Bibel wird Maria die bevorstehende Schwangerschaft von Engeln verkündet, ebenfalls als Jungfrauengeburt. Die Niederkunft findet aber nicht in einer Krippe, sondern unter einer Palme statt, an deren Datteln sich die von Wehen geplagte Maria laben kann. Ein weiterer Unterschied: Als die junge Mutter auf die Umstände der Zeugung angesprochen wird, weist sie auf das Kind. So antwortet der neugeborene Jesus/Isa: "Ich bin ein Diener Gottes; er gab mir die Schrift und machte mich zum Propheten." Daher der Titel "Und er sprach...".

"Ich bin Komponist, ich probiere immer, mit Noten die Welt ein bisschen zu heilen", unterstreicht Günes, der seit 1990 in Deutschland lebt. Mit dem Oratorium wolle er Gemeinsamkeiten zwischen Muslimen und Christen aufzeigen. Für das Werk komponierte er mehrere Intermezzi und Fugen. "Da wissen die Zuhörer sicher nicht, ist das jetzt Bach oder Günes", so der 58-Jährige. "Wenn ich diesen Übergang musikalisch schaffe, gelingt es vielleicht auch, Menschen verschiedener Religionen zusammenzubringen."

Uraufführung war im Dezember in Leverkusen

Am 6. Dezember wurde das Werk in der Leverkusener Christuskirche uraufgeführt. Rund 120 Musiker des Turkish Chamber Orchestra sowie der Kantorei der Friedenskirche und des Dionysius-Chors Krefeld wirken mit. Die Bonner Stiftskirche sei wegen ihres lebendigen christlich-muslimischen Dialogs gewählt worden, erläutert von Stosch.

Und Sozialpfarrer Franz Meurer von Sankt Theodor sei sofort von dem interreligiösen Kulturprojekt begeistert gewesen. Er machte unter anderem Schlagzeilen, als er in der Sonntagsmesse für den Bau der Kölner Moschee sammeln ließ. Das Konzert ist die vorerst letzte Aufführung. Komponist Günes wünscht sich, das Oratorium auch in einer Moschee zu Gehör zu bringen.

Bei sehr strengen Muslimen, meint Klaus von Stosch, könnte das Werk für Irritationen sorgen: "Knackpunkt ist, dass hier der Koran fast gesungen wird." Normalerweise dürften Koranverse nur in der von Gott offenbarten Rezitationsweise wiedergegeben werden, erläutert er. "Das könnte in der Moschee ein bisschen heikel werden." Und woran könnten Christen Anstoß nehmen? "Oft wird betont, dass Jesus im Koran nicht als Sohn Gottes wahrgenommen wird. Mancher mag sich fragen, ob man das harmonisch überdecken darf und die Differenzen zu groß sind, als dass man sich über Sure 19 freuen dürfte." Man darf, ist von Stosch überzeugt: Der Einschub ab Vers 34, der die Absage an die Gottessohnschaft Jesu beinhalte, habe literarisch und historisch einen ganz anderen Stellenwert.

Sabine Kleyboldt
(KNA)

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