10.12.2015

Vatikan will Dialog und Zusammenarbeit mit Juden verstärken "Nicht Kür, sondern Pflicht"

Die Aussöhnung mit dem Judentum gehört zu den großen Erfolgen des Zweiten Vatikanischen Konzils. Genau 50 Jahre danach hat der Vatikan jetzt theologische Grundlagen für den christlich-jüdischen Dialog vorgelegt.

Zu den Erfolgsgeschichten des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zählt die Aussöhnung mit dem Judentum. Nach Jahrhunderten von Diskriminierung, Zwangsbekehrungen und den Schrecken der Schoah wurden Christen und Juden zu verlässlichen Partnern, sogar zu guten Freunden. Meilenstein für diesen Neuanfang, für einen intensiven Dialog mit spektakulären Gesten und historischen Begegnungen war die Konzilserklärung "Nostra aetate" vom 28. Oktober 1965. 50 Jahre später hat der Vatikan am Donnerstag in einem ausführlichen Studiendokument theologische Grundlagen samt offenen Fragen und Streitpunkten vorgestellt.

Zusammenarbeit stärken

Mit Nachdruck fordert das Dokument eine Intensivierung dieses Dialogs und insbesondere der Zusammenarbeit von Juden und Christen - die mehr verbinde als alle anderen Religionen. Denn das Christentum habe jüdische Wurzeln; Jesus sei nur im jüdischen Kontext seiner Zeit zu verstehen. Beide Religionen seien unwiderruflich aufeinander angewiesen; das Gespräch zwischen ihnen sei in theologischer Hinsicht "nicht Kür, sondern Pflicht". Daher sollten Christen und Juden sich nicht nur besser kennenlernen. Gemeinsam müssten sie für Gerechtigkeit, Frieden, die Bewahrung der Schöpfung eintreten und jede Form von Antisemitismus bekämpfen.

Im Mittelpunkt des Dokuments stehen freilich theologische Fragen, etwa der Stellenwert der Offenbarung oder die unauflösliche Einheit von Altem und Neuem Testament - auch wenn sie von Juden und Christen und Juden unterschiedlich interpretiert werden. Es geht um das Verhältnis von Altem und Neuem Bund: Der Bund sei nie von Gott gekündigt worden; er bestehe weiter und sei nicht einfach vom auserwählten jüdischen Volk auf die Kirche übergegangen.

Das Studiendokument hat keinen lehramtlichen Charakter, wie die Autoren der Päpstlichen Kommission für die Beziehungen zum Judentum betonten. Allerdings sind hier erstmals ausführlicher theologische Aussagen und Argumente schwarz auf weiß festgehalten, etwa aus Ansprachen der Päpste in der römischen Synagoge oder im Heiligen Land, oder auch aus früheren Dialogpapieren; etwa dass die katholische Kirche keine Judenmission kenne. Auch wenn Katholiken im Dialog mit dem Judentum Zeugnis für ihren Glauben an Jesus Christus ablegten, sollten sie auf aktives Missionieren verzichten, heißt es in dem Text.

Gemeinsame Wege

Und noch auf ein weiteres schwieriges Problem geht das Papier ein: Kirche und Judentum könnten "nicht als zwei parallele Heilswege" dargestellt werden. Aus dem christlichen Bekenntnis, dass es nur einen Heilsweg geben könne, folge in keiner Weise, dass die Juden von Gottes Heil ausgeschlossen wären, weil sie nicht an Jesus Christus als den Messias Israels und den Sohn Gottes glauben. Vielmehr hätten sie "Anteil an Gottes Heil". Wie dies jedoch "ohne explizites Christusbekenntnis möglich sein kann, ist und bleibt ein abgrundtiefes Geheimnis Gottes".

Schon in der Vorbereitung waren jüdische Dialogpartner einbezogen. Und auch bei der Pressekonferenz äußerten sich Gäste wie Rabbiner David Rosen vom American Jewish Committee oder Edward Kessler, Gründungsdirektor des Woolf Institute in Cambridge. Neben viel Anerkennung und Lob vermissten sie deutlichere Aussagen zum "Land Israel", das für Juden eine hohe religiöse Bedeutung habe.

Dialog noch ausbaufähig

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bezeichnete das neue Dokument als eine "Ermutigung, den christlich-jüdischen Dialog mit noch größerem Engagement fortzuführen". Mit der prinzipiellen Absage an eine institutionelle Judenmission werde ein Hindernis in den christlich-jüdischen Beziehungen beseitigt. Das christlich-jüdische Gespräch müsse in der theologischen Ausbildung, im Religionsunterricht und in den Gemeinden noch mehr als bisher verankert werden, empfiehlt Marx. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) will bis 2017 ihre Haltung zur umstrittenen Judenmission klären, wie Synodenpräses Irmgard Schwaetzer im November ankündigte.

Offene Fragen

Kardinal Kurt Koch stellte als zuständiger Kommissionspräsident klar, dass es für den Vatikan hier um eine politische Frage gehe, auf die dieser nicht im religiösen Dialog eingehe. Vermisst wurde auch eine klare Aussage zur umstrittenen Karfreitagsfürbitte "Für die Bekehrung der Juden". Der Titel dieses Gebets sei irreführend, weniger der Inhalt, so Koch. Es gehe dabei nicht um eine aktive Mission unter Juden. Vielmehr handele es sich um ein eschatologisches Gebet über eine Einheit am Ende der Tage.

Allerdings seien die Beziehungen zwischen Vatikan und jüdischen Organisationen inzwischen so gefestigt, dass derartige Spannungen rasch geklärt werden konnten, so Koch. Auch in der Affäre um den Holocaust-Leugner Williamson, um eine Seligsprechung von Papst Pius XII. oder um ein Karmel-Kloster in Auschwitz sei man rasch zu Versachlichung gekommen. Das neue Papier solle eine Grundlage und Hilfe für die Fortsetzung des Dialogs bilden. Es gibt weiterhin viele offene Fragen.

Johannes Schidelko

 

(KNA)

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