Begegnungszeltlager in Rhens am Rhein
Begegnungszeltlager in Rhens am Rhein
Taoufik Hartit und Susanne Ellert
Taoufik Hartit und Susanne Ellert

01.08.2015

Christliche und muslimische Pfadfinder haben gemeinsam gezeltet Freundschaften über Religionsgrenzen hinweg

Die katholischen St.-Georgs-Pfadfinder und muslimische Pfadfinder haben bis zu diesem Samstag in Rhens am Rhein ihr erstes gemeinsames Zeltlager veranstaltet. Auf dem Programm standen gemeinsame Spiele und das Kennenlernen der anderen Religion.

Trommelschläge rufen die Kinder und Jugendlichen zusammen. In drei Reihen stehen sie hintereinander und sollen mit Handzeichen Gegenstände erraten. Ein Stück Holz beispielsweise oder eine Kerze. Sie lachen viel. Die Großen helfen den Kleinen. Einige haben beigefarbene Hemden an, andere grüne. Das ist der einzige auffallende Unterschied: Beige Hemden bei der katholischen Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg, grüne bei den muslimischen Pfadfindern.

"Gemeinsam leben" ist das Motto des achttägigen Begegnungszeltlagers von muslimischen und christlichen Pfadfindern in Rhens, das an diesem Samstag endet. Die rund 150 Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 21 Jahren lernen und leben auf dem Jugendzeltplatz "Am Pfaffenwäldchen" oberhalb vom Rhein Offenheit, Toleranz und Dialogbereitschaft. Getreu dem ehernen Pfadfindergesetz, allen Menschen mit Respekt zu begegnen.

Eucharistiefeier und Freitagsgebet gehören dazu

"Hier werden Brücken gebaut und Freundschaften geschlossen, über Religionsgrenzen hinweg", unterstreicht Taoufik Hartit aus Rüsselsheim. Er ist Gründungspräsident des Bundes Moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen Deutschlands und gehört zu den Initiatoren dieses besonderen Zeltlagers. Susanne Ellert, die Bezirksvorsitzende Rhein-Erft der katholischen Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg, sieht es ähnlich: "Für uns Pfadfinder ist es selbstverständlich, dass wir hier die Werte, die ein lebenswertes Miteinander ausmachen, auch leben."

Und so sind christliche Pfadfinder am Morgen beim muslimischen Gebet dabei und junge Muslime bei der katholischen Eucharistiefeier. Ein Freitagsgebet mit dem Imam gehört ebenfalls zum Programm. Das sind Anknüpfungspunkte für Gespräche und viele Fragen. "Kinder gehen da eher neugierig mit um und zeigen keine Vorurteile", sagt Ellert.

Fast schon spielerisch lernen die Bewohner des Zeltlagers die andere Religion kennen. "Und wir erfahren auch, dass es viele Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam gibt", erläutert Hartit. "Abraham ist für uns Muslime wichtig, Maria und Jesus ebenso." In einem Zelt gibt es zudem eine kleine Ausstellung über die Weltreligionen.

Jugendarbeit als Mittel gegen Intoleranz

Das Zusammensein ist für beide ein Weg, Vorurteile erst gar nicht entstehen zu lassen. In den Gruppen des Zeltlagers spielen die Pfadfinder gemeinsam und lösen zusammen Aufgaben. "Ich empfinde angesichts der vielen negativen Schlagzeilen über den Islam dieses Zeltlager und unsere Jugendarbeit als wichtigen Ansporn, hier noch mehr tätig zu werden und für ein friedliches Miteinander zu werben", erklärt Hartit. "Jugendliche, egal, ob christliche oder muslimische, früh für Toleranz und Offenheit zu sensibilisieren, ist ganz, ganz wichtig", betont er.

Jugendarbeit sei das beste Mittel gegen Intoleranz und Gewalt, glaubt auch Susanne Ellert: "Wir wollen Barrieren hinter uns lassen." Darum wünscht sie sich eine stärkere öffentliche Förderung dieser Arbeit. "Für so etwas brauchen wir natürlich Geld, aber auch Zeit." Angesichts von Ganztagsschulen und längeren Arbeitszeiten im Beruf werde es leider immer schwerer, solche Veranstaltungen zu organisieren, bedauert sie.

Seit 2012 bestehen die Kontakte zwischen dem 2010 gegründeten Bund moslemischer Pfadfinder und Pfadfinderinnen und der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg. Der muslimische Verband suchte nach Möglichkeiten, seine Leiter für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu qualifizieren und wurde bei den Katholiken fündig. Es entstanden Freundschaften sowie der Wunsch nach einer Begegnung auf Augenhöhe. Bei Pfadfindern geht das am besten in einem Zeltlager.

Dieter Junker
(epd)

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