Pater Nikodemus Schnabel
Pater Nikodemus Schnabel
Blick vom Turm der Dormitio-Abtei in Jerusalem auf den Abendmahlssaal
Blick vom Turm der Dormitio-Abtei in Jerusalem auf den Abendmahlssaal

21.05.2015

Pater Nikodemus hofft auf friedliche Pfingsten auf dem Zionsberg "Die Sicherheitskräfte sind sensibilisiert"

Auf dem Zionsberg in Jerusalem droht an Pfingsten ein Streit zwischen den Religionen, wenn Juden und Christen gleichzeitig feiern wollen. Die Sicherheitskräfte sind sensibilisiert, wie Pater Nikodemus von der Dormitio-Abtei berichtet.

Am Pfingstwochenende wollen Juden auf dem Zionsberg zum Fest Schavuot der Geburt und des Todes Davids gedenken. Zeitgleich wollen aber auch Christen dorthin kommen, um dort ihr Pfingstfest im Abendmahlssaal zu feiern. Pater Nikodemus Schnabel ist Benediktiner der Dormitio-Abtei, die sich auf dem Zionsberg befindet. Am 26. Mai 2014 gab es einen Brandanschlag in der Dormitio-Abtei, der zufällig von einem Mönch entdeckt wurde. Dadurch war es möglich, schnell zu löschen, und es ist niemand zu Schaden gekommen. 

domradio: Es geht bei dem Streit um den Abendmahlssaal. Was macht diesen Saal in Jerusalem für alle Seiten so besonders?

Pater Nikodemus: In dieser komplizierten Stadt mit den vielen komplizierten Verhältnissen ist dies das komplizierteste Gebäude, das man sich vorstellen kann. Weil es hier nicht nur, wie in der Geburts- oder Grabeskirche, um ein Miteinander der christlichen Konfessionen geht, sondern um ein Miteinander der Religionen. Das ist ein Ort, der Juden, Muslimen und Christen gleichermaßen heilig ist. Ursprünglich ist dieser Ort ein christlicher Ort mit dem Abendmahlssaal, wo die Franziskaner auch ihr ursprüngliches Kloster hatten. Der Chef der Franziskaner im heiligen Land hat immer noch den Titel "Custos vom Berge Zion". In der Kreuzfahrerzeit kam dann auf, dass dort auch das Davidgrab sei. Diese Tradition haben die Muslime dann übernommen. Der ganze Gebäudekomplex war dann ein muslimisches Heiligtum. Im Abendmahlssaal selbst sieht man noch eine Gebetsnische und eine Predigtkanzel. Seit 1948 wurde diese Erzählung, dass dort das Davidgrab sei, von Juden übernommen. Besonders in der Zeit von 1948-67, wo sie nicht so einfach zur Westmauer gehen konnten; dem wichtigsten Ort und für die Juden die Stützmauer des Tempels.

domradio: Schon in den vergangenen Jahren ist es zu Vandalismus gegen christliches Eigentum gekommen. Wie hat man darauf in Jerusalem reagiert? Wurden die Täter ermittelt?

Pater Nikodemus: Das ist ein ganz schwieriges Thema. Der Zion hat einen schlechten Ruf erworben. Wir haben das auch letztes Jahr beim Papstbesuch schmerzlich erleben müssen, als am letzten Tag, nachdem der Papst auf dem Zionsberg war, in unserer Kirche Feuer gelegt wurde. Die Politik reagiert langsam. Ich erkenne ein Hoffnungszeichen darin, dass es inzwischen eine Polizeistation gibt, die wirklich nur für diesen kleinen Südwest-Hügel Jerusalems, für den Zionsberg, zuständig ist. Die Polizei hat erkannt, dass die Präsenz verstärkt werden muss. Aber es gibt noch einiges zu tun. Bezüglich des Brandanschlags warten wir immer noch auf Ermittlungserfolge. Da würde ich mir ein etwas höheres Tempo wünschen. Es wurde uns damals auch versprochen, dass der Zion mit Überwachungskameras ausgerüstet wird. Auch darauf warten wir noch.

domradio: Was glauben Sie denn, wird an diesem Pfingstwochenende zu erwarten sein? Wird es wieder brenzlig werden?

Pater Nikodemus: Es gibt im Vorfeld viel Verbalrhetorik. Die Polizei hat uns schon signalisiert, dass sie präsent ist und für Sicherheit sorgen will. Es wird, glaube ich, auch ein sehr schönes Wochenende. Wir befinden uns ja am Ort von Pfingsten. Weihnachten gehen alle Gedanken und Herzen der Christen nach Bethlehem, zu Ostern in die Grabeskirche zur Auferstehung und an Pfingsten sind wir an dem Ort des Geschehens. Der lateinische Patriarch wird kommen und sehr, sehr viele Pilger aus der ganzen Welt. Unsere Kirche wird aus allen Nähten platzen. Vielen jungen Menschen wird die Firmung gespendet werden. Das wird erstmal insgesamt ein großes Pfingstfest. Ich gönne es den Juden von ganzem Herzen, dass auch sie ihr Pfingstfest, ihr Schavuot, in unserer Nachbarschaft voller Freude feiern. Es gibt die Tradition, dass David an Schavuot geboren und gestorben ist. Ich wünsche, dass auch dort jeder friedlich beten und hin pilgern kann. Ich wünsche mir nicht, dass Leute es für Aggressionen und Statements, dass dieser Ort nur einer Religion gehöre, ausnutzen. Meine Wunschvorstellung für den Zion sieht so aus, dass sich jüdische, muslimische und christliche Pilger gleichermaßen willkommen und sicher fühlen dürfen.

domradio: Vielen Dank für das Gespräch

Das Interview führte Silvia Ochlast

(dr)

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