Am 9. Juni 2004 explodierte eine Nagelbombe vor einem türkischen Friseursalon in der Kölner Keupstraße
Am 9. Juni 2004 explodierte eine Nagelbombe vor einem türkischen Friseursalon in der Kölner Keupstraße
Die Kölner Keupstraße
Die Kölner Keupstraße

22.01.2015

Mülheimer Pfarrer hofft auf Trost für Opfer des Nagelbombenanschlags Veedel verfolgt NSU-Prozess

In Köln-Mülheim verfolgt zurzeit jeder den NSU-Prozess, berichtet der katholische Pfarrer Stefan Wagner. Zurzeit sagen dort die Kölner Opfer als Zeugen aus. Wagner hofft, dass sie Ermittlern und Justiz wieder vertrauen.

domradio.de: Wie intensiv verfolgen Sie die Befragungen im NSU-Prozess der Opfer von damals in München?

Stefan Wagner (Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Clemens und Mauritius in Köln-Mülheim, wohnt in der Keupstraße): Seit der Prozess aufgerollt ist und Schlagzeilen macht, verfolgt jede Frau und jeder Mann in Köln-Mülheim, was dabei rauskommt. Jetzt, wo wir wissen, was der Hintergrund des damaligen Nagelbombenattentates war.

domradio.de: Was bekommen Sie mit, wenn Sie durch ihre Straße gehen und die Leute darüber beim Bäcker oder Metzger sprechen?

Wagner: Auf jeden Fall wird darüber gesprochen. Man tauscht Informationen aus und ist immer noch sehr bestürzt, um nicht zu sagen, betroffen über das, was damals passiert ist und vorallen Dingen dass der NSU dahintersteckt und dieses Attentat verübt hat.

domradio.de: Anfangs wurden türkische Mitbürger verdächtigt und die Rede war von mafiösen Strukturen. Wegen eines rechtsradikalen Hintergrunds hat man viele Jahre lang nicht ermittelt. Was haben Sie in dieser Zeit mitbekommen?

Wagner: Es wurde in den Gesprächen darüber diskutiert, wie so etwas passieren kann und dass so ein Nagelbombenattentat total schrecklich ist, wo so viele Menschen drunter gelitten haben und verletzt wurden. Dann die ganzen Vorurteile, dass der Täter aus mafiösen Kreisen kam, Schutzgelderpressungen damals genannt wurden. Das war schon schrecklich, das so wahrzunehmen. Es ist um so schrecklicher, aber auch gut zu wissen, dass es das gar nicht war, sondern dass jetzt endlich die wahren Täter gefunden wurden und der Fall so gesehen neu aufgerollt wird und jetzt aufgearbeitet wird.

Im Moment ist wichtig zu wissen, dass was damals in den Ermittlungen nicht gut gelaufen ist, aufgearbeitet wird.

domradio.de: In Köln-Mülheim und gerade in der Ecke von der Keupstraße, in Köln auch manchmal Klein-Ankara genannt, herrscht ein multi-kulturelles Miteinander von ganz vielen Kulturen und Religionen. Inwieweit beschäftigt die katholische Gemeinde in Köln-Mülheim der Nagelbombenanschlag?

Wagner: Die Gemeinde beschäftigt das, weil sie sehr aktiv ist und auch Teil des interreligiösen runden Tisches in Köln-Mülheim. Es gibt ein regelmäßiges Treffen vieler Vertreter der Glaubensgemeinschaften, es gibt ein jährliches großes interkulturelles Fest. Es gibt Themenabende, wo immer wieder diskutiert wird über das, was uns im Stadtteil betrifft und eben auch über solche Fragestellungen "was ist damals passiert" und "wie wird das Attentat auf der Keupstraße jetzt aufgearbeitet". Wenn Sie dort wohnen, wo ich wohne, mitten in Köln-Mülheim und den Stadtteil als sehr lebendigen interkulturellen und interreligiösen erleben, dann gehört es einfach dazu, dass man mit Menschen verschiedener Kulturen und Religionen, vorallem Christen und Muslime zusammen ins Gespräch kommt und über solche Dinge natürlich spricht und sich austauscht.

domradio.de: Was würden Sie sich wünschen, was am Ende des NSU-Prozesses stehen würde?

Wagner: Ich hoffe, dass die Opfer und Angehörigen, denen man erst mit Vorurteilen ganz falsch begegnet ist, versöhnt werden. Dass sie am Ende für sich sagen können, dass die Aufarbeitung wenigstens ein Trost ist und sie damit zufrieden sind und auch den Glauben in das, was unsere Strafverfolgungsbehörden, Polizei usw. leisten, wiedergewinnen.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

(dr)

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