Rupert Neudeck
Rupert Neudeck

Mit einem gemeinsamen Gebet haben Christen und Muslime am 3. Juli für den Frieden und die Freilassung der drei deutschen Geiseln in Kirchen und einer Moschee gebetet. Seit dem 15. Mai sind drei deutsche Mitarbeiter der Hilfsorganisation Grünhelme entführt worden, darunter zwei Christen und ein deutsch-syrischer Muslim.

Grünhelme in Syrien
Grünhelme in Syrien

04.07.2013

Grünhelm-Chef: Kein Frieden ohne Frieden zwischen Religionen Interreligiöses Gebet für Syrien

Wenn es keinen Frieden zwischen den Religionen gibt, kann auch kein wirklicher Frieden ausbrechen. Das betont im domradio.de-Interview Rupert Neudeck. Der Grünhelm-Chef hat ein interreligiöses Gebet für Syrien und entführte Kollegen organisiert.

domradio.de: Warum war Ihnen das wichtig, ein solches Gebet zu organisieren. Welche Idee steckt dahinter?

Neudeck: Wenn man gar nicht mehr kann, wenn man ohnmächtig ist, wenn man gegen die Wand prallt mit allem, was man tut mit Hilfe der Behörden in Berlin, mit dem Bundeskriminalamt, mit dem Auswärtigen Amt. Wenn keiner mehr weiter weiß, dann werden wir vielleicht noch einmal richtig darauf gestoßen, dass wir uns an jemanden wenden, der besser Bescheid weiß als wir über das Schicksal von Menschen. Dass wir das in Zusammenarbeit mit Muslimen tun, dazu war die Grundidee, dass Muslime sich auch in einer Kirche wohlfühlen beim Gebet und die Christen in einer Moschee. Ich denke, das war ein erhebender, ein wunderbarer Augenblick, dass wir uns an Gott gewandt haben und um den Frieden in Syrien und die Freilassung von unseren drei Entführten gebeten haben. Das haben wir mit dem Imam der Moschee zusammengemacht, mit dem Pfarrer der Martin Luther Kirche in Köln und einem Bruder von den Franziskanern. Es war ein wunderbares Gebet.

domradio.de: Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime war dabei und auch Navid Kermani, der deutsche Schriftsteller und Publizist. Was hat Sie dabei am meisten berührt bei diesem interreligiösen Gebet?

Neudeck: Dass das so selbstverständlich möglich war. Wir haben das ja innerhalb von 48 Stunden organisiert. Wir haben überhaupt keinen Vorlauf gehabt, aber wir haben eine selbstverständliche Form gefunden, in der die Gebete der Muslime und die Gebete von uns Christen eigentlich zusammengestimmt haben wie die verschiedenen Sätze einer Symphonie. Es gab nicht einen winzigen Ton des Zweifelns und des Zögerns. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich dieses ganz tolle Gefühl gehabt, dass wenn die Gläubigen in dieser deutschen Gesellschaft etwas zusammen tun, dann werden sie in der Zukunft noch andere viel größere gesellschaftliche Probleme auf die Hörner nehmen und lösen können.

domradio.de: Die Lage in Syrien ist weiterhin sehr ernst, welche Hoffnung verbinden Sie mit so einem Gebet?

Neudeck: Das war ja immer unser Land hat Aiman Mazyek gesagt und damit meinte er das Land der Muslime, das Land der Christen. Die Christen in Deutschland vergessen immer zu schnell, dass Syrien auch unser Land ist, dass der Apostel Paulus von Saulus zu Paulus in Damaskus wurde. Wir haben dort alle großen Stätten der Christenheit neben Palästina, neben Israel, neben dem, was wir das Heilige Land nennen, ist das eigentlich das zweitheiligste christliche Land und in diesem Land gibt es eine Vielzahl von Religionen und Konfessionen. Der Frieden in der Welt kann nie wirklich ausbrechen, wenn es keinen Frieden zwischen den einzelnen Religionen gibt und zumal zwischen den monotheistischen, den abrahamitischen Religionen. Das ist, glaube ich, die große Hoffnung, die wir mit diesem Gebet und das, was daraus folgt, verbinden müssen.

domradio.de: Das war ein Gebet für den Frieden in Syrien, aber auch für  die drei Männer der Grünhelme, die da als Geiseln genommen wurden, was haben diese Männer in Syrien geleistet?

Neudeck: Das Schönste an dieser Arbeit, die wir seit dem 3. September letzten Jahres dort gemacht haben, war die Tatsache, dass unsere Mitarbeiter immer wieder gesagt haben, wir haben uns noch nie auf der Welt so willkommen gefühlt. Und da waren einige dabei, die schon in mehreren Projekten in Ruanda, im Kongo, in Palästina und in Mauretanien waren. Sie haben gesagt, wir waren da manchmal die einzigen und die ersten, die gekommen sind von humanitärer Seite und die Bevölkerung hat das unheimlich wertgeschätzt, vielleicht sogar mehr wertgeschätzt die Tatsache, dass diese Leute, die wir dorthin geschickt haben, auch dort gewohnt haben, auch geschlafen haben, mitten in der Bevölkerung, weil das ja noch alles sehr unsicher und sehr gewalttätig ist und sehr gefährlich. Aufgrund der Spenden der deutschen Bevölkerung haben wir insgesamt sechs Schulen fertiggestellt, das Hospital in Azaz und waren jetzt dabei dieses Hospital in Harim zu machen und einen Kindergarten. Alle waren eigentlich ganz fest davon überzeugt, dass sie von der Bevölkerung, in der sie so willkommen sind, geschützt würden. Das ist dann in der Nacht von der 14. auf den 15. Mai aufgebrochen und wir haben bis heute leider noch immer keine klare Nachricht, wo sie sich von wem entführt befinden.

Das Interview führte Matthias Friebe

(DR)

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