Der Leib Jesu steht bei den Katholiken an Fronleichnam im Fokus

Fron...was? - Das feiert halb Deutschland am 11. Juni

In Bundesländern mit einem großen Anteil an Katholiken wird in diesem Jahr am 11. Juni Fronleichnam gefeiert. Warum nur dort? Und warum überhaupt? Die Bezeichnung hat im Übrigen nichts mit Leichen zu tun.

Symbolbild: Eine Monstranz und ein Kruzifix auf einer Prozession / © Harald Oppitz (KNA)
Symbolbild: Eine Monstranz und ein Kruzifix auf einer Prozession / © Harald Oppitz ( KNA )

Der Frühsommer könnte auch Vier-Tage-Woche-Sommer genannt werden: Ob 1. Mai, Vatertag (also Christi Himmelfahrt) oder Pfingstmontag, einige Feiertage verkürzen die Arbeitswoche. In halb Deutschland beglückt dann auch noch Fronleichnam, in diesem Jahr am 11. Juni, mit einem freien Tag die Menschen - besser gesagt: die Katholiken. Aber warum eigentlich?

Jedes Jahr am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche das Fest Fronleichnam. Der Name bedeutet übersetzt so viel wie "Fest des Leibes und Blutes Christi". Er leitet sich ab aus dem Althochdeutschen. Dabei steht "vron" für "Herr" und "licham" für "Leib". Also kein Grund für die Ableitung vom "fröhlichen Leichnam", auch der Wortwitz "Happy Kadaver" ergibt daher keinen Sinn.

Erinnerung an das Sakrament der Eucharistie

Mit dem Fest erinnern die Katholiken an eines ihrer Sakramente, das sind Riten, die als Zeichen eine unsichtbare Wirklichkeit Gottes vergegenwärtigen sollen. Sieben Sakramente kennt die katholische Kirche: Taufe, Firmung, Beichte, Krankensalbung, Weihe (Diakon, Priester und Bischof), Ehe und Eucharistie. An Letzteres wird mit Fronleichnam erinnert.

Die Eucharistie ist bei den Katholiken Teil der Heiligen Messe. Dabei wird mit Brot und Wein an das letzte Abendmahl von Jesus vor seiner Kreuzigung gedacht. Bei den evangelischen Christen heißt es Abendmahl statt Eucharistie. Aber nicht nur der Begriff, auch das theologische Verständnis unterscheidet sich zwischen den christlichen Konfessionen stark.

Nach katholischer Auffassung ist Jesus Christus real in Brot und Wein gegenwärtig, die dabei ihre "Substanz" ändern. In den reformatorischen Kirchen wird mehr der Bekenntnis- und Gedächtnischarakter betont.

Seit 1264 ist Fronleichnam allgemeines Kirchenfest

Wegen der großen Bedeutung der Eucharistie ist Fronleichnam nur in den "katholischen" Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag: Baden Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie in einigen Gemeinden in Sachsen und Thüringen.

Papst Urban IV. führte Fronleichnam 1264 als allgemeines Kirchenfest ein, 1317 ordnete Papst Johannes XXII. den Donnerstag als Festtag an. Das Fest geht zurück auf eine Vision der Augustinernonne Juliana von Lüttich im Jahr 1209; sie wurde später heiliggesprochen.

Das heutige Verständnis des Festes geht vom Bild des wandernden Gottesvolkes aus, dessen Mitte Christus ist, das "Brot des Lebens". Bei Umzügen mit der Gemeinde tragen Geistliche besonders schmucke Gefäße, sogenannte Monstranzen, mit der als Leib Christi verehrten Hostie durch die Straßen. Oft wird über den Pfarrer mit der Monstranz ein Baldachin gehalten - ein Stoffhimmel, der an den vier Seiten mit Stäben getragen wird. Bei diesen Prozessionen wird gesungen, gebetet und an mehreren mit Blumen geschmückten Stellen aus dem Evangelium gelesen sowie ein Segen gesprochen.

Fronleichnamsprozession erstmals in Köln belegt

Mit einer Prozession wurde Fronleichnam erstmals in den 1270er Jahren in Köln begangen. In der Reformationszeit entwickelte sich das Fest zu einem Merkmal, das die Konfessionen trennte. Martin Luther bezeichnete es 1527 als "allerschädlichstes Jahresfest", dem die biblische Grundlegung fehle. Karfreitag, oft als rein evangelischer Feiertag angesehen, und Fronleichnam waren lange Zeit "Kampftage" der Glaubensrichtungen: Am Karfreitag klopften Katholiken extra ihre dreckigen Teppiche aus und an Fronleichnam wuschen die Protestanten demonstrativ ihre schmutzige Wäsche.

Der Gegensatz hat sich längst abgeschwächt: Beispielsweise gab es gemeinsame Feiern bei evangelischen Kirchentagen, die den Feiertag umfassten, wie zuletzt in Dortmund. In diesem Jahr können die Gemeinden ihre Prozessionen - wenn überhaupt - angesichts der Corona-Pandemie nur unter besonderen Hygiene- und Abstandsregeln organisieren.

In manchen Orten war Fronleichnam sogar schon vor einigen Wochen. Denn aufgrund der coronabedingten Gottesdienstverbote hatten sich einzelne Priester mit Monstranz auf dem Weg durch die Straßen gemacht. Die Geistlichen wollten mit dieser außergewöhnlichen Geste die Botschaft von Fronleichnam zum Ausdruck bringen: Jesus ist da, er begleitet uns, er steht den Menschen zur Seite.

Von Rainer Nolte


Geschmücktes Kreuz an Fronleichnam / © Beatrice Tomasetti (DR)
Geschmücktes Kreuz an Fronleichnam / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Fronleichnamsprozession in Köln / © Beatrice Tomasetti (DR)
Fronleichnamsprozession in Köln / © Beatrice Tomasetti ( DR )

Trachtenträger laufen an Fronleichnam während der Prozession an einem Blumenteppich vorbei / © Patrick Seeger (dpa)
Trachtenträger laufen an Fronleichnam während der Prozession an einem Blumenteppich vorbei / © Patrick Seeger ( dpa )

Kirchenmotive in einem Blumenteppich an Fronleichnam / © Patrick Seeger (dpa)
Kirchenmotive in einem Blumenteppich an Fronleichnam / © Patrick Seeger ( dpa )
Quelle:
KNA
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