Display eines Handys mit Marienikone
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25.03.2020

Zum Hochfest der Verkündigung des Herrn Gott im Alltag begegnen

Da geht man seinem Alltag nach, denkt an nichts Besonderes. Und plötzlich ist da die Gewissheit, dass Gott persönlich zu einem spricht. So ist es Maria ergangen.

Neben der berühmten Verkündigungsbasilika gibt es in Nazareth noch einen zweiten, bedeutenden Ort, an dem der Menschwerdung Gottes gedacht wird: Es ist der sogenannte Marienbrunnen mit der heutigen griechisch-orthodoxen Gabrielskirche. Hier befindet sich eine der beiden Wasserquellen, die Nazareth in der Antike mit Wasser versorgt hat. Nach dem Protevangelium des Jakobus habe sich die Begegnung zwischen dem Engel Gabriel und Maria an diesem Ort zugetragen.

Dort, wo wir ihn am wenigsten erwarten

Es heißt, dieses Ereignis sei so bedeutend gewesen, dass es in der Öffentlichkeit geschehen sein muss, nämlich als Maria gerade beim Wasserholen am Brunnen war. Während die westliche Christenheit die Verkündigung eher im Haus Mariens lokalisiert, also als ein sehr intimes Ereignis betrachtet, gedenken die orientalischen Christen bis heute vor allem am Marienbrunnen der Botschaft des Engels: "Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären" (Lk 1,31).

Es ist eigentlich ein schöner Gedanke, der sich mit diesem Marienbrunnen verbunden hat: dass Gott mitten in unseren Alltag einbricht, dass er sich gerade dort finden lässt, wo wir ihn am wenigsten suchen. So war es auch bei Maria. Sie war beim Wasserholen; am Dorfbrunnen hat sie sich vielleicht mit den anderen Frauen aus Nazareth getroffen. Vielleicht hat man Neuigkeiten ausgetauscht, ist miteinander ins Gespräch gekommen - so, wie das halt ist, wenn man sich bei alltäglichen Dingen über den Weg läuft.

"Business as usual"

So oder ähnlich wird es wohl gewesen sein, als Maria wieder einmal zum Brunnen gelaufen ist, um Nachschub zu besorgen. Alltäglicher geht es eigentlich kaum. Denn Wasser ist ja etwas, das man unweigerlich zum Überleben braucht; das ist heute nicht viel anders als damals. Maria am Brunnen beim Wasserholen: Wie oft sie das wohl gemacht hat im Lauf ihres Lebens? "Business as usual" würden wir das heute nennen. Genauso, wie heute das Einräumen der Spülmaschine oder der Abwasch nach der Mahlzeit, wie der Weg zum Arbeitsplatz oder der Spaziergang mit dem Hund. Alltag eben.

Doch was sich in dabei ganz nebenbei ereignet, ist etwas Unerhörtes: Maria wird vom Wort Gottes getroffen, sie begegnet dem Engel, der eine unglaubliche Botschaft für sie bereithält. Sie soll die Mutter seines Sohnes werden! Eine unglaubliche Nachricht, mitten im Alltagstrott.

Aber ist das nicht gerade das Wunderbare an dieser Begegnung? Dass sie sich eben nicht dort ereignet, wo man eigentlich mit ihr rechnen würde, dass sie sich nicht an die heiligen Hallen des Tempels klammert, sondern dort geschieht, wo niemand mit ihr gerechnet hätte? Gott im Alltag einer jungen Frau im Dorf Nazareth, irgendwo fernab von Jerusalem. Das ist eine unglaubliche Nachricht - und eine unglaublich schöne noch dazu.

Aufgabe für jeden Christen

Die Verkündigung der Geburt Jesu hat Bedeutung für unser Leben. Sie zeigt: Gott zu begegnen, kann etwas ganz Alltägliches sein. Ihm auf die Spur zu kommen, seiner Gegenwart gewahr zu werden, dafür braucht es nicht unbedingt das Gemäuer der Kirche. Gott schenkt den Menschen seine Nähe - und meist gerade dort, wo sie am wenigsten mit ihm rechnen.

Was es allerdings dazu braucht, das sind die offenen Augen und das offene Herz, um seine Präsenz auch wirklich wahrzunehmen. Es geht um die Achtsamkeit, auch in den alltäglichsten Dingen nicht den Blick für Gottes heilbringende Gegenwart zu verlieren. Die Begegnung zwischen Gott und Maria am Dorfbrunnen zeigt, wie schnell Gott in den Alltag der Menschen einbricht, um sich dort von ihnen finden zu lassen.

In der Regel des heiligen Benedictus heißt es, der Abt solle einen, der ins Kloster eintreten möchte, zweimal wieder wegschicken. Und erst, wenn deutlich ist, dass er wirklich Gott sucht, solle man ihn in die klösterliche Gemeinschaft aufnehmen. Gott suchen - das ist nicht nur die Aufgabe eines Mönchs, sondern eines jeden Christen. Wie wichtig es ist, das im Alltag immer und immer wieder zu verwirklichen, das zeigt die Begegnung Mariens am Brunnen.

Fabian Brand
(KNA)

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